Mit Satellitenbildern den Klimawandel im Blick

Satellitenbild
Anhand der Einfärbung (grün bis braun) ist der Grad des Pflanzenwachstums ersichtlich. Je grüner, desto stärker ist der Pflanzenwuchs. Das Diagramm zeigt den zeitlichen Verlauf des Pflanzenwachstums an der ausgewählten Stelle. Mit dieser Funktion kann die Vegetationsentwicklung an verschiedenen Stellen verglichen werden. Fotos: Hagelversicherung

Ab sofort stellt die Österreichische Hagelversicherung ihren Kunden ein modernes, satellitengestütztes Monitoring für ihre Agrarflächen zur Verfügung: Dieses Satellitenservice bietet die Möglichkeit, den Pflanzenwuchs auf den Feldern über die gesamte Vegetationsperiode hinweg zu beobachten. So können Landwirte die Folgen des Klimawandels besser kalkulieren.

Als eine Folge des Klimawandels steigt die Wahrscheinlichkeit von Unwettern wie Hagel, Frost, Dürre oder Überschwemmung. Daher ist es erforderlich, das Risikomanagement in der Landwirtschaft stets zu optimieren. Dazu können modernste Technologien eingesetzt werden, wie etwa die Verwendung von Daten über Anbauflächen aus dem Weltraum.

Die Satellitendaten werden kostenlos von der ESA (European Space Agency) über das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus geliefert und von der  Hagelversicherung aufbereitet: „Das Ziel ist es, ein Instrument bereitzustellen, das den Unternehmenserfolg eines Betriebes steigert und Landwirte auf dem Weg zur Landwirtschaft 4.0 unterstützt“, sagt Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung. „So ist es durch unser neues Satellitenservice erstmals in Österreich möglich, dass der Landwirt alle fünf Tage aus der Vogelperspektive die Unterschiede im Pflanzenwuchs erkennt, das Wachstum auf verschiedenen Feldstücken vergleichen bzw. den Pflanzenwuchs während der gesamten Vegetationsperiode beobachten kann, um gezielt Maßnahmen zu setzen. Das Projekt steht aber erst am Beginn einer Vielzahl von nutzenbringenden Anwendungsmöglichkeiten die in Zukunft aufkeimen werden“, erklärt Kurt Weinberger die Vorteile und die weiteren Perspektiven des Satellitenservice.

ESA: Erforschung der unendlichen Weiten

Um das Klima unseres Planeten und dessen Wandel zu verstehen, sind mehr als die nur terrestrischen, bodengebundenen Daten erforderlich. Die Beobachtung der Erdoberfläche mittels Satelliten und die von dort übermittelten präzisen Daten zum Pflanzenwachstum werden für vielfältige praktische Anwendungen benötigt, beispielsweise die Optimierung des Einsatzes von Betriebsmitteln, Bewässerung etc. Die Vorteile der europäischen Satelliten gegenüber den ähnlichen amerikanischen Satelliten „Landsat“ erklärt Dr. Josef Aschbacher, Direktor für Erdbeobachtungsprogramme der Europäischen Weltraumbehörde ESA: „Sentinel 2 ist ein neuer Erdbeobachtungsprogramm-Satellit, der zum Copernicus-Programm der EU gehört und dessen Aufnahmen im 5 Tagesrhythmus mit einer Auflösung von 10 Metern den Globus darstellt. „Landsat 8“ der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA bietet eine Auflösung von 30 Metern. Unsere Bilder ergeben daher genauere Informationen. Europa ist heute in einigen Programmen weltweit führend. Aber wir müssen der europäischen Wirtschaft weiterhin helfen, um mit amerikanischen Unternehmen mithalten zu können, vor allem im Bereich der automatisierten Analyse von großen Datenvolumen.“

Was zeigt künftig das Satellitenbild der Hagelversicherung?

Neue Aufnahmen desselben Ortes erfolgen etwa alle fünf Tage. Lediglich bei starker Bewölkung ist keine Aufnahme möglich. Ein Analyseverfahren des Bildes lässt das Pflanzenwachstum erkennen. Dazu Dipl.-Ing. Nikolaus Neugebauer, Satellitenexperte von der Abteilung für Meteorologie und Geoinformation der Österreichischen Hagelversicherung: „Die Grundlage der Darstellung ist ein Vegetationsindex (Normalized Differential Vegetation Index – NDVI), der aus den Satellitendaten berechnet wird. Anhand der Einfärbung sieht man die Unterschiede im Pflanzenwuchs der jeweiligen Region. Je grüner desto stärker ist der Pflanzenwuchs, je mehr die Farbe ins Braune und Beige übergeht, desto weniger Wuchs ist vorhanden. Weiße Flächen im Bild zeigen Wolken an, diese verdecken die Felder und verhindern somit die Sicht vom Satelliten auf das Feldstück. Zusätzlich kann über eine Diagrammfunktion der Verlauf des Pflanzenwuchses während der letzten Monate dargestellt werden.“

PK Hagelversicherung
Dr. Josef Aschbacher, Europäische Weltraumbehörde ESA, Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender Österreichische Hagelversicherung, Dipl.-Ing. Nikolaus Neugebauer, Meteorologie und Geoinformation Österreichische Hagelversicherung.
Digitale Zukunft der Landwirtschaft

„Mit den gelieferten Satellitendaten laufen bereits erste vielversprechende Projekte. Durch den offenen und kostenlosen Zugang zu diesen Daten für alle („Open Data Politik“) werden in den nächsten Jahren neben Wissenschaft und Forschung viele weitere Bereiche wie die Wirtschaft oder eben auch die Landwirtschaft profitieren“, so Weinberger und Aschbacher. „Die Österreichische Hagelversicherung hat diesen Trend bereits jetzt erkannt, indem sie ihren versicherten Mitgliedern aufbereitete Satellitendaten zur Verfügung stellt, um den Betriebserfolg zu steigern und das Risiko von Unwetterfolgen zu managen und zu vermindern. Unser Auftrag ist und bleibt die versicherten Landwirte in Österreich umfassend mit Risikomanagementtools zu unterstützen, weil wir als Naturkatastrophenversicherer die zunehmend professionalisierte Landwirtschaft mit neuesten Technologien unterstützen wollen“, ergänzt Weinberger abschließend.

Versicherte Landwirte können das Satellitenservice der Österreichischen Hagelversicherung über www.hagel.at mit ihren Zugangsdaten nutzen.

Schlagworte

Hagelversicherung, Österreichische, Pflanzenwuchs, Weinberger, ESA, Satellitenservice, Satellitendaten, Klimawandel, Satelliten, Hagel

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