Strohhalm Schärdinand

PK vertragslose Bauern
Bernhard Holzmann, Rudolf Hofbauer, Friedrich Gillinger, Johannes Bauer, Reinhard Rauch, Martin Kurzmann und Franz Luftensteiner (v.l.) richteten gestern die dringliche Bitte an die Molkereien, die vertragslosen Bauern wieder aufzunehmen. Fotos: Altmann

„Bitte Schärdinand, öffne uns die Tore und sei ein Brückenbauer für die Milchbauern.“ Mit diesen eindringlichen Worten wandten sich gestern sieben immer noch vertragslose Milchbauern der Alpenmilch Logistik (ehemalige Freie Milch Austria) in einer Pressekonferenz in Groß Gerungs vor allem an die Führung der Berglandmilch.

Bis gestern waren noch 34 Milchbäuerinnen und Milchbauern weiterhin ohne neuen Liefervertrag und befinden sich in einer existenzbedrohenden Situation, wie Johannes Bauer, einer der Betroffenen, in Groß Gerungs sagte. Bekanntlich stellt die Alpenmilch Logistik mit Sitz in Steyr ihren Betrieb ein und hat nur noch bis Sonntag einen Notbetrieb laufen (top agrar Österreich berichtete auf dieser Homepage).

Schlierbach drei Betriebe übernommen, Gmunden arbeitet an möglicher Lösung

Drei der ursprünglich 37 vertragslosen Bauern haben laut Bauer ganz aktuell die Zusage von der Schlierbacher Molkerei zur Aufnahme bekommen. Die übrigen 23 konventionellen und 11 Biobetriebe hätten bei der Berglandmilch und der Gmundner Molkerei Anträge auf Aufnahme gestellt.

Bei der Gmundner Molkerei „arbeiten wir an einer möglichen Lösung“, erklärt Josef Fürtbauer heute gegenüber top agrar Österreich. Laut dem Obmann geht es dabei um 12 Betriebe aus dem Einzugsgebiet von Gmunden. Bei der Generalversammlung am vergangenen Samstag sei über Pro und Kontra einer Wiederaufnahme diskutiert worden. Eine Vorstandsentscheidung soll voraussichtlich morgen getroffen werden.

Rudolf Hofbauer
Rudolf Hofbauer aus Mold bei Horn entsorgt seit 01. April 2017 seine am Hof erzeugte Milch täglich, da durch die große Entfernung die Kosten der Sammlung den Wert der erzeugen Milch übersteigen würden.

Für die Berglandmilch hingegen betonte heute Geschäftsführer Josef Braunshofer gegenüber Radio Oberösterreich, dass man zwar laufend Betriebe aufgenommen habe. „ Aber aufgrund der Anlieferungsentwicklungen unserer Milchbauern die Aufnahme neuer Bauern ab Ende Februar ausgesetzt. Denn unsere bestehenden Bauern liefern viel mehr Milch als in den Vorjahren an.“
 
Für die noch vertragslosen ehemaligen Berglandmilch-Lieferanten ist aber die Genossenschaft mit Sitz in Wels quasi der letzte Strohhalm, an den sie sich klammern können. Deshalb richteten die Bauern gestern einzeln dringliche Appelle an das Unternehmen.

Es bleibt die Hoffnung auf die Berglandmilch

Bernhard Holzmann erklärte zunächst, dass die Freie Milch nie am Markt akzeptiert worden sei. „Wir müssen uns eingestehen, dass wir gescheitert sind“, so der Landwirt, um im gleichen Atemzug die Berglandmilch um Aufnahme zu bitten.

Bernhard Holzmann
Resigniert sagte Bernhard Holzmann: "Wir müssen uns eingestehen, dass wir gescheitert sind."

Martin Kurzmann, Biobauer aus Bad Kreuzen sagte, dass „wir im Oktober einen Antrag an die Berglandmilch abgeschickt haben. Im November haben wir die Nachricht bekommen, dass wir in der Warteschleife hängen, sprich der Antrag geprüft werde.“ Bis heute habe man aber kein Angebot erhalten. „Jetzt stehen wir angesichts der fortschreitenden Vegetation vor der Frage, ob wir die Kühe überhaupt noch auf die Weide auslassen“, so Kurzmann. Der Biobauer richtete seine eindringliche Bitte an Schärdinand, das Synoym für die Berglandmilch: „Bitte öffne uns die Tore und sei ein Brückenbauer für die Betriebe.“

Marint Kurzmann
Martin Kurzmann sieht als Biobauer neben der Milchviehhaltung keine Alternative, um in der Landwirtschaft zu bleiben. „Etwas Mut gibt die große Anzahl solidarischer Rückmeldungen vor allem von Konsumentinnen und Konsumenten aufgrund der Berichterstattung", so der Landwirt.

Rudolf Hofbauer, Fleckviehzüchter aus dem Bezirk Horn, erklärte mit sorgenvoller Miene, dass er die Milch seit Anfang April in die Güllegrube leeren muss, weil er der entfernteste Betrieb der Notabholung durch die Alpenmilch Logistik ist. Hofbauer: „Man hat mir gesagt, es sei billiger die Milch zu entsorgen als abzuholen. Ich bin schon sehr müde und ratlos.“ Als ehemaliger Berglandmilchlieferant hofft er noch, dass die Genossenschaft, die direkt an seinem Hof vorbeifährt, ihn noch wieder zurücknimmt.

Johannes Bauer
"Es sind in der Vergangenheit, Dinge gesagt und getan worden, die der Sache nicht dienlich waren", räumt Johannes Bauer ein. "Wir wollen heute zur Deeskalation beitragen."

Auch Friedrich Gillinger räumt wie die anderen Kollegen ein, dass man in der Vergangenheit Fehler gemacht habe. Aber dies sollte nicht dazu führen, dass jetzt von den Molkereien mit Existenzen gespielt werde. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass die betroffenen Betriebe mitten im Verpflichtungszeitraum des ÖPUL seien. Allein deshalb wäre es dramatisch, wenn sie jetzt keinen Abnehmer für die Milch fänden und die Produktion einstellen müssten. Gillinger: „Für uns ist es jetzt höchste Zeit, dass Schärdinand ein Zeichen setzt. Wir brauchen umgehend eine Lösung im Milchkrimi.“

Schlagworte

Berglandmilch, Schärdinand, Logistik, Alpenmilch, Aufnahme, Gerungs, Biobauer, Hofbauer, Kurzmann, Tore

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