Apfelbäuerin Lafer fehlen mindestens 13 Ct/kg beim Verkaufserlös

Über die aktuell schwierige Situation im Obstbau sprach top agrar mit Karin Lafer, eine 28 Jahre junge Apfelbäuerin am Rohrberg in der Südoststeiermark. Sie produziert gemeinsam mit den Eltern Rosa und Franz auf 13der insgesamt 16 ha LN Äpfel der Sorten Gala, Golden, Braeburn und Evelina. Mit den qualitativ hochwertigen Clubsorten für einen Privatabnehmer erzielt sie derzeit bessere Preise als mit Normalsorten.

Anders als hier bei der Ernte hat Karin Lafer in Bezug auf die Apfelproduktion derzeit nur wenig zu lachen. Foto: zVg (Bildquelle: )

top agrar: Der Österreichische Erwerbsobstbau befindet sich derzeit hinsichtlich Preis und Absatz in einer schwierigen Situation. Worauf führen Sie das zurück?

Karin Lafer: Jedenfalls nicht allein auf das russische Embargo. Diese Darstellung greift zu kurz. In der EU haben wir bei Äpfeln eine Überproduktion von 15 bis 20%. Das ist die Hauptursache des Preisverfalls. Die Russland-Sanktionen haben die Situation natürlich unnötiger Weise noch verschärft. Dazu kommen außerdem die heuer sehr hohen Erntemengen.

"Der Konsum eines zusätzlichen Apfels pro Woche wird uns wenig helfen"

top agrar: Wie konnte es zu dieser Überproduktion kommen?

Karin Lafer: Die EU förderte die Neuauspflanzung von Apfelkulturen durch mehrere Jahre massiv, ohne auf die Absatzmöglichkeiten Rücksicht zu nehmen. Dadurch wurden vor allem in Polen  Überkapazitäten aufgebaut. Polen ist vom Russenembargo am stärksten betroffen und drängt nun mit bedeutenden Übermengen auf den gesamteuropäischen Markt. Der Konsum eines zusätzlichen Apfels pro Woche, wie vom Landwirtschaftsminister propagieret, wird uns da wenig helfen. Allerdings ist durch den Preisverfall bei Äpfeln ein Anstieg der Kauflust bei den Konsumenten um bis zu 20% festzustellen. In Polen liegt der Erzeugerpreis derzeit bei 16 bis 17 Cent pro kg.

Unser Preis wird zwar über 20 Cent liegen, damit sind die Produktionskosten aber nicht abgedeckt, von einem Gewinn gar nicht zu reden. Genau wissen wir das aber erst nach der Endabrechnung im kommenden Jahr. Einer südtiroler Studie zufolge rechnet man dort für Äpfel mit Produktionskosten von 38,7 Cent pro kg. Wir brauchen mindestens einen Verkaufserlös von 13.000 Euro/ha. Ab 15.000 Euro wird es interessant. Das entspricht bei einer Erntemenge 40.000 kg/ha in etwa 33 bis 37,5 Cent pro kg.   

top agrar:  Sie erhalten aber finanzielle Hilfestellung seitens der EU.

Karin Lafer: Ja, nur ist die nicht der Rede wert. Wir können je nach Verwendung einen Interventionspreis von 13 bis 16 Cent pro kg in Anspruch nehmen. Außerdem gibt es die Nichternte-Prämie, die ich aus ethischen und fachlichen Gründen ablehne. Die vollmundig angekündigte Erschließung neuer Märkte kann, wenn überhaupt, erst nach Monaten oder sogar Jahren zum Tragen kommen.  

top agrar: Bringt ihnen in dieser Situation die reformierte GAP Vorteile?

Karin Lafer: In der neuen GAP erhält man zwar auch für Dauerkulturen die einheitliche Betriebsprämie. Diese wird für uns aber zunächst winzig klein sein, da der Ausganswert bei ca. 22 Euro pro Hektar liegen wird. Des Weiteren kommt für uns nur noch der „Erosionsschutz Dauerkul-turen Obst“ in Frage. Bisher beteiligten wir uns an der Integrierten Produktion und am Erosionsschutz.

Da in der neuen GAP die integrierte Produktion ohne Prämie einzuhalten ist und der neue Erosionsschutz eine niedrigere Prämie hat, verlieren wir je nach Hangneigung bis zu 350 Euro an Prämie pro Hektar.  Dieser Verlust wird auch durch die volle Einheitliche Betriebsprämie von voraussichtlich 284 Euro pro Hektar ab 2019 nicht ausgeglichen. Für meinen Betrieb bringt die neue GAP also keinerlei Vorteile.

"Halte es für möglich, die Produktionskosten unter 35 Ct/kg zu drücken"

top agrar: Trotzdem sind Sie der Meinung, dass der steirische bzw. der Lafer-Apfel Zukunft hat. Woher nehmen sie angesichts der derzeitigen Marktsituation diesen Optimismus?

Karin Lafer: Zum einen wird es nicht jedes Jahr eine Rekordernte geben. Und Polen, aber auch andere Anbaugebiete können auf Dauer nicht von Verlusten leben. Ich rechne daher mit einem Rückgang des Äpfelangebotes innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre. Zum anderen wird das russische Embargo wohl nicht ewig dauern. Wir müssen einfach eine Durststrecke durchstehen. Außerdem werden unsere Optimierungs- und Rationalisierungsmaßnehmen zu greifen beginnen. Ich halte es für möglich, die Produktionskosten unter 35 Cent pro kg zu drücken.

Unter einigermaßen normalen Umständen müssten wir damit über die Runden kommen.  Auf Sicht können natürlich Ersatzmärkte erschlossen werden. Wahrscheinlich müssen wir uns in der Überganszeit bei den betrieblichen und privaten Ausgaben einschränken. Ich meine, dass es aus jeder Situation einen Ausweg gibt. Und bei heiklen Entscheidungen stütze ich mich immer noch auf die Erfahrungen und den Rat meiner Eltern.  

Das Gespräch führte Wolfgang Müller.

Artikel geschrieben von

Sylvia Haury

Redaktions- und Vertriebsassistentin

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