Almbewirtschaftung

Erneut Wanderer-Zwischenfälle in Tirol

Die Almen sind kein Spielplatz, doch manche lernen es nie: Trotz Warnschilder überquerten deutsche Wanderer eine eingezäunte Almwiese im Bezirk Reutte und wurden prompt von aufgescheuten Rindern angegriffen. Es gab zwei ernste Zwischenfälle mit mehreren Verletzten.

Eine Tiroler Mutterkuh verteidigte ihr Kalb gegen „eindringende Urlauber“. Kurz darauf stießen mehrere Kälber eine Kleinkind um. (Bildquelle: pixabay.com)

Am Freitag kurz nach Mittag wurde eine 37-jährige Deutsche am Vilsalpsee in Tannheim von einer Mutterkuh frontal attackiert, berichtet der ORF Tirol. Das Tier nahm Anlauf, stieß die Frau mit dem Kopf um und verletzte sie auch mit den Hufen. Sie wurde in eine Allgäuer Klinik geflogen.

Eine Stunde später passierte auf derselben Kuhweide ein weiterer Vorfall. Ein Mädchen und seine Familie, Tagesausflügler aus Bayern, waren auf demselben Wanderweg unterwegs. Plötzlich begannen vier Kälber auf das vierjährige Kind zuzulaufen und stießen es um. Das Kind wurde in das Krankenhaus nach Reutte gebracht. Auch ein 48-jähriger Mann wurde umgestoßen und leicht verletzt, so die Polizei in ihrer Aussendung.

Schilder und Zaun warnten vor Gefahr

Auf besagter Weide grasen seit wenigen Tagen 44 Rinder, darunter 15 Kälber. Sie sollen bis zum 23. Juni bleiben, bevor sie den Sommer über auf die Hochalm getrieben werden. Die Tiere gehören laut Polizei verschiedenen Bauern aus der Region, aber auch aus dem Inntal. Die Kuh, die die Frau attackiert hat, ist zehn Jahre alt, und gehört einem Bauern aus dem Bezirk Innsbruck Land, so ein ermittelnder Polizist der Polizeiinspektion Gain gegenüber dem ORF Tirol. Das zehnjährige Rind habe demnach schon viele Sommer auf dieser Weide und anschließend auf der Alm verbracht.

Die Weide ist eingezäunt und zwei Schilder weisen auf die Gefahr von Mutterkühen hin. Die deutschen Familien habtten keinen Hund mit dabei. Allerdings seien schon den ganzen Tag über wegen des herrlichen Wetters hunderte Wanderer an der Kuhherde vorbeigegangen, so der Almobmann: „Das war ein Wahnsinn. Die Gäste sind durch die Viehherde gelaufen, ohne Rücksicht auf Verluste. Wir haben das nicht verhindern können.“

Hunderte Wanderer seien an den Kühen vorbei gegangen. Viele haben sich mit den Kühen fotografiert, die Kälber gestreichelt. „Ich kann den Tieren keine Schuld geben. Die Leute handeln für mich unverständlich. Außerdem ist momentan der Wanderweg wegen des Wasserstands des Vilsalpsees überschwemmt. Und deswegen sind die Gäste über den Weidboden gelaufen. Und ich meine, dass die Kuh nichts anderes gemacht hat, als ihr Kalb zu schützen. Und dass die ein oder andere Kuh mal auszuckt, ist für mich verständlich“, so Almmeister und Biobauer Ludwig Lochbihler.

Neue Spielregeln auf den Almen

Bei den aktuellen beiden Zwischenfällen kommen schon die neuen „Alm-Spielregeln“ zum Tragen. Denn nach dem mittlerweile rechtskräftig gewordenen „Tiroler Kuhurteil“, in dem die Richter der getöteten deutschen Urlauberin eine 50%-ige Mitschuld zubilligten, wurde die Rechtslage im ABGB (Allgemeines Bürgerliches Gesetz-Buch) adaptiert.

Insbesondere wurde die bisherige alleinige Tierhalterhaftung durch neue Wandererpflichten ergänzt. Zudem wurden neue Verhaltensregeln ausgearbeitet und publiziert.

ZUSATZINFO

Hier finden Sie den top agrar Österreich-Kommentar zum rechtskräftigen „Tiroler Kuh-Urteil“.


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