„Wollen Kooperationen künftig mehr unterstützen“ Premium

(Bildquelle: topagrar.at)

Was tun, wenn der Milchpreis wieder fällt? Wie weiter mit Glyphosat? Wann kommt die verplichtende Herkunfts-Kennzeichnung? Diese und weitere Fragen beantwortet die neue Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger im Interview.

Zum ersten Mal in 150 Jahren steht eine Frau dem Ressort Landwirtschaft vor. Was bedeutet Ihnen das?

Köstinger: Für mich ist es eine große Ehre. In Österreich werden über 40% der bäuerlichen Familienbetriebe von Frauen geführt und die sind maßgeblich für die Bewirtschaftung zuständig. Dass jetzt eine Frau an der Spitze des Ressorts steht, soll vor allem die Rolle der Frau am landwirtschaftlichen Betrieb aufwerten.

Sie stehen jetzt einem Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus vor. „Nachhaltigkeit“ kommt schließlich immer gut. Doch wo bleibt hier die Landwirtschaft? Verliert sie an Bedeutung?

Köstinger: Im Gegenteil, es ist eine Aufwertung, weil wir es erstmals geschafft haben, wirklich entscheidende Schlüsselressorts vor allem auch des ländlichen Raums unter dem Dach der Nachhaltigkeit zu bündeln. Dazu gehören die Land-, und Forst- und Wasserwirtschaft, der Umwelt und Klimaschutz sowie der Bergbau. Die Themenkomplexe, die unter der Nachhaltigkeit gebündelt sind, haben große Synergieeffekte und werden noch angereichert mit dem Tourismus, der jetzt auch bei mir im Haus beheimatet ist.

Wie passen Nachhaltigkeit und das Befürworten von Abkommen wie CETA und TTIP zusammen? Die Ratifizierung von CETA widerspricht doch dem Bekenntnis zu einer klein strukturierten ­österreichischen Landwirtschaft.

Köstinger: In CETA ist klar festgeschrieben, zu welchen Produktions- und Umweltstandards Handel betrieben werden darf. Das ist eine neue Art der Handelsabkommen und CETA bildet den Standard für künftige Abkommen. Weder Kanada noch die EU haben ein Interesse daran, sich gegenseitig die Agrarmärkte kaputtzumachen. Kanada ist ein Land mit 35 Mio. Einwohnern. Demgegenüber steht die EU mit 500 Mio. Einwohnern. Wenn man sich die agrarische Produktion anschaut, sind wir in Europa die maßgeblich Überlegenen.

Das größere Problem sehe ich beim Mercosur-Handelsabkommen, das vor der Tür steht. Dagegen bin ich in den letzten Jahren auch im Europaparlament ganz klar aufgetreten. Denn bei diesem machen die Agrarprodukte einen Hauptteil des Handels aus: Rindfleisch, aber auch Zucker in Form von Ethanol und anderen Produkten. Für uns ist wichtig, dass dieses Abkommen nicht auf Kosten der europäischen Landwirtschaft abgeschlossen werden darf. Wir sind mit den Kommissaren in Kontakt und haben ein wachsames Auge auf das Abkommen.

Ihr Vorgänger hielt oft Distanz zu gewissen Produktionsmethoden und zu denen, die sie anwenden. Als ein Beispiel sei hier der Einsatz von Glyphosat genannt. Hier geht es schon längst nicht mehr ums Fachliche. Pure Emotion lenkt hier die Diskussion. Die Bauern erwarten sich in dieser Frage eine klare Richtung. Wie soll diese aussehen?

Köstinger: Glyphosat ist sozusagen das Synonym für eine stark ausgeprägte Wissenschaftsfeindlichkeit. Es werden wissenschaftliche Ergebnisse in Zweifel gezogen bzw. in sehr vielen Bereichen fehlt einfach das Wissen um Anwendung, Funktion und Wirkungsweise.

Wie dem auch sei: Speziell bei Glyphosat bin ich überzeugt davon, dass es auf europäischer Ebene die letzte Zulassung ...

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