GAP-Neu: Weg mit der Flächenprämie?

Im EU-Wahlkampf ist eine Diskussion über die Agrarförderungen entbrannt. TV-Köchin Sarah Wiener, die für die Grünen bei der EU-Wahl antritt, fordert, dass die Subventionen abgeschafft werden. Die ÖVP übt scharfe Kritik.

Sarah Wiener, die Listenzweite der Grünen für die EU-Wahl, fordert das Aus der EU-Flächenprämien. (Bildquelle: Grüne)

Seit 2015 ist die bekannte Fernsehköchin Sarah Wiener, die als Listenzweite für die Grünen bei der EU-Wahl antritt, mit 20 Prozent am 800 ha großen Gut Kerkow im deutschen Bundesland Brandenburg beteiligt. Im Vorjahr bekam der Großbetrieb, der auf Rinderzucht spezialisiert ist, 317.000 € an EU-Geldern.

Wiener gegen Flächenprämien

Einen Widerspruch zu ihrer aufgestellten Forderung, Agrarsubventionen abzuschaffen, sieht Wiener nicht. „Wir haben eine Landwirtschaft, wo man einfach Fläche subventioniert“, so die Grüne Listenzweite gegenüber dem ORF-Radio. „Jeder Hektar wird subventioniert, egal was du da machst und wer es hat und ob er überhaupt Landwirt ist. Und natürlich bin ich dagegen.“

Wiener tritt dafür ein, die EU-Flächenprämien zu streichen und stattdessen das zu fördern, was der Natur und der Gesellschaft guttue. „Wir könnten die Förderungen umschichten für eine Landwirtschaft, die die Biodiversität stärkt, die das Tierwohl stärkt, die bodengebundene Tierhaltung fördert. Also nur noch so viele Tiere auf seinem eigenen Grund zu halten, wie man hat – das, was wir machen"

Umsetzung der Forderung brächte Arbeitslose

Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf (ÖVP) übte scharfe Kritik an Wiener. „Ich bin entsetzt über diese Forderung. Das würde unsere 40.000 Familienbetriebe in der Existenz bedrohen. Das würde Millionen von Arbeitsplätze im Bereich der Landwirtschaft im ländlichen Raum in ganz Europa vernichten. Das kann nicht der richtige Weg sein“, so Pernkopf gegenüber dem ORF.

Der Großbetrieb, an dem Wiener beteiligt ist, befindet sich seit der Übernahme in Sanierung. Im Vorjahr wurde trotz der EU-Hilfe von mehr als 300.000 € ein Verlust von 200.000 € erwirtschaftet. „Das ist nicht das Modell der Landwirtschaft in Niederösterreich. Bei uns gibt es weniger als 0,05 Prozent der Betriebe, die so viel Geld bekommen“, so Pernkopf. Man könne gerne über Kürzungen für Großbetriebe in Deutschland reden. Was eine Umschichtung der Förderung betrifft, so verweist Pernkopf darauf, dass der Bio-Anteil in Österreich doppelt so hoch istwie in Deutschland.

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von Johann Rath

Grüne Europapolitik zeigt uns wie Landwirtschaft funktioniert!

Jetzt zeigt uns Sarah Wiener wie Europapolitik gemacht wird. Wahrscheinlich hat sie jetzt die Lösung, wo sich so manche Agrarpolitiker den Kopf zerbrachen. Bin mir aber nicht sicher welchen Schulabschluss sie hat. Denn wenn man die Ausgleichszahlungen vom landwirtschaftlichen Einkommen wegrechnet bleibt natürlich ein dickes Minus. Dass damit keine Landwirtschaft in Europa betrieben werden kann und die ländliche Infrastruktur ebenfalls einen Kahlschlag erfährt, braucht man keine höher bildende Schule zu absolvieren. Nur zur Erinnerung: Die Ausgleichszahlungen wurden 1995 beim EU-Beitritt von Österreich ausgehandelt um den Erzeugerpreis in der Landwirtschaft aufzufangen. Der damals beim Beitritt auf Weltmarktniveau gefallen ist. (Bitte nur zur Erinnerung für jene dies nicht mehr wissen!) Also liebe Frau Sarah Wiener, mit Ihren 20 prozentigen Anteil bei einen 800ha Biobetrieb bleibt vielleicht etwas über. Aber dann machen sie das Rechenbeispiel mit einen 50ha Betrieb (durchschnittlicher Familienbetrieb in Österreich, mein Betrieb hat leider nur 20ha!). Egal ob Bio oder konventionell, ohne Ausgleichszahlungen haben sie das Nachsehen. Darum mein Tipp: Lassen Sie bitte die Europapolitik und bleiben Sie in der Küchenpolitik! Schmeckt vielleicht besser.

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