Eierkrieg an Maas und Schelde

Thomas A. Friedrich
Quelle: privat

Ein Kommentar von Thomas A. Friedrich, Brüssel
 
Nach der verheerenden BSE-Krise, Gammelfleisch- und Pferdefleischskandal schreckt jetzt die Fipronil-Malaise die Verbraucher in weiten Teilen der EU auf. Viele fragen sich: Wie gut funktioniert die Lebensmittelsicherheit in der EU? Warum haben die europäischen Kontrollmechanismen versagt?
 
Die gute Nachricht zuerst: Am Donnerstagnachmittag haben belgische und niederländische Betrugsermittler in beiden Ländern Fipronil-Schieber dingfest gemacht und verhaftet. Dennoch hat das europäisch vernetzte Krisenmanagement beim jüngsten Eierskandal versagt - wieder einmal. Nicht etwa weil die EU–Kommission nicht rechtzeitig die Alarmglocke schlug, sondern weil belgische und niederländische Behörden zwischen Schelde und Maas im Eierkrieg nicht kooperierten. Die Nachbarstaaten haben sich im aktuellen Clinch um Versagen und Verantwortung an der Fipronil-Front völlig entzweit und stehen sich unversöhnlich gegenüber.
 
Jetzt wird schmutzige Wäsche gewaschen: Bei der siebenstündigen Sondersitzung des Agrar- und Gesundheitsausschusses im belgischen Parlament am Mittwoch in Brüssel machte der belgische Agrarminister Denis Ducarme seinem niederländischen Kollegen schwere Vorwürfe: „Die Niederlande haben bereits seit November 2016 von belasteten Eiern gewusst, uns aber nicht informiert“. In der Tat, seit Juni wandte sich die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde (FASNK) vergeblich um Amtshilfe an die niederländischen Kollegen. Die Folge: Ein auf belgischem Boden bekannt gewordener Verdachtsfall blieb unaufgeklärt. 
 
Immerhin wird jetzt rasch gehandelt. Fipronil wird ab Ende September vom europäischen Markt verbannt. Der Hersteller BASF, der 2003 die Rechte an dem Wirkstoff vom französischen Unternehmen Rhone-Poulenc übernahm, verzichtet auf einen Verlängerungsantrag des Insektizids im Pflanzenschutzbereich. Das ist richtig. Im Veterinärbereich läuft die EU-Zulassung bis 2023, aber ausschließlich, um Hunde und Katzen von Läusen, Zecken, Flöhen und Milbenbefall freizuhalten. Dagegen ist nichts einzuwenden. Denn dabei geht es nicht um Nutztiere, die Lebensmittel produzieren.
 
In der Tiermast und Geflügelaufzucht, die der Lebensmittelproduktion dienen, ist die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als toxisch und für den Menschen als gefährliche eingestufte Substanz ohnehin seit langem verboten. Um Bienenvölker zu schützen, hat die EU-Kommission im Jahre 2013 den Einsatz von Fipronil auch bei der Saatgutbehandlung von Mais gänzlich verboten.
 
Fipronil hat in Eiern, Mayonnaise, Teigwaren und Hähnchenschenkeln nichts verloren. Die Rechtslage ist eindeutig. Es sind kriminelle Machenschaften belgischer Desinfektionsmittelhändler, die den Skandal verursacht haben und nicht die "industrielle Agrarwirtschaft", wie der ein oder andere grüne Parteivertreter oder Interessenverband behaupten. 
 
Betroffen ist neben den Verbrauchern auch der Handel, vor allem der deutsche Lebensmittelhandel. Ein Drittel der Eier werden eingeführt und die Bundesrepublik ist damit das größte Eierimportland in der EU. Betroffen sind aber auch deutsche, niederländische und belgische Geflügelhalter, die sich auf die Rechtmäßigkeit des eingesetzten Desinfektionsmittels verlassen haben. Neben dem unmittelbaren finanziellen Schaden der betroffenen Eiererzeuger ist es vor allem der Imageschaden, den wieder einmal vor allem die Landwirte tragen müssen. Das ist das zweite "faule Ei" im Fipronilskandal.
 
Man fragt sich: Haben wir aus den früheren Skandalen nichts gelernt? Das europäische Frühwarnsystem für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit funktioniert offenbar nicht wirklich. Die Sorge bleibt, dass ein vergleichbarer Skandal sich jederzeit auch in der Milch- oder Fleischproduktion wiederholen könnte.
 
Wieder einmal zeigt sich, wir brauchen mehr Europa – nicht weniger. Die nationalen Kontaktstellen der Mitgliedstaaten müssen künftig zügiger, schon bei einem Anfangsverdacht, Meldung nach Brüssel machen. Die Gesundheit der Verbraucher und das Vertrauen in die europäische Landwirtschaft muss uns das Wert sein. 

Quelle: top agrar Online

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