Hühnermäster sagen ZzU ade

Autor: Beate Kraml

Masthühner
Wegen zu langer Transportzeiten zum eigenen Geflügelschlachthof hat ein Vertragspartner der Hofer-Biolinie „Zurück zum Ursprung“ (ZzU) seine Biohuhnmäster in Kärnten und der Steiermark aus dem Projekt abgezogen.
Quelle: top agrar

Nachdem sich die Osttiroler Milchbauern wegen schärferer Auflagen aus dem Bio-Projekt „Zurück zum Ursprung“ (ZzU) zurückgezogen haben (siehe Bericht in top agrar-Ausgabe 11/2018), zücken nun auch Geflügelmäster die rote Karte. Die südösterreichischen Vertragsbauern eines Zulieferers sind schon weg.

Konkret geht es um die Auflage der Höchststunden beim Transport zum Geflügelschlachthof. Besonders jene südösterreichischen Biobauern, die Vertragsbauern der Huber´s Landhendl sind, können diese Vorgabe rein geografisch gesehen nicht einhalten. Der Grund: Der Huber´sche-Hühnerschlachthof liegt im oberösterreichischen Pfaffstätt (Bezirk Braunau/Inn). In Kärnten und der Steiermark gibt es zwar Geflügelschlachthöfe, doch die gehören Mitbewerbern am Markt.
 
Einer der zwei Geschäftsführer der mittlerweile zur Bell Food Group des Schweizer COOP-Handelskonzern gehörigen Huber´s Landhendl GmbH, Dr. Johannes Huber, wollte den Ausstieg von Vertragsbauern aus dem ZzU-Projekt nicht generell bestätigen. Nach seinen Worten sei ZzU „ein sehr interessantes Projekt“, allerdings habe man „einzelne Bauern aus dem ZzU-Projekt herausgenommen.“ Auf genaue Zahlen der Aussteiger oder Prozentsätze wollte sich Dr. Huber gegenüber top agrar nicht festlegen und bat um Verständnis, dass man diese nicht bekannt gibt. Immerhin sei man „Partner des gesamten Lebensmittelhandels“. Nach top agrar-Informationen sind nun rund zwei Dutzend Bio-Hühnermäster via Huber´s Landhendl seit letzter Woche alleine in Kärnten aus dem ZzU-Projekt draußen. Auch die steirischen Huber-Hühnermäster, die bei ZzU dabei waren, wären ausgestiegen, heißt es aus der Futtermittelbranche.
 
Höherer Deckungsbeitrag nach ZzU-Ausstieg 
 
Ähnlich wie bei manchen der ausgestiegenen Osttiroler ZzU-Milchbauern (siehe Bericht in top agrar 11/2018) sind aber auch bei den Hühnermästern die höheren Futtermittelkosten im ZzU-Projekt Thema. „Der Mehrpreis von 5 Cent/kg Schlachtgewicht ist optisch interessant, wird aber von den Futterkosten weggefressen“, plaudert ein Hühnermäster gegenüber top agrar aus dem Nähkästchen. Denn das ZzU-Futter sei um mindestens 3 Cent/kg höher als normales Bio-Geflügelfutter.
 
„Ohne die ZzU-Futterkosten kommt man je nach Stallgröße nun durchgerechnet auf einen 400 bis 1000 Euro höheren Deckungsbetrag pro Mastdurchgang“, zeigt sich der Biobauer gegenüber top agrar erleichtert. Auch die zusätzlichen ZzU-Kontrollen sind bei ihm damit vom Tisch. Wegen dem Absatz seiner nun wieder „normalen“ Biohühner macht sich der Betriebsleiter keine allzu großen Gedanken – „immerhin gehört Landhendl zum COOP-Konzern, womit auch der Absatz meiner Produktion gesichert ist.“
 
Verträge mit Bauern sind Zulieferer-Angelegenheit
 
Was sagt das ZzU-Headoffice zu den aktuellen Ausstiegen? Diese sind beim ZzU-Projektmanagement, der Werner Lampert Beratungs GmbH in Wien, offenbar noch nicht aufgeschlagen. Ähnlich wie bei den Liefer- und Projektverträgen im Milchbereich hätte man auch im aktuellen Fall weder Zahlen und Namen noch eine direkte Einwirkungsmöglichkeit, tönt es nach top agrar-Anfrage aus der ZzU-Zentrale.
 
Laut Projektmanager Stephan Pöchtrager sei ZzU „ohnedies ein freiwilliges Qualitätsprogramm, wo niemand gezwungen ist, mitzumachen“. Die Vorgabe der Tiertransportzeiten hätten den Vertragspartner Huber´s Landhendl demnach veranlasst, nun Betriebe aus dem Projekt herauszunehmen. Das sei aber eine Entscheidung, die freiwillig vom Zulieferer getroffen werde, ebenso wie die grundsätzliche Entscheidung der Bauern, bei ZzU teilzunehmen. -lts-

Schlagworte

ZzU, Projekt, Vertragsbauern, Landhendl, Huber´s, Hühnermäster, Entscheidung, Osttiroler, Kärnten, Vorgabe

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