Als ob die Dürre nicht schlimm genug wäre

Autor: Beate Kraml

Torsten Altmann
DI Torsten Altmann, Redaktion top agrar Österreich
Quelle: top agrar

Zwei Dinge lassen derzeit zweifellos bei vielen Milchbauern das Stimmungsbarometer abstürzen: Die Dürre und die fortlaufenden Dumpingpreise im Handel. Lesen Sie dazu den Kommentar von Torsten Altmann, Redakteur bei top agrar Österreich.

Gegen die Dürre sind unsere Bauern machtlos. So bekommen vor allem Grünlandbetriebe in vielen Teilen Oberösterreichs, aber auch in anderen Regionen die Tücken des Wetters mit voller Wucht zu spüren (siehe Seite 10 in der aktuellen top agrar Österreich-Ausgabe 9/2018). Die durch die langanhaltende Trockenheit entstehende Futterlücke wird mit jedem Tag größer. Von bis zu 70 % weniger Futter vom Grünland ist in manchen Regionen die Rede.

Für das wenige Futter, das am Markt verfügbar ist, muss man tief in die Tasche greifen. Die fehlenden Futtervorräte zwingen viele Bauern, die Selektion von Altkühen vorzuziehen. Folge: Die Schlachtzahlen sind drastisch gestiegen, der Kuhpreis ebenso drastisch gefallen.

Jetzt kommt es darauf an, den betroffenen Bauern effektiv zu helfen. Die EU hat bekanntlich die Nutzung von Zwischenfrüchten zur Futtergewinnung erlaubt. Und sie gibt den Mitgliedstaaten die Möglichkeit, die EU-Ausgleichszahlungen statt im Dezember im Oktober 2018 auszuzahlen. Doch Österreich wird davon keinen Gebrauch machen. Ein früherer Termin als Dezember ist nicht mehr zeitgerecht zu bewältigen, heißt es dazu aus Wien. Interessenvertreter fordern jetzt darüber hinaus von der EU, dass sie ihre finanzielle Krisenreserve für die betroffenen Betriebe aktivieren solle. Und es seien auch ergänzende nationale Ausgleichsmaßnahmen erforderlich.

Unsere Nachbarn in Bayern haben hier schon reagiert: Der Freistaat will 50 % der Futtermittelkosten übernehmen, gedeckelt auf 50 000 € pro Betrieb. Im Nachhaltigkeitsministerium ist an ähnliches offenbar nicht gedacht. Zwar hat man geprüft, ob der Katastrophenfonds für die Betroffenen aufgemacht werden kann, heißt es. Dieser ist aber nicht für Dürreschäden vorgesehen.

„Unverschämt-Preisen des Handels einen Riegel vorschieben”

Als ob die Situation für viele Betriebe nicht schon schlimm genug ist, sorgt der Handel aktuell mit zunehmenden Rabattschlachten bei Milchprodukten für gehörigen Unmut unter den Bauern. So liefern sich Rewe, Spar & Co. beispielsweise gerade beim Käse einen heftigen Preiskampf. Da wird ein „Premium Original Almkönig“ von SalzburgMilch um unfassbare 5,12 € je kg angeboten. Oder ein Heumilch Emmentaler um 8,79 € je kg.

Den Vogel abgeschossen hat aber Spar mit einem Angebot über 29 Ct/kg für Formil Haltbarmilch. Nachdem wir ein Foto davon auf www.facebook.com/topagrarAustria posteten, brach ein Sturm der Entrüstung unter Bauern, aber auch Konsumenten los. Mehrere zehntausend Personen sahen das Bild mit dem Unverschämt-Angebot, viele kommentierten und teilten es. Die Berglandmilch vermutete uns gegenüber sogar, dass wir einem Fake aufgelegen wären. Dem war aber nicht so. Auch Bauerbund-Präsident Georg Strasser schaltete sich ein. Er habe die Handelskette kontaktiert und erreicht, dass die Aktion gestoppt wurde, teilte er mit.

Genau darum muss es gehen: Diesen Preisschleudereien bei Milchprodukten muss ein Riegel vorgeschoben werden! Dazu gehört, dass sich die Unternehmen nicht immer gegenseitig unterbieten. Weitere Forderung: Kein Verkauf unter Einstandspreis! Und vielleicht brauchen wir einen Branchenverband Milch aus Erzeugern, Verarbeitern und Handel, um dem Preisdumping ein Ende zu setzen. Nicht zuletzt ist die EU am Zug, das geplante Gesetz für „Faire Handelspraktiken“ auf den Weg zu bringen. Österreich als Land mit dem aktuellen EU Rats-Vorsitz und damit vor allem Nachhaltigkeitsministerin Elli Köstinger sollten hier deutliche Duftmarken hinterlassen.

Schlagworte

Dürre, schlimm, betroffenen, x2009, Unverschämt, Riegel, Spar, Milchprodukten, drastisch, Köstinger

Kommentare

Kommentarfunktion de-/aktivieren

Kommentar hinzufügen...
Kommentieren

Tagung: Ackern in Zeiten des Klimawandels

Tagung

Ackerbauern suchen angesichts des Klimawandels nach Lösungen, wie sie auf die Wetterextreme reagieren können. Genau dies zeigen Experten auf der Tagung am 6. Dezember 2018 im bayerischen Rotthalmünster.

Mehr...

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Karrero by topagrar
Die neuesten Stellen