Tirol

Direktvermarktung wird forciert

Direktvermarktung liegt im Trend. Die Coronakrise hat diese Entwicklung noch einmal beschleunigt, weshalb die LK Tirol das Thema als Jahresschwerpunkt für 2021 gewählt hat. Ein Beispiel ist der Betrieb Kammerlander.

Regionale Lebensmittel gewinnen seit einigen Jahren an Bedeutung. Die Coronakrise hat das noch einmal verstärkt, wie auch eine aktuelle AMA-Studie bestätigt: für zwei Drittel der Befragten hat heimische und regionale Herkunft als Einkaufskriterium im letzten Jahr an Bedeutung gewonnen.

Dieser Trend kommt der Landwirtschaft insgesamt, der Direktvermarktung jedoch im Besonderen zugute. „Immer mehr Betriebe haben Interesse, neue Vermarktungswege zu beschreiten. Um dem gerecht zu werden, widmen wir uns als Landwirtschaftskammer heuer dem großen Themenfeld Direktvermarktung. Neben einem verstärkten Beratungsangebot wollen wir mit Best-Practice-Beispielen aufzeigen, welche individuellen Möglichkeiten sich auf den Betrieben bieten“, erklärt LK-Präsident Josef Hechenberger.

Von der Schafkäserei zur Dorfkäserei

Ein Beispiel ist das von Renate und Johannes Kammerlander vom Oberfasserhof. Als sie den Betrieb übernommen haben, stand für sie fest, dass sie von der Landwirtschaft auch leben wollten: „Ursprünglich war das ein klassischer Nebenerwerbsbetrieb mit Rindern. Wir haben dann auf Milchschafe umgestellt, weil sich das zur Bewirtschaftung unserer steilen Flächen angeboten hat.

Außerdem kann ich als gelernter Käsemeister die Milch veredeln und wir können mit diesem Nischenprodukt eine größere Wertschöpfung erzielen“, erklärt Johannes Kammerlander. Der Einstieg war mit einigen Unsicherheiten und Investitionen verbunden, erinnert sich Renate Kammerlander: „Als wir vor zehn Jahren gestartet haben, gab es noch nicht so viele Schafmilchprodukte und wir wussten nicht, ob diese auch von den Konsumenten angenommen werden.“

Der mutige Schritt der Familie hat sich ausgezahlt. Ihre Schafmilchprodukte sind mittlerweile u. a. in Gastronomiebetrieben und Lebensmittelgeschäften rund um die hohe Salve zu finden. „Von Anfang an beliefern durften wir auch die Sennerei in Westendorf. Da der Käser dort heuer in Pension gegangen ist, haben wir uns entschlossen, nun diese Sennerei weiter zu führen. Dafür verarbeiten wir jetzt auch Kuhmilch unserer Nachbarbauern“, schildern Renate und Johannes ihren Schritt von der Schafkäserei zur Dorfkäserei.

Vielseitigkeit ist gefragt

Gerade der Einstieg in die Direktvermarktung ist für viele eine große Hürde, da viele Aspekte zu beachten sind: „In der Landwirtschaft muss man extrem vielseitiges Wissen vorweisen und sich in unterschiedlichen Themengebieten auskennen. Das geht vom Pflanzenschutz über Veterinärmedizin bis hin zu Marketing und Steuerwesen. Bei der Direktvermarktung kommt da noch einiges dazu, weshalb es wichtig ist, für die Interessierten Anlaufstellen zu bieten, wo viele Fragen beantwortet werden können. Denn in der Direktvermarktung gibt es keinen Probelauf, da muss einfach alles passen“, ergänzt LK-Vizepräsidentin und Landesbäuerin Helga Brunschmid.

Was alles hinter der Herstellung von bäuerlichen Lebensmitteln steckt, muss den Konsumentinnen und Konsumenten auch vermittelt werden. Eine Aufgabe, die vor allem die Funktionärinnen der Tiroler Bäuerinnenorganisation übernehmen, wie die stellvertretende Bezirksbäuerin Maria Burgmann unterstreicht: „Wir Bäuerinnen sehen uns als Botschafterinnen für unsere Lebensmittel. Im Gespräch mit KonsumentInnen, bei Vorträgen an Schulen, bei Veranstaltungen usw., versuchen wir den Zusammenhang zwischen unserer Arbeit am Hof und den Lebensmitteln wiederherzustellen. Man kann es nämlich nicht oft genug betonen, nur wer weiß wie und wo seine Lebensmittel produziert werden, kann auch eine bewusste Kaufentscheidung treffen. Schön zu sehen im Austausch mit der Bevölkerung ist, dass die Menschen sehr aufgeschlossen und dankbar für den Einblick in unsere Arbeit sind.“

Chance für junge Betriebsführerfamilien

„Unser Bezirk ist stark touristisch geprägt. Dementsprechend ist auch für die Landwirtschaft die Zusammenarbeit mit dieser Branche wichtig. Gerade in der Coronazeit hat sich aber auch gezeigt, dass wir auf die heimische Bevölkerung zählen können – der Zuspruch und der Rückhalt aus der Bevölkerung waren enorm. Aber auch die landwirtschaftlichen Betriebe haben mit innovativen Ideen ihre Anpassungsfähigkeit bewiesen. Generell lässt sich beobachten, dass gerade junge HofübernehmerInnen in der Direktvermarktung eine Zukunft sehen und sich dieses anspruchsvolle Betätigungsfeld auch zutrauen. Das spürt man sowohl bei der vielseitigen Produktpalette als auch bei den Vermarktungswegen“, führt Bezirksobmann Josef Fuchs aus.