Geflügel: Bei 75 % der Fertigprodukte wird Herkunft verheimlicht

Bei 75% der Fertigprodukte mit Geflügelfleisch wird den Konsumenten die Fleischherkunft verheimlicht. Dieses erschreckende Ergebniss brachte ein Anfang September von der Lk Steiermark durchgeführter Check in steirischen Supermärkten mit insgesamt 114 untersuchten Fertig- und Halbfertigprodukten zu Tage.

Store-Check der Landwirtschaftskammer zeigt: Großes Manko Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln mit Geflügelfleisch. Vizepräsidentin Maria Pein (mitte), Dieter Lugitsch (l.) und Markus LUKAS (rechts). (Bildquelle: LK/Foto Fischer)

"Geplante internationale Handelsabkommen, insbesondere mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten, werden die heimischen Märkte mit Billiggeflügel aus fragwürdigen Haltungen mit niedrigeren Standards fluten. Auch der drohende Brexit lässt erheblichen Preisdruck erwarten", ist Maria Pein, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer (LK) Steiermark, sehr besorgt. Für sie steht fest: "Wir lehnen derartige wettbewerbsverzerrende Freihandelsabkommen auf Kosten unserer Bauern, unseres Klimas und der Umwelt entschieden ab."

"Wir brauchen keinen steirischen Backhendl-Salat aus Brasilien oder der Ukraine", macht die Vizepräsidentin auf ein eklatantes Manko bei der Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln mit Geflügel aufmerksam. Der von der LK erhobene brandaktuell durchgeführte Store-Check lässt jetzt schon die Alarmglocken schrillen. Bei 75% der Geflügelfleisch-Fertigprodukte werde den Konsumenten die Fleischherkunft verheimlicht - mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sei bei diesen Produkten anonymes, ausländisches Geflügel enthalten. "Und auf fast einem Fünftel dieser offensichtlich herkunftslosen Geflügelprodukte (18,9%) sind rot-weiß-rote Banner sowie Fähnchen (Zusatzangabe: Hergestellt in Österreich) und sogar rot-weiß-rote Herzen angebracht, obwohl höchstwahrscheinlich ausländisches Geflügel drinnen ist", so Pein weiter.

Herkunftsland auf ersten Blick eindeutig sichtbar machen

"Niemand will beim Einkaufen beschwindelt werden. Wir wollen die Konsumenten vor Irreführung und Täuschung schützen", sagt Markus Lukas, Geflügelbauer und Obmann der Österreichischen Geflügelgenossenschaft (GGÖ). Daher verlangt die Geflügelbranche einhellig, dass das tatsächliche Herkunftsland des Geflügelfleisches auf der Vorderseite der Verpackung groß und auf den ersten Blick eindeutig erkennbar angegeben wird. Für Österreich ist das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel, welches beste Qualität, Tierwohl, gentechnikfreie Fütterung sowie die heimische Herkunft (geboren, aufgewachsen und geschlachtet in Österreich) garantiert, die ideale Herkunftskennzeichnung. Eine verpflichtende Auslobung der Fleischherkunft ist auch bei Speisen in der Gemeinschaftsverpflegung notwendig, verlangt Lukas.

Kritik an Tiefstpreis-Aktionen mit ausländischem Geflügelfleisch

Auf scharfe Kritik stoßen die laufenden Tiefstpreis-Geflügelfleisch-Aktionen des Handels beim steirischen Geflügelfleisch-Verarbeiter Lugitsch. Dazu Geschäftsführer Dieter Lugitsch: "Wir kommen bei den Aktionen des Handels nicht mehr zum Zug. In großen Mengen bietet der Handel als Aktionsware Billiggeflügel aus Polen, Deutschland oder Ungarn an. Der Schaden für Bauern und Verarbeiter ist groß." Vom Gesetzgeber verlangt Lugitsch für die Konsumenten Wahlfreiheit bei der Herkunft und er rät den Verbrauchern, im Geschäft, im Gasthaus, in Restaurants sowie in Kantinen und Gemeinschaftspflegeeinrichtungen nach der Herkunft des Geflügelfleisches zu fragen. Gleichzeitig fordert er für die Branche eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Geflügelspeisen bei der Außer-Haus-Verpflegung. Lugitsch: "In einem heimischen Backhendl darf niemals Polen, Ungarn oder Ukraine drinnen sein."

"Zum Nachfragen, woher das Backhendl tatsächlich kommt" rät auch der Grazer Gastronom Albert Kriwetz, der das Restaurant Eckstein führt. Kriwetz: "Unsere Gäste gehen davon aus, dass im Backhendl Österreich drinnen ist. Doch das ist nicht überall so."

"Das Maishendl ist hinsichtlich Geschmack, Aufzucht, Haltung und Fütterung weltweit federführend", unterstreicht Rudolf Stückler von der Agrarmarkt Austria (AMA). Mehrwerte des heimischen Geflügelfleisches sind neben der Gentechnikfreiheit und seiner unverwechselbaren gelben Farbe auch das weltweit größte Platzangebot für die Tiere, tageslichtdurchflutete Ställe sowie die Haltung in verantwortungsvoller Bauernhand.

Hintergrund: Details zum Store-Check

Anfang September hat die LK Steiermark den Store-Check Geflügelfleisch durchgeführt. Unter die Herkunftslupe wurden insgesamt 163 Proben genommen, davon waren 49 Frischgeflügel-Proben und 114 Proben waren Fertig- und Halbfertigprodukte mit Geflügelfleisch wie Wurstwaren, Geflügelnuggets oder küchenfertiges, paniertes Geflügelfleisch, Geflügelburger, Pizzen oder fertige Salate mit Geflügelfleisch.

Bei den 114 untersuchten Fertig- und Halbfertigprodukten kommt der Löwenanteil des verwendeten Geflügelfleisches (75%) mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Ausland. Auf einem knappen Fünftel davon wehen sogar noch rot-weiß-rote Banner und Fähnchen oder rot-weiß-rote Herzen mit dem Zusatz "Hergestellt in Österreich", obwohl von ausländischem Geflügelfleisch auszugehen ist. Nur ein Viertel (25% bzw. 29 Proben) ist nachvollziehbar aus Österreich. Damit die Konsumenten Wahlfreiheit haben, verlangt die Landwirtschaftskammer eine auf den ersten Blick gut erkennbare Angabe des Herkunftslandes auf der Vorderseite der Verpackung. Gefordert wird auch eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Speisen der Gemeinschaftsverpflegung wie Kantinen, Mensen, Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen.

Frischgeflügel: Das Angebot an heimischem Frischgeflügel ist gut. Knapp drei Viertel (73,5%) der insgesamt 49 überprüften Frischgeflügelproben kommen aus Österreich. Ein Viertel (26,5%) sind ausländischer Provenienz. Die Store-Checker der Landwirtschaftskammer bemängeln allerdings, dass häufig zu viele Logos auf der Verpackung sind, das tatsächliche Herkunftsland ist erst nach einem prüfenden zweiten Blick zu finden. Wünschenswert ist, dass das Herkunftsland auf den ersten Blick gut zu erkennen ist.

Artikel geschrieben von

Torsten Altmann

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