2018: Rekord an Käferholz erwartet

Autor: Beate Kraml

Holz
Der trockene Sommer und seine Folgen haben das Schadholzaufkommen im gesamten Europa steigen lassen.
Quelle: Stihl

Mit 4 Mio. Festmeter Schäden durch den Borkenkäfer rechnen die Land & Forst Betriebe in diesem Jahr. Verzögerungen bei Abtransport können zu weiteren hohen Wertverlusten führen.

Ein kleiner Käfer - in der Größe von etwa fünf Millimetern - wütet in Österreichs Wäldern, vor allem nördlich der Donau. Die Rede ist vom Borkenkäfer. Er bevorzugt Fichten, die heimische Hauptbaumart, sowie warmes, trockenes Klima - beides findet er zum Beispiel im Mühl- oder Waldviertel. Waldbesitzer setzen alles daran, die Vermehrung dieses Schädlings einzudämmen und das Holz so rasch wie möglich aus dem Wald zu transportieren. Der Schaden für dieses Jahr wird trotzdem beträchtlich sein. Die Land &Forst (L &F) Betriebe Österreich rechnen mit 4 Mio. Festmetern (fm).

Nordosten des Landes stark betroffen

"Die früh einsetzende und den gesamten Sommer anhaltende Hitzewelle sowie der warme, trockene Herbst waren ein Eldorado für den Borkenkäfer. Die Bäume können sich nicht mehr erholen und verlieren ihre natürlichen Abwehrfunktionen, den Harzfluss. Der Mehraufwand für Käferbekämpfung, die Übersättigung des Marktes, die sinkenden Holzpreise und die Kosten für die Wiederaufforstung machen Waldbesitzern das Leben schwer", fasst Präsident Felix Montecuccoli die schwierige Situation für die Waldbesitzer in den betroffenen Regionen zusammen.

2017 wurden 3,5 Mio. fm Käferholz verzeichnet. Das war der bislang höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Heuer wird dieser Rekord gebrochen. "In bestimmten Landesteilen fliegt bereits die vierte Schädlingsgeneration. Wir rechnen daher mit mindestens 4 Mio. fm Schadholz", so Montecuccoli weiter.

Die Aufarbeitung des Käferholzes ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Vom Erkennen des Schadens bis zum Absatz beim Kunden sollte eine sehr kurze Zeitspanne liegen, um einerseits den Brutzyklus der Schädlinge zu unterbrechen und um andererseits den Wertverlust des Holzes einzudämmen. Die Waldlager in Schadgebieten bauen sich jedoch nur sehr langsam ab, die Wartezeit für die Abfuhr des bereitgestellten Holzes kann oft mehrere Wochen dauern.

"Kommt es zur Verzögerung in der Abfuhr, ist ein Preisverlust die Folge. Denn bleibt das Holz liegen, verschlechtert sich die Qualität - eine 'Bläue' durch Pilzbefall kann auftreten - und ganze Fuhren werden in ihrer Qualität abgewertet. Im schlimmsten Fall ist ein Verlust von bis zu 50% möglich", erklärt Montecuccoli.

Schadholzaufkommen steigt in ganz Europa

Der trockene Sommer und seine Folgen haben das Schadholzaufkommen im gesamten Europa steigen lassen. Laut "Holzkurier" wird es in Mitteleuropa, bei einem erwarteten Einschlag von 97 Mio. fm, zu einem Schadholzanteil von 51 Mio. fm kommen. In Deutschland sind vor allem die Regionen in Mittel- und Norddeutschland betroffen. Im Jänner verursachte Sturm Friederike eine große Menge Schadholz, die Sommertrockenheit tat ihr Übriges und verursachte in Folge im gesamten Bundesgebiet enorme Schadholzmengen. In Tschechien sieht es ähnlich aus - dort werden rund 25 Mio. fm Käferholz anfallen. Auch in der Schweiz wird das Ausmaß des Käferholzanfalls steigen.

Forstbetriebe: Wirtschaftliches Überleben immer schwieriger

Den betroffenen Betrieben fehlen Einnahmen wegen Preisverlusten, dazu steigen die Kosten für Aufarbeitung und Wiederbewaldung enorm. Kleinwaldbesitzer mussten oft ihre gesamte Waldfläche, die eigentlich für die nächsten Generationen vorsorgen sollte, ernten.

"Für Forstbetriebe wird unter den gegebenen Bedingungen - erhöhter personeller Einsatz, erhöhte Erntekosten, Absatzprobleme aufgrund der Marktübersättigung, Wertminderung des Holzes, sinkende Holzpreise und natürlich die massiven Folgekosten für die Aufforstung - das wirtschaftliche Überleben immer schwieriger. Für die Aufrechterhaltung der vielfältigen Waldleistungen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft brauchen wir dringend höhere Holzpreise. Nur so kann der heimische Wald für die aktuellen Herausforderungen klimafit und enkeltauglich gemacht werden", erklärt Montecuccoli das Zusammenspiel am Markt.

Waldeigentümer tragen nachhaltige Verantwortung

"Für heuer gibt es leider noch keine Entwarnung. Der Klimawandel arbeitet gegen uns, wir müssen uns auch in den kommenden Jahren auf eine ähnliche Situation vorbereiten. Borkenkäfer überwintern in nicht abgestorbenen Bäumen, in Restholz und in der Bodenstreu, wo sie nicht bekämpft werden können. Wir hoffen auf einen feuchten Winter und vielleicht auch Frühling. Das Credo für alle Waldbesitzer lautet: suchen, finden, aufarbeiten", beschreibt Montecuccoli die aktuelle Aufgabe und ergänzt: "Schließlich tragen die Waldeigentümer bereits seit Generationen erfolgreich die nachhaltige Verantwortung für einen gesunden Wald und den Erhalt der vielen Waldfunktionen."

Schlagworte

Borkenkäfer, Montecuccoli, Waldbesitzer, Forst, Käferholz, einzudämmen, Rekord, heimische, Holzpreise, Holzes

Kommentare

Kommentarfunktion de-/aktivieren

Kommentar hinzufügen...
Kommentieren

Diskussionsabend zu Drahtwurmbefall

Tagung

Am 8. Jänner findet eine spannende Experten-Diskussions-Veranstaltung unter dem Titel „Die Zukunft des Kartoffelbaues in Niederösterreich“ statt.

Mehr...

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Karrero by topagrar
Die neuesten Stellen