Aus für die letzten Käfige mit Jahresende

Die heimischen Landwirte befolgen die EU-weit strengsten Haltungsbestimmungen und produzieren hochwertiges Geflügelfleisch und Frischeier aus verantwortungsvoller Tierhaltung. Zudem endet in Österreich mit Jahresende 2019 endgültig die Legehennenhaltung in Käfigen.

Martin Gressl (AMA Marketing GmbH), Präsident Josef Mossbrugger (LK Österreich) und Obmann Franz Kirchweger (EZG Frischei) bei der heurigen Ostereier-Pressekonferenz in Wien. (Bildquelle: Spanring)

Vor zehn Jahren wurde mit einer Novelle zum Bundestierschutzgesetz beschlossen, dass bis Ende 2019 nur noch ausgestaltete Käfige in Betrieb sein dürfen. Die letzten acht Betriebe (fünf in NÖ, drei in OÖ) mit solchen Käfigen sind mit Jahresende Geschichte. Damit wird Österreich als erstes Land der EU vollkommen käfigfrei.

LEH setzt auf österreichische Frischeier

Pro Jahr werden in Österreich 2.200 Mio. Eier benötigt. Rund 2.000 Legehennenhalter sichern mit ihren mehr als 6,8 Mio. Tieren diesenn Bedarf zu 87%. Zwei Drittel der heimischen Eier kommen aus Boden-, fast ein Viertel aus Freilandhaltung und 11% aus biologischer Erzeugung. Anders sieht die Situation in den übrigen EU-Staaten aus, wo 53% der über 397 Mio. Legehennen in ausgestalteten Käfigen gehalten werden und der Bioanteil nur 5% ausmacht.

37% der im Inland erzeugten Eier werden als Frischware im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) vermarktet, 30% über die Gastronomie, Hotels und Großküchen und weitere 23% gehen in die Weiterverarbeitung. „Der LEH setzt bei Frischeiern eindeutig auf Ware aus Österreich sowie auf alternative Haltungsformen und entspricht damit dem Wunsch der Verbraucher. Bei den sogenannten 'anonymen' Eiern in der Außer-Haus-Verpflegung sowie verarbeiteten Lebensmitteln wie Kuchen, Teigwaren und Convenience-Erzeugnissen besteht hingegen weiter das Problem der fehlenden Herkunfts- und Haltungs-Kennzeichnung“, zeigt Franz Kirchweger, Obmann der Erzeugergemeinschaft (EZG) Frischei die unbefriedigende Situation auf. Hier bräuchte es eine entsprechende Auslobung in diesen Bereichen.

Klare Kennzeichnung gefordert

„Raus aus der Anonymität", fordert auch LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger angesichts der enormen Importe von täglich rund 1 Mio. frischen Schaleneiern nach Österreich. Diese kommen überwiegend aus ausgestalteten Käfigen und werden zu Eipulver und Flüssigei für die Industrie verarbeitet. Hierbei können die Kunden mangels Auslobung nicht abschätzen, welche Eiqualität sie im Produkt kaufen.

Eine Lösung des Kernproblems bei anonymen Flüssigeiern, die zu einem hohen Prozentsatz als Billigrohstoff importiert werden, bietet die neue AMA-Richtlinie für Eiprodukte, die in Kürze startet. Laut Martin Greßl, Leiter des Qualitätsmanagements der AMA Marketing GmbH, sorgt sie für mehr Transparenz: „Damit sichern wir nun Flüssigei und Eipulver durchgängig ab, und Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung sowie Verarbeiter können die Haltungsform und Herkunft klar angeben.“

Zur Herstellung von AMA-Gütesiegel-Eiprodukten dürfen demnach nur Hühnereier aus Boden-, Freiland- oder biologischer Haltung aus AMA-Legehennenbetrieben eingesetzt werden. Die Gütesiegel-Kriterien sind bei den Qualitätsparametern bekanntlich strenger als die jeweiligen gesetzlichen Vorgaben.

Weiter Wirbel um ukrainisches Geflügelfleisch

Indes geht die Empörung über billiges Geflügelfleisch, dass durch einen Trick in die EU eingeführt wird, weiter. Oberösterreichs LK-Präsident Franz Reisecker fordert die EU-Kommission in dieser Angelegenheit auf, näher zu „untersuchen, ob hier möglicherweise ein Zollbetrug vorliegt“. Sie solle auch prüfen, ob der Import des Geflügelfleisches auch bei Verbleib des Brustknochens mengenmäßig beschränkt werden kann, um eine Umgehung der Bestimmungen zu vermeiden. „Es müssen Regelungen geschaffen werden, dass bei Fleisch auch in verarbeiteter Form die Herkunft verpflichtend anzugeben ist und nicht nur bei Geflügel im Ganzen oder in Teilstücken“, so Reisecker.

„Besonders bedenklich sind die Aussagen der Agrarverantwortlichen in der EU, die diese Missstände nicht abstellen wollen, sondern die Gesetze bedarfsgerecht für solche Industriebetriebe anpassen wollen“, ärgert sich der ehemalige Abg.z.NR und Obmann des Vereins Echt-Ehrlich. Auch führt dieser in einer Aussendung an, dass bei solchen Finanzierungen „ausgediente Agrarpolitiker, so auch der ehemalige Vizekanzler sowie Finanz-, Landwirtschafts- und Umweltminister Wilhelm Molterer, verwickelt sind.“

Artikel geschrieben von

Leopold Th. Spanring

Redakteur

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