"Mit uns hat bisher noch niemand geredet" Premium

(Bildquelle: topagrar.at)

Im oberösterreichischen Waizenkirchen ist ein gigantischer Hochwasserdamm mit bis zu 6,5 m Höhe geplant. Leidtragende des Mega-Rückhaltebeckens wären etliche Bauern in dem Gebiet. top agrar sprach mit Betroffenen und den Verantwortlichen für das Projekt.

Landwirte protestieren gegen ein gigantisches Hochwasserschutzprojekt in Waizenkirchen. Dieses würde 98 Hektar Grundfläche beanspruchen. So schrieb top agrar bereits vor zwei Jahren erstmals über Pläne eines Dammes mit Rückhaltebecken in dem Ort (Ausgabe 5/2016, S. 10).

„Allerdings gab es seit der Präsentation der Studie zu dem Rückhaltebecken durch den Gewässerbezirk im März 2016 nur sehr spärliche weitere Information durch die Behörden“, so Georg Doppler, Sprecher des kürzlich gegründeten Vereins „Dammfrei“ (siehe Kasten).

Seit einiger Zeit ist wieder Bewegung in die Sache gekommen. Denn die für die Umsetzung Verantwortlichen wollen wohl ernst machen. Schon im Herbst 2018 soll das Projekt offenbar eingereicht werden, hieß es in regionalen Medien.

Noch keine Detailpläne:

top agrar fragte beim Obmann des Wasserverbandes Johann Schweitzer nach. Er teilt uns dazu mit: „Im Projekt ‚Hochwasserschutz Mittlere Aschach‘ sind einige Möglichkeiten für einen Hochwasserschutz in fünf Gemeinden des Verbandsgebietes aufgezeigt. Die Hauptvarianten beinhalten zwischen 15 und 27 Maßnahmen. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Information der Mitglieder des Wasserverbandes und bei den Betroffenen.“

Laut Josef Mader, Abteilung Wasserwirtschaft Oö. Landesregierung, wurde das Projekt dem Hochwasserschutzverband (HWS) Aschachtal Ende April vorgestellt. Mader: „Es gibt noch keine Detailpläne, da es sich um ein generelles Projekt handelt. Die Pläne liegen in erforderlicher Qualität vor, erst nach der Variantenentscheidung kann eine Einreichplanung bzw. Detailplanung erfolgen.“

Die Betroffenen jedenfalls fühlen sich nach eigener Aussage über Details zur Umsetzung bis zum jetzigen Zeitpunkt im Ungewissen gelassen. „Mit uns hat noch niemand geredet“, beschwert sich Gabi Watzenböck, Obmann-Stellvertreterin des kürzlich gegründeten Vereins „Dammfrei“. Sie bewirtschaftet mit ihrem Mann einen Betrieb in Moospolling. Dieser Ort wäre besonders stark durch den Rückstau eines Dammbaues betroffen.

Was sehen die Pläne zum Hochwasserschutz nach bisherigen Informationen vor? Nach einer top agrar vorliegenden Projektbeschreibung von Josef Mader liegen drei Varianten zum Hochwasserschutz vor. In der Beschreibung favorisiert Mader die Variante mit zwei großen Rückhaltebecken und 13 flankierenden Maßnahmen.

6,5 m hoher Damm?

Im Mittelpunkt dieser steht ein Rückhaltebecken an der Aschach mit einem Fassungsvolumen von 2,4 Mio. m³. Dafür sollen 2 750 Laufmeter Dämme (Hauptdamm inkl. Nebendämme) mit einer Dammhöhe von bis zu 6,5 Meter errichtet werden, von dem aus das Wasser bei Hochwasser auf Flächen rückgestaut werden soll (siehe nebenstehende Grafik).

„Bei dieser Variante liegt der große Vorteil in der Kombination von Maßnahmen und Absenkung der Hochwasserspitzen durch die beiden Rückhaltebecken“, so Mader. Die Errichtungs-Kosten der Variante mit zwei großen Rückhaltebecken beziffert Mader auf 41,5 Mio. €.

Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich über Fördermittel von Bund und Land OÖ. Mader geht von 85 bis 87 % Förderung aus. Der Rest ist als Interessentenbeitrag von den Mitgliedsgemeinden des Wasserverbandes HWS Aschachtal aufzubringen.

„Nur 25 Objekte geschützt“

Laut dem HWS Aschachtal mit 28 Mitgliedsgemeinden sollen mit dem Projekt insgesamt mehr als 265 Objekte vor 100-jährigen Hochwässern geschützt werden. In...

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