Raus aus den Rüben? Premium

Derbrüssler, Neonics-Verbot und das Rübengeld am Boden: Unsere Rübenbauern blicken gleich auf drei Krisenherde. top agrar analysiert die Situation in Österreich und wirft auch einen Blick nach Süddeutschland und in die Schweiz – mit spannenden Ergebnissen.

Wie eine biblische Plage sind die Rüsselkäfer über meine Rüben hergefallen. Meine gesamten 13 ha sind ihnen zum Opfer gefallen. Und ich stand hilflos daneben“, erzählt Lorenz Mayr. Der Bauer aus Korneuburg (NÖ) ist kein Einzelfall.

Zu Redaktionsschluss betrug der Flächenverlust etwa 4 000 ha. Die zuletzt feucht-kühle Witterung hat die Aktivität des Schädlings zum Glück etwas eingebremst. Richtig übel zugeschlagen hat der Rüsselkäfer 2018. Von über 40 000 ha angebauten Rüben haben es lediglich rund 32 000 ha zur Ernte geschafft.

Einiges wurde gegen den Schädling bereits ausprobiert, allerdings mit überschaubarem Erfolg. Bis dato verteilte die Agrana über 80 000 Pheromonfallen und weitere 20 000 Pheromonköder an ihre Landwirte. Einer davon ist Josef Keiblinger. Auf seinen 8 ha Rüben kontrolliert der Bauer aus Trasdorf (NÖ) täglich die eingegrabenen Pheromonfallen. Dabei handelt es sich um Kübel mit einem Lockstoff in der Mitte.

Kopfgeld auf Käfer:

„Früher hieß es, ab Mai wird der Käfer inaktiver, weil er mit der Paarung beschäftigt ist“, so Josef Keiblinger. „Nach Ostern ist die Zahl der Käfer in meinen Fallen aber deutlich gestiegen. Fliegt er erst ab 20° C oder schon ab 15° C? Wir wissen viel zu wenig über den Derbrüsselkäfer. Keiner kennt sich richtig aus.“ Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) hat darauf reagiert: „Für den Zuckersektor wurde 2018 eine Forschungsmillion beschlossen, auch zum Thema Pflanzenschutz.“ Bis die Bauern das zu spüren bekommen, wird es jedoch dauern.

10 € pro Kilo Käfer hat die Agrana ihren Bauern heuer per SMS als Anreiz angeboten. „Diese Kopfprämie hat viele Landwirte wütend gemacht. Käfer sammeln, das sind Maßnahmen wie vor 100 Jahren. Aber auch bei der Agrana liegen die Nerven blank“, erklärt Markus Schöberl von der VÖR. „Die Aktion sollte ein Anreiz sein.

Ein Derbrüssler kann im Folgejahr 100 neue hervorbringen“, rechtfertigt Ulrich Fischer, Rohstoffmanager der Agrana. „Außerdem wollten wir die Anstrengung der Bauern wenigstens teilweise abgelten.“ Bislang wurden 10 Mio. Rüssler abgegeben. Anders schätzt Anton Hieger Obmann von der BBK St. Pölten, die Situation ein: „Die Pheromonfallen dienen mehr dem Monitoring als dem Bekämpfen. So kennt man den Schädlingsdruck für seine Rübenflächen.“

Bereits letztes Jahr haben Landwirte Fallschlitze um ihre Rübenflächen gezogen. Auf dem Weg zu den Rübenpflanzen sollen die Käfer so in eine Grube fallen. Soweit die Theorie....

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Artikel geschrieben von

Teresa Gastegger

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