COPA-Chef Pesonen: "Gewisse Marktregulierung garantieren!"

"Die jüngsten Preissteigerungen bei agrarischen Rohstoffen wie Milch oder Getreide in Europa sind mehreren Faktoren zuzuschreiben. Dazu zählen die Marktorientierung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP), der ungünstige Witterungsverlauf für die Produktion, globales Bevölkerungs-wachstum und eine steigende Nachfrage nach Lebensmitteln, insbesondere in China." Dies sagte kürzlich der Generalsekretär der Europäischen Dachorganisationen der Landwirte- und Genossenschaftsverbände COPA und COGECA, Pekka Pesonen, in einem Gespräch mit dem AIZ.

"Am wenigsten aber kann die Bioenergie-Politik der EU dafür verantwortlich gemacht werden, da nur ein verschwindender Bruchteil von weniger als 2% der EU-Getreideproduktion in die Energieerzeugung fließt, so Pesonen. Die Landwirte in der EU wollen Kalkulierbarkeit mit nachhaltigen Rahmenbedingungen und Preisentwicklungen, aber nicht als Preistreiber dastehen. Verbraucherpreise enthielten nämlich nur geringe Anteile an Rohstoffkosten und gäben vor allem den hohen Verarbeitungsgrad der Lebensmittel wieder.Die europäischen Landwirte begrüßten nach Jahrzehnten des sogar nominellen Verfalls der Erzeugerpreise dennoch die derzeitigen Preise, denn sie decken jetzt endlich wieder die im Gegensatz zu den Erlösen laufend gestiegenen Kosten. Und alles, ob Energie oder Arbeit, wurde in den vergangenen Jahren teurer, außer die Produkte der Landwirtschaft". Hohe Getreidepreise führten aber auch zu Verzerrungen innerhalb der Landwirtschaft wie für die Viehalter durch steigende Futterkosten. Daher werden die Fleischpreise dem Getreidepreis folgen müssen."Man müsse sich aber auch bewusst sein, dass es mit den Preisen auch schnell wieder bergab gehen könne. Pesonen warnte daher vor voreiligen Schlüssen der Politik in Richtung einer Diskussion um die Notwendigkeit oder das Niveau von Direktzahlungen an die Landwirte. COPA und COGECA seien zwar bereit, ohne Tabu" über die Zeit nach 2013 zu diskutieren und sich aktiv einzubringen. Aber zuvor müsse die Politik die Nachhaltigkeit der gegenwärtigen Preisentwicklung längerfristig beobachten und ein gewisses Maß an Marktregulierung zur Erhaltung der Balance und Vermeidung extremer Ausschläge weiterhin garantieren. Zudem hätten die Direktzahlungen in der Vergangenheit bei den Bauern nur einen Teil des Rückganges der Agrarpreise auffangen können, gleichzeitig aber die Verbraucherpreise niedrig gehalten.

Produktionsstandards Schlüsselfrage für WTO

"In der EU nach hohen Standards und aufwendigen Methoden zu produzieren, ist für die europäischen Landwirte eine Schlüsselfrage im internationalen Wettbewerb, verweist Pesonen in dem AIZ-Interview auf die parallel laufenden Bemühungen, in der so genannten Doha-Entwicklungsrunde der Welthandelsorganisation WTO den internationalen Handel mit Agrargütern weitestgehend zu liberalisieren. Wir haben keine Angst vor dem Welthandel, aber Angst vor ungleichen Standards, lautet daher die Position der europäischen Landwirtschaft. Strikte Produktionsauflagen in Bezug auf Umwelt, Tierschutz oder Soziales wie in der EU sollen daher als sogenannte trade concerns, das heißt Kriterien für die Handelbarkeit von Produkten, anerkannt werden. Das ist fair und die Lösung für das Problem eines verzerrten Wettbewerbs."Das ganze Interview und Information zur Person unter www.aiz.info

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