Salzburg

Direktvermarktung: Kosten für Biokontrollen verdoppelt

Die Bio-Zertifizierungsstelle SLK (Salzburger Landwirtschaftliche Kontrolle GmbH) wechselte von einem Pauschalsystem auf ein Gebührensystem, für die Biobauern mit Direktvermarktung gibt es enorme Preissteigerungen. Die Kontrollstelle argumentiert mit steigendem Aufwand.

Die Teuerung bei Betriebsmitteln und Rohstoffen ist auch in der Landwirtschaft zu spüren. Viele Biobauern mit Direktvermarktung staunten in Salzburg über die Abrechnung ihrer Bio-Kontrolle bei SLK. "Index-Anpassungen sind wir gewöhnt, aber heuer haben wir mehr als das Doppelte für die Kontrolle bezahlt", schildert Biobäuerin Angelika Leitner-Eisl vom Stranzenhof in Thalgau. Die Stunden, die der Prüfer am Betrieb ist, sind seit 1993 gleich, meint die Landwirtin, doch von rund 350 Euro stieg die Gebühr auf mehr als 700 Euro.

Grund ist die Umstellung der Abrechnung der SLK, die Prüfstelle gehört mehrheitlich der Landwirtschaftskammer Salzburg. Bisher wurden Direktvermarkter pauschal verrechnet, seit dem Vorjahr gibt es eine neue Preisliste und je nach Produktgruppen und Aufwand wird der Preis berechnet.

Zertifizierungsstelle hat mehr Aufwand

Der Stundensatz beträgt laut SLK-Preisliste 83 Euro netto. Bei den Direktvermarktern gibt es Zuschläge von 0,75 Stunden für drei bis fünf beantragte Produktgruppen, 1,5 Stunden für sechs bis zehn und 2,5 Stunden, sprich 207,5 Euro, für elf und mehr Produktgruppen. Betriebe mit gewerblicher Direktvermarktung müssen einen eigenen Kontrollvertrag abschließen, hier gelten die Zertifizierungskosten für Gewerbetreibende. "Durch die Vorgaben der Bio-Verordnung und auch durch die Akkreditierungsstelle sowie durch die EU-Qualitätsregelungen-Durchführungsgesetz zusätzliche Anforderungen umgesetzt werden müssen", erklärt SLK-Geschäftsführer Hubert Schilchegger. Der Preis ist gestaffelt nach dem Aufwand und die Prüfungen dauern immer länger.

"Wir sind ein kleiner idealistischer Betrieb und haben viele Produktgruppen von Eiern über getrocknete Champignons bis hin zu Marmeladen, wir könnten das Sortiment verkleinern, um weniger zu bezahlen", sagt Leitner-Eisl. Doch die Vielfalt im Bauernladen soll bleiben. Sie hat sich bereits Angebote von alternativen Bio-Kontrollstellen eingeholt, "wir überlegen ob wir wechseln", sagt die Biobäuerin. Mit einem großen Kundenschwund rechnet man bei der SLK nicht. "Wir haben schon die eine oder andere Diskussion geführt, es kann auch sein, dass einige die Kontrollstelle wechseln, die Ersparnis wird aber, wenn überhaupt sicher nicht so wahnsinnig groß sein", meint Schilchegger.

Bio Austria befürchtet, dass durch die Preiserhöhung viele Betriebe auf die Zertifizierung von einigen Produkten verzichten könnten. "So wird das Angebot verwässert", sagt Bio Austria Geschäftsführer von Salzburg Andreas Schwaighofer. Günter Kronberger Chef des Salzburger Direktvermarktervereins und Geschäftsführer des Salzburger Agrarmarketings kennt das Problem: "Es wird von vielen über die Kosten gejammert, wir müssen uns das genau anschauen." Demnächst wird es ein Gespräch zwischen Kontrollstelle, Direktvermarkterverein und Landwirtschaftskammer geben.

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