So machen Sie Ihre Böden klimafit

(Bildquelle: topagrar.at)

Können sich Landwirte im Ackerbau irgendwie auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten? Welche Maßnahmen können helfen, die Erträge abzusichern? In dieser zweiteiligen Serie gibt Hans Gerhard Gnauer neue Denkanstöße dafür.

Hitze, Trockenheit, Starkregen, Ernteausfälle: Die letzten zwei Jahre haben uns drastisch vor Augen geführt, welche Auswirkungen der fortschreitende Klimawandel mit sich bringt. Können wir Landwirte uns irgendwie darauf vorbereiten?

Klare Antwort: Ja können wir. Zwar ist es natürlich unmöglich, es in einem Gebiet auf Wunsch regnen zu lassen. Aber es gibt Maßnahmen, die man setzen kann, um mehr Wasser in seinen Böden zu speichern bzw. Starkregen besser zu verwerten. Mehr dazu lesen Sie im Folgenden.

Zwei Wege Wasser zu sparen:

Uns stehen prinzipiell zwei Möglichkeiten zur Verfügung, wie wir Wasser „einsparen“ können:

Beide Wege führen zu mehr Wasser im Boden. Das wiederum steht für das Wachstum der Pflanzen zur Verfügung. Doch wie können wir das schaffen? Dazu müssen wir lernen, unsere bisherige Arbeit am Feld weiter zu entwickeln. Diese stellt den gesunden und intakten Boden in den Mittelpunkt. Wir müssen lernen, „Bodenaufbau“ zu betreiben. So gelangen unsere Böden in einen besseren Zustand und sind in der Lage, mehr Wasser und Nährstoffe zu speichern. Wie funktioniert nun dieser „Bodenaufbau“?

Bodenaufbau funktioniert nicht von heute auf morgen. Das dauert doch mehrere Jahre, bei manchen Böden auch länger, bis die gewünschten Effekte eintreten. Am leichtesten möglich ist eine Anpassung der Bearbeitung weg vom Pflug hin zu anderen Bodenbearbeitungssystemen bei schweren und mittleren Böden.

Diese gewöhnen sich meist binnen drei bis fünf Jahren an andere Bearbeitungsweisen. Am schwersten ist die Änderung der Bearbeitungsweise bei sehr leichten Schluffböden und Sandböden. Diese Böden können fünf bis 15 Jahre für die Anpassung brauchen.

Bodenaufbau bedeutet, das Bodenleben zu fördern und zu unterstützen, wo es nur geht. Denn nur ein starkes und intaktes Bodenleben kann uns bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels helfen. Das beginnt bei einer vielfältigen Fruchtfolge, um genügend Nahrung für das Bodenleben zur Verfügung zu stellen (siehe Kasten). Hier muss auch ein vielfältiger und intensiver Zwischenfruchtanbau stattfinden, um unser Bodenleben zu versorgen (mehr dazu im 2. Teil der Serie).

So schonend wie möglich bearbeiten!

Darüber hinaus muss so schonend wie möglich am Feld gearbeitet werden, um Verdichtungen und Schadhorizonte in jeder Form zu vermeiden. Viel schneller geht die Anpassung der Böden, wenn man Mist oder Kompost zur Verfügung hat. Damit können die Anpassungszeiten verkürzt werden.

Die Anwendung von Mulch- und Direktsaat bietet gleich zwei Vorteile: Es werden beide „Wassersparmöglichkeiten“ vereint, indem die unproduktive Verdunstung durch die Zwischenfruchtreste eingedämmt und die Infil-trationsrate bei Starkregen verbessert wird. Dadurch nimmt der Oberflächenabfluss deutlich ab. Anzumerken ist hier, dass die Direktsaat der Mulchsaat vorgezogen werden sollte.

Auch eine ausgewogene Düngung kann helfen, die Struktur der Böden zu verbessern und mehr Porenvolumen zu erreichen. Hier kommt vor allem Calzium und Magnesium eine zentrale Bedeutung zu. Aber auch Kali und Phosphor dürfen nicht vergessen werden. Das Ziel aller Maßnahmen soll ein intakter, gut strukturierter und lebendiger Boden sein. Dieser besitzt ein großes Speichervermögen für Wasser und Nährstoffe.

Mulchabdeckung nach der Ernte:

Eine gute schützende Mulchschicht nach der Getreideernte bremst die Evaporation. Diese Schicht erreichen Sie durch Nachmulchen des Strohs sowie eine möglichst gute Verteilung des Strohs. Dazu eignen sich am besten Mulcher mit Hammerschlägeln oder Klingen als Werkzeug.

Das Mulchmaterial darf aber nicht zu stark zerkleinert werden. Das Ziel sind mundgerechte Stücke für den Regenwurm von 5 bis max. 10 cm Länge. Nachdem der Mähdrescher das Stroh meist nicht gut verteilt, ist auch über den Einsatz von Schwerstriegeln nachzudenken. Damit können die Lücken gefüllt und zu viel Stroh an einer Stelle aufgeteilt werden. Dabei wird auch der Boden leicht bearbeitet, was zu einer Verbesserung der Strohrotte führt.

Nebenbei wird dadurch auch das Ausfallgetreide besser zum Keimen gebracht. Durch mehrfache Striegelüberfahrten kann es auch beseitigt werden. Das funktioniert aber nicht immer und nicht in allen Jahren zufriedenstellend. Jedenfalls aber erfolgt eine stark verbesserte Strohrotte. Dadurch können am Stroh sitzende Krankheiten wie Fusariosen oder Rhizoctonia nicht so leicht ins neue Anbaujahr überwechseln.

Mulcher und Striegel sind hier neben dem Wasserspargedanken also auch als Hygienemaßnahme zu sehen. Auch von den Kosten sind diese Maßnahmen überschaubar. Die Flächenleistung eines Schwerstriegels mit 7,2 m Arbeitsbreite ist mit ca. 20 bis 30 min pro 5 ha enorm. Ein Mulcher mit variablen Schnittlängen kann auch mit ca. 15 km/h gefahren werden. Das bedeutet eine doch ansprechende Flächenleistung bei gleichzeitig guter Arbeitsqualität.

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