Für den Seuchenfall rechtzeitig vorsorgen

(Bildquelle: topagrar.at)

Bei angeordneten Keulungen ersetzt der Staat nur den Tierwert, auf den anderen Kosten bleibt der Landwirt sitzen. Abhilfe können Tierversicherungen schaffen – besonders bei hoher ASP-Gefahr. Franz Stephan Innerhuber klärt auf.

Beim Versichern eines landwirtschaftlichen Betriebes geht es um die Absicherung existenzgefährdender Risiken. Zu diesen gehören auch Tierseuchen und übertragbare Tierkrankheiten. Vor allem vor großen Seuchenzügen blieb Österreich die letzten Jahrzehnte verschont – seit fast zwei Jahren rückt aber die Afrikanische Schweinepest (ASP) immer näher.

ASP kommt immer näher:

So waren am Beispiel der ASP im Jänner 2018 nur kleine Teile der Ukraine betroffen. Heute gibt es dort mittlerweile nur mehr wenige ASP-freie Gebiete. So traten Fälle in Tschechien und gehäuft in Ungarn auf. Weite Teile Osteuropas sind von der ASP stark betroffen, im Westen trat die Seuche in einem Gebiet in Belgien sowie auf Sardinien auf.

Wie der ASP-Erreger nach Belgien gekommen war, ist unbekannt – aber es zeigt, welche weiten Strecken in kurzer Zeit überwunden werden können. Dementsprechend ist eine Absicherung für einen schweinehaltenden Betrieb mittlerweile unumgänglich – denn auch für die Staatsveterinäre scheint unausweichlich, dass früher oder später die ASP auch hierzulande auftreten wird.

Große Folgeschäden:

Bei ASP in einem Schweinebetrieb entsteht dem Landwirt ein doppelter Schaden. Einerseits brechen die Umsatzerlöse für den Verkauf der Tiere abrupt ein, andererseits entstehen massive Zusatzkosten (Betriebsunterbrechung, Bestandswiederaufbau, etc.). Dies kann auch einen gut aufgestellten Betrieb schnell in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Von staatlicher Seite gibt es aktuell zwar noch Hilfe, allerdings handelt es sich hierbei nur um einen Basisschutz, da nur der Tierwert entschädigt wird und die Desinfektion finanziell mitgetragen wird. Wirtschaftliche Folgeschäden des Betriebes werden nicht abgedeckt.

Indirekte Betroffenheit:

Das Risiko, selbst von der ASP betroffen zu sein, hält sich aktuell noch in Grenzen – allerdings ist die Chance, in einem Sperrbezirk zu sein, etwa 70 mal höher als die direkte Betroffenheit – auch mit entsprechenden schwerwiegenden Folgen. Wenn eine Sperre über mehrere Monate andauert, kommen weitere Probleme schnell dazu – durch Überbelegung im Stall kommt es zu Krankheitsproblemen, es entstehen Zusatzkosten für die Einrichtung eines Behelfsstalles, weiters zur Nottötung von Tieren aufgrund Überbelegung, Mindererlöse wegen zu schweren Tieren, etc. Bis hier der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden kann, dauert es auch bei kurzen Sperren viele Monate.

Weiters besteht eine extreme indirekte Gefahr durch Zuliefer- und Verarbeitungsbetriebe. Als Schweinemastbetrieb besteht das Risiko, keine Ferkel zu bekommen, wenn der Ferkelzulieferer von ASP betroffen ist. Und umgekehrt kann ein Ferkelerzeuger seine Ferkel nicht vermarkten, sollte der abnehmende Mastbetrieb unter ASP-Quarantäne stehen. Das gleiche gilt auch beim Mastbetrieb, sollte sein Schlachtbetrieb von der Seuche betroffen sein.

Seuchen-Risikomanagement:

Vor allem die strikte Einhaltung der Hygienebestimmungen ist enorm wichtig, um die Ausbreitung der ASP oder auch einer anderen Tierseuche einzudämmen. Doch sollte es wirklich so weit sein und die ersten Betriebe gesperrt und die Tierbestände gekeult werden, spätestens dann hilft nur mehr eine entsprechende rechzeitige Absicherung durch eine der möglichen Versicherungslösungen. In Österreich werden für den Schweinebestand nur von zwei Anbietern solche Angebote bereit gestellt.

Variante Hagel:

Die Hagelversicherung bietet eine pauschale Variante an, wie man es aus der klassischen Hagelversicherung für die Ackerkulturen und Grünland gewohnt ist. Mit einigen wenigen Daten kann die Prämie berechnet werden und genau so einfach erfolgt der Abschluss – und man weiß bereits bei Abschluss, welche Summe man in einem möglichen Schadensfall entschädigt bekommt. Der Selbstbehalt beträgt zwei Wochen – also zwei Wochen nach erstmaligem Eintritt der ASP tritt die Entschädigung ein. Dies bei Sperre mit Keulung als auch ohne Keulung. Versichert ist hier nicht nur die ASP, sondern auch weitere Tierseuchen wie die Klassische Schweinepest, Milzbrand, Rauschbrand, Brucellose, etc. sind automatisch dabei.

R+V-Variante:

Als Alternative dazu bietet die R+V-Versicherung als führender Tierversicherer am deutschen Markt seit 2011 auch in Österreich die sogenannte „Ertragsschadenversicherung“ an. Im Gegensatz zur pauschalen Variante der Hagelversicherung erfolgt die Entschädigung im Schadensfall deckungsbeitragsabhängig – aber im Prinzip genau so einfach wie die pauschale Variante.

Kommt es hier zum Versicherungsfall, wird das „Schadenjahr“ einem schadenfreien Jahr gegenübergestellt – und alles, was die Kosten erhöht hat und die Erlöse vermindert hat, wird von der Versicherung entschädigt. Am Ende bleibt ein Selbstbehalt, der vom Landwirt selbst zu tragen ist – und alle weiteren Kosten und entgangenen Einnahmen werden übernommen.

Plus & Minus der Varianten:

Vorteil der pauschalen Variante ist also die vorhersehbare Abrechnung – wobei dies genauso auch zum Nachteil dieser Variante werden kann. Vor allem bei lang andauernder Sperre steigen die Kosten nicht mehr linear, sondern progressiv – was von der deckungsbeitragsabhängigen Variante gut erfasst wird, bei der pauschalen Variante aber durch den Rost fallen könnte. Vor allem kann man noch nicht vorhersehen, welche Kosten im Schadensfall tatsächlich auf einen Betrieb zukommen – daher bietet die deckungsbeitragsabhängige Variante der R+V den besten Sicherheitsfaktor.

Die Haftungszeit beträgt bei beiden Varianten im Normalfall 12 Monate. Bei der R+V kann dies bis auf das doppelte verlängert werden. Gleich ist bei beiden Anbietern ist auch die Wartezeit – vom Abschluss der Versicherung bis zum Versicherungsschutz dauert es bei beiden Versicherungen drei Monate. Daher warten Sie nicht zu lange mit dem Abschluss – denn wenn man sich noch in der Wartezeit befindet, wird im Schadensfall nichts entschädigt, obwohl bereits die Prämie bezahlt wurde.

Zusatzdeckungen:

Bei der Hagelversicherung kann zu den standardmäßig versicherten Seuchen noch extra der Lüftungsausfall mitversichert werden.

Bei der R+V-Versicherung steht zusätzlich zur Seuchendeckung eine Deckung für alle übertragbaren Tierkrankheiten zur Verfügung (z.B. PRRS bei Zuchtschweinen) als auch eine Deckung für Unfälle im Tierbestand (wie z.B. Lüftungsausfall, etc).

Prämien:

Bei den Prämien wird sich voraussichtlich im Jahr 2019 einiges ändern. Ähnlich wie bei den Versicherungen für die Ackerkulturen und fürs Grünland wird es ab nächstem Jahr von Land- und Bund auch für Seuchenversicherungen eine Förderung geben.

Bis jetzt musste eine Ertragsschadenversicherung zur Gänze selbst bezahlt werden – zukünftig werden bis zu 55 % der Prämie von Land- und Bund übernommen. Wie viel davon von den beiden Anbietern dann an den Endkunden weitergegeben wird, wird sich zeigen.

Generell sind die beiden Anbieter in ihrer Prämienkalkulation sehr ähnlich. Es muss grundsätzlich zwischen konventionellen und biologisch geführten Betrieben unterschieden werden, da die Tierwerte doch sehr unterschiedlich sind.

Schadenabwicklung:

Da es in Österreich bis dato noch keinen ASP-Fall gab, gibt es auch noch keine Erfahrungen, welche Kosten entstehen. Daher ist auch die Schadenshöhe noch nicht wirklich abschätzbar – und natürlich auch nicht die Dauer von eventuellen Betriebssperren, etc.

Von Seiten des Versicherers muss man natürlich sagen, dass die R+V als größter Tierversicherer Deutschlands bereits sehr gute Schadenserfahrung im Tierversicherungsbereich hat – auch mit Thema Seuchen, usw. Auch in Österreich wurden schon einige Schäden abgewickelt – zwar nicht in Zusammenhang mit der ASP, aber doch bei Schäden wie etwa durch Salmonellose im Geflügelbereich. So konnten sich auch schon österreichische Landwirte von der Kompetenz in der Schadenabwicklung überzeugen lassen.

Fazit:

Es ist sehr sinnvoll, sich mit dem Thema Seuchenabsicherung zu beschäftigen, da es früher oder später die ersten Fälle geben wird. Außerdem werden die Versicherungsprämien durch die öffentliche Förderung deutlich günstiger. Gleichzeitig werden aber die staatlichen Leistungen bei einem Schadensfall – ähnlich wie bei den Wetterrisiken – sicher reduziert werden.

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