Bioforschung

FiBL stark in Oberösterreich engagiert

Das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) ist eine der weltweit führenden Forschungseinrichtungen im Bereich der biologischen Landwirtschaft. Neben der österreichischen Dependance in Wien wird mit Unterstützung des Landes Oberösterreich ein Forschungsstandort in Schlägl, das Biokompetenzzentrum, unterhalten.

PK

Geballtes Bio-Knowhow stelltr sich in Linz der Presse (von links nach rechts): FiBL Österreich-Geschäftsführer Andreas Kranzler, FiBL Schweiz-Direktor Prof. Dr. Urs Niggli, Landesrat Max Hiegelsberger und Bio Austria-Landesobmann Franz Waldenberger. (Bildquelle: Land OÖ)

"Die Arbeit der Forschungsinstitute FiBL Österreich und Schweiz zielt darauf ab, unsere biologischen Betriebe für zukünftige Herausforderungen zu wappnen. Auch in der biologischen Landwirtschaft gibt es großes Potenzial, beispielsweise für technische Innovationen, Digitalisierung und Züchtung", lobte der OÖ Agrarlandesrat Max Hiegelsberger die Kooperation mit FiBL.

Wissen und zukunftsfitte Lösungen durch Kooperation

"In der biologischen Landwirtschaft sind es oft die Bäuerinnen und Bauern selbst, die aufgrund von Innovationsfreude oder Notwendigkeit Neues ausprobieren. In Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, der bäuerlichen Interessenvertretung und Beratern kann das aus Versuchen gewonnene Wissen geprüft und schließlich verbreitet werden. So entstehen zukunftsfähige Lösungen im Bio-Landbau", so Andreas Kranzler von FiBL Österreich.

Als Beispiel führte der FiBL-Geschäftsführer das gemeinsam mit der Bioschule Schlägl gegründete Biokompetenzzentrum Schlägl an. Das vom Land OÖ geförderte Kooperationsprojekt hat die Verknüpfung von Wissenschaft, Schule und Praxis als wesentliches Ziel definiert. Auf pflanzenbaulichen Versuchsflächen von Partnerbetrieben im Mühlviertel werden offene Forschungsfragen beantwortet und bei Veranstaltungen den Praktikern vorgestellt.

Aktuelle FiBL-Projekte mit Oberösterreich-Bezug

Mit der Erhaltungszüchtung des "Schlägler Roggen" widmet sich das Biokompetenzzentrum gemeinsam mit dem Stift Schlägl und der Saatbau Linz der Erhaltung der ältesten im österreichischen Zuchtbuch eingetragenen Getreidesorte. Beim Projekt "Mühlviertler Braugerste" entwickelte man gemeinsam mit der Brauerei Hofstetten Biersorten aus alten Getreidearten sowie Braugerstensorten aus regionalem Anbau.

Im Innovationsprojekt "Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung durch abgestuften Wiesenbau" erforschten zehn Modellbetriebe in Oberösterreich die praktische Umsetzung dieser Methode der differenzierten Bewirtschaftung. Die biologischen und konventionellen Betriebe wurden dabei laufend fachlich begleitet, die gewonnenen Erkenntnisse sind in einem Handbuch zugänglich.

Die Modellbetriebe im Mühlviertel tragen auch etwas zum österreichweiten Bildungsprojekt "Bionet" bei. Bei der "Bionet"-Gemüsetagung am 27. Februar 2020 in Linz wird "Market Gardening" vor der Vorhang geholt. Bei dieser Form des kleinstrukturierten Gemüsebaus werden mithilfe von ausgefeilten Techniken, innovativen Werkzeugen und exakter Planung auf kleinsten Flächen beeindruckende Erträge erwirtschaftet.

Das FiBL hat auch ein Projekt im Bereich "Agroforst" gestartet. Es geht dabei um eine Kombination von Ackerbau und Gehölz auf einer Fläche. Weiterbildung und Wissensvermittlung werden auch im Projekt zur Förderung von Wildbienen und anderen bestäubenden Insekten großgeschrieben. In der HBLA St. Florian wurden für Lehrer, Schüler und Praktiker Schauflächen von Blühstreifen angelegt.

Klimawandel als Herausforderung für alle

Neben Umweltthemen und Tierwohl - zwei Kernkompetenzen des Bio-Landbaus - gerät aktuell die stark steigende Nachfrage nach Lebensmitteln in den Vordergrund. Gemäß dem Basisszenario der FAO für 2050 tut sich ein Defizit von 50% bei der Lebensmittelmenge auf. "In diesem Zusammenhang mauern sich viele in ihren Positionen ein und sagen einerseits, dass nur der Bio-Landbau die Welt ernähren könne. Andere beharren darauf, dass nur die Gentechnik die Ernährung der zukünftig zehn Milliarden Menschen sicherstellt. Beide Extrempositionen sind falsch, angesichts des Klimawandels müssen vollständig neue Lösungen gefunden werden", stellte Prof. Urs Niggli, Direktor von FiBL Schweiz, fest.

"Um diese Herausforderungen zu meistern, braucht auch der Bio-Landbau mehr Innovation. Die Pflanzenzüchtung ist dabei ein wichtiger Schlüssel. Die traditionelle Kreuzungszüchtung hat noch Potenzial, um Pflanzen resistenter gegen Schaderreger zu machen und mehr Ertrag aus der Bodenfruchtbarkeit zu holen. Es müssen auch lange vergessene Nahrungspflanzen sowie Kleearten züchterisch bearbeitet werden", so Niggli.

Auch der biologische Pflanzenschutz müsse modernisiert werden. Hier sollte sich neben der Forschung auch die Industrie engagieren. Gerade in der Präzisionslandwirtschaft und der Digitalisierung liege für den Bio-Landbau noch ein großes Potenzial brach. In der Düngung gebe es noch Verbesserungsmöglichkeiten, um die Nährstoffkreisläufe zu schließen, so der Experte. Generell gehe es darum, die jahrhundertealte, in der Landwirtschaft weitergegebene Erfahrung ebenso zu nutzen wie das explodierende Wissen aus der Forschung, sagte Dir. Niggli.

Schon seit 2008 arbeitet das FiBL-Team an Treibhausgasbilanzierungen im Lebensmittelbereich.


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