„Wir fühlen uns über den Tisch gezogen“ Plus

Mehrere Landwirte werfen dem Geschäftsführer des Ziegenzuchtverbandes Oberösterreich vor, sie betrogen zu haben. Dieser weist jegliche Schuld von sich. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Ich nehme nicht hin, dass ich 40000 € Kaufpreis zahlen muss und dann Ziegen mit Pseudotuberkulose im Stall stehen habe”, erklärt Wolfgang Mayrhuber. Er ist einer von mehreren Landwirten, die sich vom geschäftsführenden Obmann des OÖ Ziegenzuchtverbandes Josef Stöckl über den Tisch gezogen fühlen.

Nachdem Ende 2018 bei der Polizei Linz eine anonyme Anzeige gegen Stöckl einlangte, nahm diese die Ermittlungen auf. Inzwischen liegt der Abschlussbericht bei der Staatsanwaltschaft Linz.

Diese prüft derzeit, ob Anklage wegen schweren Betruges erhoben wird. Für Josef Stöckl gilt die Unschuldsvermutung.

Lesen Sie hier, was die Bauern dem Verbandsfunktionär vorwerfen – und was dieser gegenüber top agrar als Stellungnahmen dazu abgibt.

Fall 1: Womöglich Infizierte Tiere geliefert

Biobauer Wolfgang Mayrhuber hält in Taufkirchen etwa 120 Milchziegen auf etwas mehr als 30 ha Fläche. Auf diesen Betriebszweig ist er durch die intensive Beratung von LK und Ziegenzuchtverband OÖ 2015 gekommen.

Josef Stöckl, in Österreich federführend in Sachen Ziegen- und Schaf-im- und -exporte, lieferte 110 Ziegen an Mayrhuber. „Diese sollten herdbuchtauglich und in gutem Gesundheitszustand sein“, erinnert sich Mayrhuber. Doch der Landwirt traute seinen Augen kaum, als die ersten Tiere im April 2016 auf seinen Betrieb kamen.

Die Tiere hatten laut Mayrhuber Beulen am Hals. Er fotografierte dies und reklamierte es beim Zuchtverband. „Josef Stöckl erklärte die Beulen damit, dass die Ziegen geimpft worden seien“, so Mayrhuber. „Doch einige Zeit später stellte sich heraus, dass es sich um Pseudotuberkulose handelte.“ Übrigens: Die Beulen bzw. Abszesse sind typische Symptome für Pseudotuberkulose bei Ziegen.

Mayrhuber musste eine Sanierungsvereinbarung mit dem OÖ Tiergesundheitsdienst (TGD) abschließen. „Seither muss ich regelmäßig Tiere behandeln, infizierte Tiere trennen und den Stall desinfizieren“, beklagt der Landwirt. Viele Tiere mussten getötet werden, hinzu kam der Schaden wegen Milchgeldausfall.

Bei seinen Nachforschungen stellte Mayrhuber fest, dass er zumindest teilweise Ziegen aus Sanierungsbetrieben erhalten hatte. Tiere, die laut TGD gar nicht in Verkehr gebracht werden dürfen. Mayrhuber ist sauer: „Das hat der Geschäftsführer als Exportbeauftragter für Schafe und Ziegen in Österreich gewusst und dennoch riskiert.“ Er habe es aber verabsäumt, Einzeltieruntersuchungen durchzuführen.

Vergleich widerrufen

Da Stöckl laut Mayrhuber bei allen Versuchen, sich außergerichtlich zu einigen, keinen ernsthaften Willen dazu zeigte, entschied sich der Landwirt schließlich, den Klagsweg einzuschlagen. Ende April dieses Jahres brachte er am Landesgericht Linz eine zivilrechtliche Klage gegen den Landesverband für Ziegenzucht ein.

Der Gesamtstreitwert beläuft sich auf über 60000 €. Anfang Juli schien es hier eine Lösung zu geben: Der Kläger hatte einen Vergleich über 30 000 € angeboten, den Stöckl auch annahm. Doch Anfang September hat letzterer diesen Vergleich widerrufen. Somit dürfte dieses komplexe Verfahren sich über einen langen Zeitraum ziehen, erwartet Landwirt Mayrhuber.

STÖCKL NIMMT STELLUNG

Grundsätzlich meint Josef Stöckl gegenüber top agrar zunächst, dass er es in seiner Ankaufs- und Verkaufstätigkeit im Umfang von etwa 2500 Ziegen und Schafen im Jahr naturgemäß nicht gänzlich ausschließen könne, dass sich der eine oder andere Landwirt aus seiner subjektiven Sicht ungerecht behandelt fühle.

Der gesamte Geschäfts- und Abwicklungsprozess des Verbandes sei vollkommen transparent und professionell organisiert und werde dahingehend auch entsprechend kontrolliert.

Auf die Frage, wie er sich das Auftreten der Krankheit am Betrieb Mayrhuber erkläre, meint Stöckl: „Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Der Erreger kann z. B. auf der Weide oder im Stall auch von anderen, wild lebenden Tieren übertragen werden. Glücklicherweise sind die Folgen dieser Tierkrankheit nicht so dramatisch, wie das vom betroffenen Landwirt dargestellt wird. Für den Menschen besteht keine Gefahr.“

Ob er es verabsäumt habe,...


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