Diesel: Großmengen bis zu 20 Ct/l teurer als Tankstellenpreis

Bauern und Spediteure klagen über Probleme mit der Treibstoffversorgung. Sie müssen selbst bei hohen Abnahmemengen teilweise empfindlich mehr zahlen als an den Zapfsäulen. Derzeit wird ein Großmengenpreis bezahlt, der im Verhältnis zum  Tankstellenpreis um bis zu 20 Cent pro Liter höher ist, als zu Zeiten normaler Versorgung,  so der Präsident der LK Niederösterreich Hermann Schultes in einer Aussendung. Zudem würden die bestellten Mengenwünsche nur teilweise erfüllt und die Lieferzeiten entsprächen nicht den Erfordernissen des aktuellen Bedarfes für Herbsternte bzw. -anbau.

Wegen der zuletzt deutlich gefallenen Heizölpreise falle ein sprunghafter Nachfrageanstieg bei Verbrauchern im Oktober mit dem Umstieg auf Winterdiesel und einem durch die Herbstarbeiten bedingten höheren Dieselverbrauch in der Landwirtschaft zusammen. Es verwundert allerdings doch sehr, dass die heimischeMineralölindustrie von dieser Situation überrascht zu sein scheint. Ist man wirklich davon ausgegangen, dass die Haushalte heuer nicht heizen werden?, fragt Schultes. Die Rechnung dafür zahlen offensichtlich die Bauern. Just jener Zeit, wo durch  Maisdrusch und Rübenernte in kurzer Zeit mehr Diesel benötigt wird, werden Liefermengen gekürzt. Die Preise dafür liegen selbst bei Bezug von mehreren Tausend Litern empfindlich über jenen an den Tankstellen. Der Mineralölindustrie ist offensichtlich die Aufregung bei Frächtern und Bauern lieber als jene der breiten Öffentlichkeit an der Tankstelle. Jene, die auf Dieseltreibstoff als Betriebsmittel angewiesen sind, werden bewusst zur Kasse gebeten. Offenkundig wird momentan aber die Verknappung zur Profitsteigerung genützt: Diesel wird auch in Form von Heizöl zurzeit netto teurer verkauft, als es den Tankstellen zur Verfügung gestellt wird, kritisiert der LK-Präsident.

Öffnung der Pflichtnotstandsreserve notwendig

Diese Situation sei aber nicht neu. Als Folge des ersten Erdölschocks Anfang der 70er sei die so genannte Erdöllagergesellschaft (ELG) gegründet worden. Deren Aufgabe sei es unter anderem, die Sicherheit der Energieversorgung Österreichs zu gewährleisten. Für Krisenfälle würden Lagerbestände bevorratet, die eine Versorgung mit Erdöl und Erdölprodukten bis zu 90 Tage sicherstellen sollen (Pflichtnotstandsreserven)."Wir verlangen die rasche Bereitstellung von ausreichend Diesel. Weil kurzfristig nichts anderes möglich ist, wäre die Öffnung der Pflichtnotstandsreserve notwendig.  Maßnahmen zur Preisdämpfung sind ebenso dringend erforderlich, unterstreicht Schultes. Gerade in einer derartigen Situation wird klar, wie richtig und notwendig es ist, die Abhängigkeit von Erdöl und der Erdölindustrie zu reduzieren. Trotz hoher und gestiegener Preise für fossile Heizmaterialien ist die Versorgung mit Pellets aus der heimischen Forstindustrie gesichert, die Preise sind in Relation zu Heizöl oderGas sehr günstig. Es zeigt sich aber auch, wie dringend notwendig vor allem im Treibstoffsektor eine gewisse Eigenversorgung aus nachwachsenden Quellen ist, so Schultes.


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