Hunderte Bauern betroffen

Corona-Schikanen an der Grenze Plus

Viele Bauern, die in den östlichen Nachbarländern Flächen bewirtschaften, haben aktuell immer noch unter Schikanen an den Grenzen zu leiden. Wir haben uns drei Beispiele an den Grenzen zu Tschechien, der Slowakei und Ungarn vor Ort angeschaut und die Bauern befragt, was jetzt passieren muss.

Grenze

Wir hier an der österreichisch-ungarischen Grenze sind die vielen "Grünen Übergänge" mit Betonsperren dicht gemacht worden. (Bildquelle: Altmann)

Mitte Mai öffneten die ersten Grenzübergänge von Oberösterreich nach Deutschland. Mit 15. Juni sollen dann alle Übergänge zu den Nachbarn geöffnet werden. Ähnliches gilt für die Schweiz und Liechtenstein. Slowenien eiert hier hin und her. Zunächst hob das Land mit 15. Mai seine Coronavirus-Einreisebeschränkungen auf. Mit dem 17. Mai abends zog man die Grenzöffnung wieder zurück.

Öffnungen angekündigt, Umsetzung fehlt

Und es gibt auch Länder, wo es nach wie vor Beschränkungen gibt, von denen Landwirte, die dort Flächen besitzen, zum Teil sehr betroffen sind. Neben Italien zählen dazu auch Tschechien, die Slowakei und Ungarn. Es deutete sich zwar an, dass auch die tschechischen Grenzen zu Österreich wieder geöffnet werden sollten. Diese Hoffnung äußerte der tschechische Premier Andrej Babis. Doch zumindest bis heute gab es hier noch kein grünes Licht. Und die von uns stellvertretend besuchten drei Landwirte waren einigen Schikanen ausgesetzt.

Wir beginnen unsere Reise an der Grenze zu Tschechien in Pottenhofen am Gut Stutenhof bei Michael Piatti-Fünfkirchen. Dann fahren wir weiter zu Josef Heymann nach Dörfles, der hier und in der angrenzenden Slowakei Flächen besitzt. Und schließlich besuchen wir noch Martin Öhler in St. Andrä am Zicksee. Er bewirtschaftet neben den Flächen in seiner Heimatgemeinde auch welche in Ungarn.

„Wir bitten Regierung um tatkräftige Hilfe“

„Die Regierung hat doch zu Beginn der Coronakrise allen ihre tatkräftige Hilfe angeboten“, so Michael Piatti-Fünfkirchen. „Wir würden diese dringend benötigen. Stattdessen sind wir durch die Grenzschließungen zu Tschechien seit Wochen von sinnentleerten Bedingungen bedroht.“ Worum gehts? Wie viele andere österreichische Betriebe auch, bewirtschaftet die Familie Piatti-Fünfkirchen aus Pottenhofen landwirtschaftliche Flächen im direkt an ihren Biobetrieb angrenzenden Tschechien. Anfang der 90er Jahre sei es auf Initiative des damaligen stellvertretenden Landwirtschaftsministers Richard Bartak problemlos möglich gewesen, Ackerflächen zu kaufen bzw. zu pachten.

So konnte Piatti ehemalige Familienfelder wieder erwerben, die meist direkt an die vorhandenen in Österreich grenzen. Seit dem EU-Beitritt Tschechiens im Mai 2004 ist die Bewirtschaftung der dortigen Flächen laut Piatti-Fünfkirchen mit keinerlei Komplikationen mehr verbunden gewesen. „Es herrschte freier Handel, freie Fahrt sowie freie Niederlassung und alle Betriebe dies- und jenseits der Grenze haben davon profitiert“, so der Biobauer.

Er ist ein glühender Verfechter der EU, zeigt dies auch mit einer auf den Getreidesilos gehissten Europafahne. In den Silos wird der Großteil der geernteten Bioprodukte eingelagert. Mit dem Ausbruch der Coronakrise Mitte März war für Piatti-Fünfkirchen plötzlich alles anders in punkto Bewirtschaftung der tschechischen Flächen. „Zunächst war es der nördliche Nachbar, der die Grenzen zusperrte und wir damit nicht mehr zu unseren Flächen fahren konnten“, so Piatti-Fünkirchen. „Wir haben daraufhin im Ministerium auf unsere Problematik hingewiesen.

Ergebnis war eine Ausnahme in der Verordnung, wonach Traktoren aus Österreich mit Kasterauszug der Flächen nach Tschechien hinüberfahren...

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