Aktuelles Interview

Entnahme muss bei Rissen möglich sein

Nach den Wolfsangriffen in Serfaus will die LK Tirol mit einer Petition den Schutzstatus des Wolfes senken.

Hechenberger

Josef Hechenberger, LK-Präsident Tirol (Bildquelle: Die Fotografen)

Was passiert nun mit Ihrer Petition?

Hechenberger: Am 1. Juli wird die Petition im Ausschuss für Petitionen und Bürgerinitiativen behandelt. Zuerst werden wir umfangreiche Stellungnahmen bei verschiedenen Ministerien und NGOs einholen. Hier bekommen wir dann genaue Antworten auf unsere Forderungen. Nach einer umfangreichen Behandlung im Ausschuss wird die Petition im Plenum diskutiert.

In der Petition fordern Sie, dass Tirol zur wolfsfeien Zone definiert wird. Was würde das für durchziehende Wölfe bedeuten?

Hechenberger: Wölfe sind grundsätzlich scheu und legen in kurzer Zeit weite Strecken zurück. Insofern wird nicht jeder Wolf auffallen. Wenn allerdings Risse bekannt sind, muss eine Entnahme möglich sein.

Was sagen Sie zum Urteil im Salzburger Pongau, einen Problemwolf entnehmen zu können?

Hechenberger: Die Entscheidung wurde aufgrund des Salzburger Managementplans getroffen und findet natürlich auch in Tirol große Beachtung. Wir begrüßen die klaren Regeln, allerdings darf es nicht ein Jahr dauern, bis so eine Entscheidung gefällt ist.

Der Wolf ist nicht gefährdet. Warum ist es so schwer, den Schutzstatus zu senken?

Hechenberger: Die Mühlen in Brüssel mahlen langsam, das zeigt sich in den verschiedensten Bereichen. Die FFH-Richtlinie ist jetzt knapp 30 Jahre alt, angesichts der Populationszahl und gravierenden Probleme in vielen Ländern ist es an der Zeit, die Frage zu stellen, ob der hohe Schutzstatus noch zeitgemäß ist. Der Wolf hat keine natürlichen Feinde und bei einer jährlichen Vermehrungsrate von 30 % will ich mir gar nicht ausmalen, was wir für eine Situation haben, wenn Tiere nicht gezielt entnommen werden dürfen.

Die Bevölkerung ist zumindest zur Hälfte gegen die Ansiedelung des Wolfes wie eine aktuelle Umfrage des Kuriers zeigt. Woran liegt es dann, dass der WWF und Co. eine so viel stärkere Lobby haben als die Landwirtschaft?

Hechenberger: Der Meinung des WWF können vor allem jene Personen etwas abgewinnen, die weit weg vom Problem sind. Deshalb haben wir in ländlichen Gegenden eine andere Wahrnehmung als in den Städten. Auch die Landwirtschaft hat sich stark positioniert. Wir können unsere Ansichten gemeinsam ebenso gut transportieren. Schließlich muss uns das auch gelingen, sonst ist der Erhalt der kleinstrukturierten Land- und Almwirtschaft gefährdet.


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