Dosengulasch im steirischen LEH

Bei 71 % ist Herkunftsland unbekannt

Eine zum Teil völlig unklare Herkunft der Lebensmittel bei Dosengulasch offenbart ein aktueller Supermarkt-Check der steirischen Landwirtschaftskammer und des österreichischen Bauernbundes. Deshalb fordern LK-Präsident Franz Titschenbacher und Georg Strasser, Präsident des Österreichischen Bauernbundes, zum wiederholten Mal eine klare und transparente Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Lebensmitteln.

Suppe

Ist das Fleisch aus Österreich oder nicht? Bei dem Großteil des in steirschen Supermärkten gekauften Dosengulasch war die Herkunft nicht erkennbar. (Bildquelle: pixabay.com/RitaE)

"Konsumenten wird Fleisch von irgendwoher untergejubelt"

Woher kommt das Fleisch im Dosengulasch und in Frankfurter-Würsteln? Dem gingen die Store-Checker der steirischen Landwirtschaftskammer und des österreichischen Bauernbundes auf die Spur. „Miserabel sind die Ergebnisse beim Dosengulasch, wird doch bei fast drei Viertel der gezogenen Proben dem Konsumenten Fleisch von irgendwoher untergejubelt“, ärgert sich Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher über die schlechte Nachvollziehbarkeit.

Bei weniger als einem Drittel der Proben war die Herkunft Österreich sicher feststellbar. (Bildquelle: LK Steiermark)

Beschämend ist, dass selbst bei Nachfrage die Verantwortlichen die Herkunft des Fleisches verschweigen (23 Prozent oder 48 Proben). BB-Chef Strasser: „Die Konsumenten tappen bei verarbeiteten Lebensmitteln oftmals völlig im Dunkeln, obwohl drei von vier Österreichern wissen wollen, woher das Fleisch kommt.“

Bessere Ergebnisse erzielte die Prüfung der Herkunftskennzeichnung bei Frankfurter-Würsteln. Titschenbacher: „Das Fleisch kommt zwar mit 86 % zum Großteil aus Österreich, allerdings ist noch Potenzial vorhanden.“ Titschenbacher und Strasser verlangen mit Nachdruck, "das Spiel mit den rot-weiß-roten Fähnchen endlich zu beenden. Diese suggerieren auf den ersten Blick die österreichische Herkunft, dieser scheinbar vermittelte Eindruck hält aber oftmals einer Überprüfung nicht stand."

Vorschlag an Anschober übermittellt

Die Herkunftskennzeichnung von verarbeiteten Lebensmitteln mit Fleisch, Eiern und Milch sowie die Kennzeichnung von solchen Speisen in der Gemeinschaftsverpflegung sei eine langjährige Forderung der Bauernvertretung. Dies sei im Regierungsprogramm für 2021 so vorgesehen. Nachdem man schon seit Monaten vergeblich auf einen Gesetzes-Entwurf für die Herkunftskennzeichnung aus dem zuständigen Gesundheitsministerium warte, habe die Landwirtschaftskammer vergangene Woche an das Gesundheitsministerium einen diesbezüglichen Entwurf übermittelt, der eine umfassende Herkunftskennzeichnung gemäß Regierungsplan vorsehe. Titschenbacher und Strasser: „Wir hoffen, dass nun die Verhandlungen zur Herkunftskennzeichnung endlich Fahrt aufnehmen. Die Konsumenten und vor allem unsere Bauernfamilien haben sich mehr Transparenz im Supermarktregal verdient!“

Österreichisches Fleisch ist gekennzeichnet, ausländisches nicht!

Aufgedeckt haben die Store-Checker auch einen anderen Trick bei der Herkunftskennzeichnung. Strasser: „Für verarbeitete Produkte gilt offensichtlich die Faustregel: Fleisch aus Österreich wird deutlich gekennzeichnet. Kommt das Lebensmittel allerdings aus dem Ausland, wird die Herkunft verschwiegen.“ Woher die Zutaten in verarbeiteten Lebensmitteln kommen, bleibe leider oft ein gut gehütetes Geheimnis. Titschenbacher nannte ein Beispiel: "Ein renommierter Hersteller von Dosenlebensmitteln wirbt auf dem Etikett mit einer rot-weiß-roten Fahne und der Aufschrift‚ beliebteste Suppen Österreichs‘. Allerdings gibt es auf der Gulaschdose keinen Hinweis, woher das Rindfleisch kommt. Ergebnislos blieb auch die Nachfrage beim Hersteller bezüglich der Herkunft des Fleisches in der Gulaschdose. Keine Antwort ist auch eine Antwort.“

Titschenbacher (l,) und Strasser in Richtung Anschober: "Wir hoffen, dass die Verhandlungen zur Herkunftskennzeichnung endlich Fahrt aufnehmen." (Bildquelle: LK-Stmk/Alexander Danner)

Rund 40 % der Frankfurter-Würstel im Supermarkt sind mit dem AMA-Gütesiegel gekennzeichnet. Bauernbundpräsident Georg Strasser: „Das ist ein begrüßenswertes Ergebnis, wobei es natürlich noch Luft nach oben gibt. Mit dem AMA-Gütesiegel haben wir ein europaweit einzigartiges Qualitätssiegel für heimische Lebensmittel etabliert. Durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegels kann der Erfolgsweg bei den Konsumentinnen und Konsumenten auch für die Zukunft gesichert werden – beispielsweise durch eine konsequente Umstellung auf GVO-freie Fütterung.“

Zahlen und Fakten zum Store-Check

Im Februar und März haben die Store-Checker im Lebensmittelhandel in der Steiermark insgesamt 364 Proben, davon 154 verpackte Frankfurter-Würsteln und 210 Dosengulaschsuppen, auf die Herkunft des verarbeiteten Fleisches untersucht.

  • Fakt 1: Ergebnis bei Dosengulasch ist miserabel
  1. Bei 71 Prozent (148 Proben) ist das genaue Herkunftsland nicht feststellbar, bei 29 Prozent (62 Proben) kommt das Fleisch aus Österreich.
  2. Bei 47 Prozent der untersuchten Proben (98 Proben) ist die Fleischherkunft mit „EU-Land“ angegeben, allerdings fehlt das konkrete Herkunftsland. Ein Ratespiel bei dem 27 Mitgliedsstaaten von Portugal bis Rumänien zur Wahl stehen.
  3. Bei 23 Prozent der Proben (48 Proben) fehlt jegliche Herkunftsangabe. Selbst bei Nachfrage gaben die Verantwortlichen keine Auskunft über die Fleischherkunft.
  4. Nur bei 29 Prozent nach der Fleischher­kunft überprüften Dosen­gulaschsuppen kommt das Fleisch aus Österreich (62 von 210 Proben).
  5. Ein Prozent der Proben (5 Proben) ist mit „Nicht EU-Land“ de­klariert.

  • Fakt 2: Spiel mit den rot-weiß-roten Fähnchen bei Dosengulaschsuppen.
  1. Auf 20 Prozent der angebotenen Gulaschsuppen weht ein rot-weiß-rotes Fähnchen. Auf den ersten Blick scheint das rot-weiß-rote Fähn­chen die öster­reichische Herkunft zu vermitteln. Aber: Eine Herkunftsangabe für Fleisch sucht man selbst im Kleingedruckten vergeblich. Weil sich das Fähn­chen aber auf den Beisatz „Öster­reichs beliebteste Suppen“ beziehen könnte, ist wohl keine klare Herkunftsangabe im Kleingedruckten notwendig.

  • Fakt 3: Bei Frankfurter-Würsteln Potenzial vorhanden:
  1. Bei 86 Prozent der überprüften Frankfurter (133 von 154 Proben) kommt das Fleisch aus Österreich. 39 Prozent davon tragen das AMA-Gütesiegel, bei 61 Prozent ist die österreichische Herkunft nachvollziehbar.
  2. Bei 14 Prozent ist das Herkunftsland nicht exakt deklariert (21 Proben). Neun Prozent sind mit „EU-Land“ deklariert, wobei das genaue Herkunftsland rätselhaft ist (14 Proben), bei weiteren fünf Prozent ist gar keine Herkunft angegeben.


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