130 heimische Holzkraftwerke vor dem Aus?

Hiezkraftwerk
Aktuell gibt es in Österreich rund 130 Holzkraftwerke. Ihr künftiges Bestehen hängt von der Großen Ökostromnovelle ab.
Quelle: Biomasseverband

"Beim Beschluss des Ökostromgesetzes 2002 war der Ausbau der Erneuerbaren Energie gewollt. Wenn es jetzt keine Nachfolgeregelung nach der 13jährigen Laufzeit geben sollte, betreibt man quasi Kindesweglegung." Mit diesen Worten beschrieb heute Hans-Christian Kirchmeier, GF der Nawaro Energie Betrieb GmbH, auf einer Presekonferenz seine Gefühlslage angesichts der ausstehenden Großen Ökostromnovelle.

An der Pressekonferenz zum Thema „Wer Holzkraftwerke abdreht, dreht Atomstrom auf“ nahmen darüber hinaus Josef Plank, Präsident des Österreichischen Biomasseverbandes, Dr. Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste sowie Rudolf Rumplmayr, Inhaber des Sägewerkes Donausäge im Ennshafen teil.
 

Dringend Große Novelle notwendig

Zwar räumte Josef Plank ein, dass mit dem Beschluss der Kleinen Ökostromnovelle dringend notwendige Instandhaltungsarbeiten im Ökostromregime umgesetzt wurden. Doch der GF des Biomasseverbandes machte deutlich, dass „für eine Weiterentwicklung der Ökostrombranche jedoch dringend eine Große Novelle notwendig ist. Für feste Biomasse sind die bestehenden Regelungen weiterhin absolut unzureichend“.
 
Komme nicht zeitgerecht eine sinnvolle Ökostromgesetzreform, müsse der Großteil der voll funktionsfähigen Holzkraftwerke abgeschaltet werden, so Plank. „Damit stehen 6.400 regionale Arbeitsplätze und 6,5 Milliarden Kilowattstunden erneuerbare Energie in Form von Strom und Wärme auf dem Spiel. 20 % des in Österreich verarbeiteten Holzes gingen in die Biomasse.
 

Plank
"Wer Strom und Wärme aus Holz abdreht, dreht unmittelbar Atomstrom auf", erklärte heute Josef Plank unmissverständlich Richtung Bundesregierung.
Quelle: Altmann
In kalten Wintern basieren mehr als 70 % des Stromaufkommens auf fossilen Kraftwerken und Stromimporten aus Nachbarländern mit hohem Anteil an Kernenergie. „Das Gegeneinander-Ausspielen der erneuerbaren Energien, wie es von Vertretern der fossilen Energiewirtschaft und neuerdings von der Spitze der Bundesregierung praktiziert wird, muss endlich ein Ende haben.

„In letzter Zeit gab es zunehmend Stimmen, teure Technologien drehen wir ab“, so Plank.  Und mit den Stimmen meinte er in erster Linie Bundeskanzler Christian Kern, wie er hinzufügte. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn alle Erneuerbaren Energien entwickelt werden und die fossile Stromproduktion zurückgedrängt wird“, so Plank.
 
Erst vor wenigen Wochen haben die erneuerbaren Energieverbände gemeinsam mit der TU Wien eine Studie vorgelegt, die zeigt, dass 100 Prozent Ökostrom technisch möglich ist und ökonomische Vorteile bringt. „Der Mythos vom teuren Ökostrom ist ein populistisches Märchen.

Österreichs Haushalte wenden etwa 4 Prozent ihrer Energiekosten für Ökostrom auf.

Ökostrombeitrag
Der Ökostrombeitrag macht nur etwa 4% der Energiekosten der österreichischen Haushalte aus.
Quelle: Biomasseverband

Wer die Energiewende ernst nimmt, sollte sich auf die restlichen 96 Prozent konzentrieren, die zum Großteil für fossile Energie ausgegeben werden“, betont Plank.
 
Energieholzaufkommen wird durch Klimawandel steigen
 
„Die Nutzung von Biomasse als Energieholz ist für uns wirtschaftlich von großer Bedeutung, da sie Verwertungsmöglichkeit für bisher nicht absetzbare Holzsortimente geschaffen hat“, erklärte Dr. Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste (ÖBf).

Die Österreichischen Bundesforste betreiben gemeinsam mit der Wien Energie das größte Holzkraftwerk Österreichs. Im Wald-Biomassekraftwerk Simmering wird mit einem Gesamtwirkungsgrad von bis zu 80 % Waldhackgut aus der Region bedarfsgerecht zu Strom und Wärme verarbeitet.

Freidhager
"Wir produzieren in unserem Biomassewerk Simmering Grundlast, unabhängig von Wind und Sonne", hob Dr. Rudolf Freidhager einen wichtigen Vorteil dieser Technologie hervor.
Quelle: Altmann

Das eingesetzte Hackgut stammt aus einem Umkreis von etwa 80 Kilometer rund um das Werk. In Zukunft könnte sich der Einzugsradius noch verringern.
 „Durch den klimabedingt notwendigen Umbau des Waldes sind verstärkt Waldpflegemaßnahmen notwendig. Gleichzeitig droht ebenfalls klimabedingt neben einem Anstieg an Borkenkäferschäden auch ein Anstieg an Schadereignissen wie Sturmwurf, Dürre oder Schneebruch. Wir rechnen daher mit einem verstärkten Anfall von Energieholz, von Versorgungsengpässen kann keine Rede sein – im Gegenteil“, so Freidhager.
 
Ökostromvergütung auch für Holzindustrie wichtig
 
„Der in Politdiskussionen immer wieder auftauchende Vergleich von Ökostromtarifen mit den aktuell günstigen Großhandelspreisen ist unseriös, da tatsächliche Erzeugungskosten, Speicher-, Netz und Umweltkosten bewusst unberücksichtigt bleiben. Es ist unbegreiflich, wie durch die tendenziös geführten Detaildiskussionen die prädestinierte Gewinnung erneuerbarer KWK-Energie auf Basis von Rinde und sonstigen forstlichen Energieholzsortimenten diskreditiert und aufs Spiel gesetzt wird und gleichzeitig die volkswirtschaftlichen Nachteile von Schließungen unsachlich ausgeblendet werden“, sagte DI Rudolf Rumplmayr, Inhaber der Donausäge Rumplmayr.

Rumplmayr
"Obwohl ein entsprechender Ökostromtarif für 20 Jahre zugesichert wurde, fehlt nach den ersten 13 Jahren nun die notwendige Nachfolgetarifregelung", ärgerte sich Rudolf Rumpfmayr.
Quelle: Altmann

Das Sägewerk betreibt eine in den Verarbeitungsprozess eingebundene Biomasse-KWK-Anlage. „Ohne entsprechende Nachfolgetarifregelung müsste der Energiehaushalt in vielen Betrieben der österreichischen Holzindustrie umgestellt werden“, so Rumplmayr weiter. In der gegenwärtigen Situation würde dies einen erheblichen Mindereinsatz erneuerbarer Energieträger bei gleichzeitigem Ersatz durch fossile Energieträger bedeuten.
 
„Obwohl ein entsprechender Ökostromtarif für 20 Jahre zugesichert wurde, fehlt nach den ersten 13 Jahren nun die notwendige Nachfolgetarifregelung. Einerseits zerbricht man sich die Köpfe darüber, wie zukünftig bedarfsgerecht Strom produziert, mit hohen Kosten transportiert und gespeichert werden kann, andererseits vergisst die Politik auf bereits bestehende Anlagen, die genau bedarfsgerecht und hocheffizient Strom bereitstellen können – und dies mit vergleichsweise geringer Kostenbelastung“, betonte Rumplmayr.
 
Regionale Wertschöpfung statt Atomkraft
 
Österreichs Holzkraftwerke erzeugen Strom für eine halbe Million Haushalte und stellen etwa 20 Prozent der Fernwärme. „Besonders in strukturschwachen Regionen sind Holzkraftwerke ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Allein in unseren drei KWK-Anlagen beschäftigen wir 32 Vollzeitmitarbeiter und sichern mit dem Betrieb der Anlagen rund 350 weitere Arbeitsplätze, vorwiegend im regionalen Gewerbe, vom Installateur bis zu Holzernte-Unternehmen", erklärte Mag. Hans-Christian Kirchmeier, Geschäftsführer der NAWARO ENERGIE Betrieb GmbH und Vorsitzender der IG Holzkraft.
 

Kirchmeier
Wir sichern mit unseren drei Biomassewerken in einer strukturschwachen Region wie dem Waldviertel mindestens 350 Arbeitsplätze", hob Hans-Christian Kirchmeier die Bedeutung solcher Anlagen für die Arbeitsplatzsicherung hervor.
Quelle: Altmann

"Wir haben fertige Konzepte in der Schublade, um unsere Anlagen zu modernisieren, die Abwärmenutzung zu steigern und die Flexibilität zu erhöhen, können aber aufgrund der fehlenden Rahmenbedingungen nicht investieren. Einige unserer Anlagen liegen nur wenige Kilometer von den tschechischen Kernkraftwerken entfernt, deren Stromerzeugung mit 40 Cent/KWh etwa dreimal soviel kostet wie Energie aus unseren Werken. Dort diskutiert man über Erweiterungen, wir über's Zusperren." Die 130 heimischen Holzkraftwerke produzieren etwa gleich viel Energie wie im Kernkraftwerk Zwentendorf produziert worden wäre. Sie sind für die Energiewende besonders wertvoll, weil sie auch dann Strom und Wärme produzieren, wenn Wind, Wasser und Photovoltaik wetterbedingt nicht mehr können.
 

Holzkraftwerke auch für Wald wichtig

Dadurch reduzieren sie teure Energiespeicher und Netzausbauten und ersetzen hochsubventionierte Kohle- und Atomkraftwerke, die Mitverursacher des Klimawandels, unbeschreiblicher Umweltkatastrophen und menschlicher Tragödien sind. Holzkraftwerke sind auch für den Wald (Borkenkäferbekämpfung, Finanzierung von Waldpflegemaßnahmen, etc.) und die Holzindustrie (Verwertung von Nebenprodukten wie insbesondere Rinde) wichtig. Auf der Homepage www.stromausbiomasse.at und dem Facebook Account stromausbiomasse informiert der Österreichische Biomasse-Verband über Holzkraftwerke und deren Bedeutung.
 
Unterstützt wird die Informationskampagne von den Österreichischen Bundesforsten, der Landwirtschaftskammer Österreich, den Land&Forst Betrieben Österreich, dem Waldverband, der IG Holzkraft und dem Maschinenring.

Schlagworte

Holzkraftwerk, Energie, Plank, Rudolf, Biomasse, Österreichische, erneuerbare, Rumplmayr, Freidhager, Kirchmeier

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