Quereinsteigerin

„Bäuerin ist meine Berufung“

Griseldis Felsberger ist eine Quereinsteigerin in der Landwirtschaft. Sie hat mit ihrem Mann einen Betrieb mit Milchziegen, Direktvermarktung und Green Care aufgebaut.

Ich bin ein typischer Neuling gewesen und habe das bäuerliche Leben so nicht gekannt“, erzählt Griseldis Felsberger. Doch dann lernte sie Nebenerwerbslandwirt Othmar kennen und zog zu ihm auf den Gipflerhof in Guttaring am Hollersberg in Kärnten. In ihre neue Rolle als Biobäuerin ist die gelernte Sozialfachbetreuerin und Pflegefachassistentin dann schnell hineingewachsen. Zahlreiche Fortbildungen halfen ihr dabei.

Auf Milchziegen umgestellt

In den Anfangsjahren lag der betrieb­liche Schwerpunkt am Hof auf der Mutterkuhhaltung. 2014 stellte die Familie auf Milchziegen um. Aus der Milch erzeugt Felsberger Topfen, Liptauer, Joghurt, Ziegenfrischkäsebällchen und vieles mehr. Ihre Produkte vermarktet sie zusammen mit Produkten benachbarter Landwirte über zwei Selbstbedienungsläden. „Für eine andere Form der Direktvermarktung fehlt mir die Zeit“, erzählt sie. Denn ihr Mann Othmar arbeitet Vollzeit als Gesundheits- und Krankenpfleger und kann erst nach Dienstschluss und am Wochenende in der Landwirtschaft mithelfen. Das heißt, die Hauptarbeit am Hof erledigt die 41-jährige Bäuerin.

Betreuung älterer Menschen

Am Gipflerhof in Kärnten leben auch im Rahmen des Green Care-Angebotes vier Dauergäste, die Pflege und Betreuung be­­nötigen. (Bildquelle: Whirlphoto)

Neben der Landwirtschaft haben Felsbergers auch ein Green Care-­Angebot für Menschen aufgebaut, die Betreuung und Pflege benötigen. ­Aktuell wohnen vier Männer und Frauen am Gipflerhof. „Jeder kann sich am Hof nach seinen Interessen und Möglichkeiten einbringen. Sei es bei den Hochbeeten im Gemüse­gar­ten, in der Küche oder bei der Ver­sorgung unserer Tiere“, erzählt sie.

Trotz der vielen Arbeit am Hof en­gagiert sich die dreifache Mutter auch in der Gemeinde. Der Weg dahin hat gedauert, denn „vor Leuten reden, habe ich mich früher nicht getraut“, gibt Felsberger zu.

Griseldis Felsberger mit Computer unter einem Baum

Zahlreiche Fortbildungen halfen Felsberger in ihre Rolle als Bäuerin hineinzuwachsen. (Bildquelle: Whirlphoto)

„Bin jetzt selbstbewusster“

Der Zertifikatslehrgang „ZAMm unterwegs – Professionelle Vertretungsarbeit im ländlichen Raum“ hat dies geändert. Ihr ganzes Auftreten hat sich dadurch verbessert. „Auch wenn man sich nicht politisch engagieren will, allein fürs Selbstbewusstsein ist der Lehrgang hilfreich“, betont sie. Wenn sie mehr Zeit hätte, wäre sie im Gemeinderat noch aktiver und würde sich auch mehr für soziale Belange einsetzen. Vielleicht klappt das ja bald, wenn sie eine Teilzeitkraft für den Hof findet. 

Unsere Autorin:
Martina Wolf, LK Österreich