LK Salzburg: Rupert Quehenberger folgt Franz Eßl als Präsident nach

Autor: Beate Kraml

Quehenberger
Rupert Quehenbergerwurde zum neuen Präsidenten der LK Salzburg gewählt.
Quelle: Bauernbund

Mit mehr als 90% der Stimmen wurde Rupert Quehenberger, Holzerbauer aus Annaberg (Tennengau), zum neuen Präsidenten gewählt. Der Milchviehbauer folgt Franz Eßl nach.

24 Jahre lang stand Franz Eßl an der Spitze der Landwirtschaftskammer Salzburg. Bei der Vollversammlung, die am vergangenen Freitag im Hotel Heffterhof stattfand, hat er sein Amt zurückgelegt. Mit mehr als 90% der Stimmen wurde Rupert Quehenberger, Holzerbauer aus Annaberg (Tennengau), zum neuen Präsidenten gewählt. Quehenberger ist 47 Jahre alt, verheiratet, hat vier Kinder und betreibt mit seiner Frau Gudrun und den Eltern einen Milchviehbetrieb. Seit dem Jahr 2010 ist er Obmann der Bezirksbauernkammer Hallein.

Landeshauptmann Wilfried Haslauer nahm bei der Vollversammlung nicht nur die Angelobung des neuen Präsidenten vor, er dankte auch Eßl für seinen langjährigen Einsatz. "In seiner Zeit sind sehr wichtige Entscheidungen gefallen - man denke nur an den EU-Beitritt, die Agenda 2000, die Osterweiterung und vieles mehr. Mit Fachverstand und Beharrlichkeit hat Eßl in all diesen Jahren die vielfältigen Anliegen der Bäuerinnen und Bauern vorangebracht und man konnte sich auf sein Wort immer verlassen. Mit Quehenberger übernimmt nun eine neue Generation die Verantwortung, bei der Bildung und die Förderung junger Bäuerinnen und Bauern eines der erklärten Ziele darstellen. Ich wünsche Quehenberger in seiner neuen Funktion viel Erfolg, Freude und Durchsetzungskraft", so Haslauer.

Mit gegenseitigem Respekt aufeinander zugehen

"Den Wandel aktiv mitgestalten" - mit diesem Auftrag startet Quehenberger in die neue Funktionsperiode. "Die Gesellschaft ändert sich, die Erwartungshaltungen an die Landwirtschaft sind heute völlig andere als noch vor wenigen Jahren. In einigen Bereichen besteht zwischen Bäuerinnen, Bauern und der Gesellschaft wenig Konsens darüber, wohin die Reise gehen soll. Hier gilt es, mit gegenseitigem Respekt aufeinander zuzugehen und ernsthafte, aber auch praktikable Lösungen zu finden", so der neue LK-Präsident.
"Egal ob beim Tier- und Umweltschutz oder wenn es um die Rückkehr großer Beutegreifer oder den Biber geht - unsere Bäuerinnen und Bauern sind bereit, einen Beitrag zum Arten- und Umweltschutz zu leisten. Wichtig ist dabei aber, dass die Menschen echte Perspektiven für die eigene Zukunft sehen. Viele sind es auch leid, dass man ihnen ständig von außen zuruft, wie Landwirtschaft zu funktionieren hat", so Quehenberger.

Landwirtschaft nicht für Marktanteile opfern

Für den neuen Präsidenten liegt es auf der Hand, dass letztendlich die Gesellschaft mitbestimmt, wohin sich die Landwirtschaft entwickeln wird. Quehenberger: "Das bedeutet aber auch für jeden Einzelnen eine hohe Verantwortung. Wir können die Bäuerinnen und Bauern mit immer mehr Ver- und Geboten zupflastern und ihnen so wirtschaftlich die Luft zum Atmen nehmen. Wir sollten uns aber dann nicht wundern, wenn unsere Lebensmittel künftig aus Asien oder Südamerika importiert werden, wo der Tier- und Umweltschutz kaum Bedeutung hat und der ökologische Fußabdruck durch die langen Transportwege miserabel ist. Ich glaube, auch die Mehrheit der Konsumenten möchte das nicht haben."

Der neu gewählte Präsident erwartet sich gerade vom Lebensmittelhandel deutlich mehr Entgegenkommen und hofft, dass die kürzlich unterzeichnete Selbstverpflichtungserklärung des österreichischen Handels auch gelebt wird: "Ich habe Verständnis dafür, dass man sich mit eigenen Produkten von der Konkurrenz abheben möchte. Ich habe aber kein Verständnis, dass im Kampf um Marktanteile gerade kleine Landwirtschaftsbetriebe wie unsere Bergbauernbetriebe geopfert werden, weil sie überzogene Auflagen einfach nicht erfüllen können. Es ist höchst an der Zeit, dass wir uns an einen Tisch setzen und gemeinsam sinnvolle und praktikable Programme entwickeln, an denen die Bäuerinnen und Bauern mit Überzeugung auch teilnehmen werden", betonte Quehenberger.

Digitalisierung auf den Bauernhöfen angekommen

Quehenberger ist zudem überzeugt, dass die Bäuerinnen und Bauern deutlich flexibler auf den Markt reagieren, als ihnen manchmal angedichtet wird. "In Salzburg wurden in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Euro in tierfreundlichere Ställe investiert. Die Direktvermarktung erlebt gerade eine enorme Professionalisierung, von der Kräuterpädagogik bis zum perfekten Urlaub am Bauernhof ist die Bandbreite der Leistungen enorm. Für mich ist es keine Überraschung, dass derzeit auch neue Technologien wie etwa die Digitalisierung schnell in der Landwirtschaft Einzug halten", so der Präsident. Auch in Salzburg nimmt die Zahl von Melk-, Fütterungs- und sonstigen Robotern zu und in der Vermarktung ist Online ein nicht mehr wegzudenkender Absatzkanal. "Hier gibt es aber auch in der Beratung neue Anforderungen, denen wir uns stellen müssen. Die Bäuerinnen und Bauern erwarten zu Recht, dass die Landwirtschaftskammer Unterstützung anbietet, denn nicht jeder Trend ist nachhaltig und nicht alles, was es zu kaufen gibt, macht wirtschaftlich auch Sinn", stellte Quehenberger fest.

Freude am Beruf wichtig

"Ich bin fest davon überzeugt, dass trotz der vielen Herausforderungen wie etwa dem Klimawandel der Großteil der Bäuerinnen und Bauern Freude an ihrem Beruf hat. Es hat einen Wert, wenn man etwas selbst produziert und diese Produkte auch mit Stolz in den Händen halten kann. Lebensmittel aus Salzburg sind für mich einzigartig in der Qualität, aber auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit. Salzburg ohne seine Bäuerinnen und Bauern ist für mich nicht vorstellbar. Auch deshalb ist es wichtig, bei den Verhandlungen über die künftige Gemeinsame EU-Agrarpolitik Flagge zu zeigen und für die Landwirtschaft Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine positive Weiterentwicklung ermöglichen", unterstrich Quehenberger.

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