Glyphosat-Entscheidung erneut vertagt

Sechs Wochen vor Ablauf der Zulassung von Glyphosat haben sich die EU-Staaten nicht auf eine gemeinsame Position einigen können. Bei einem Treffen von Vertretern der 28 Mitgliedsländer am Donnerstag in Brüssel kam nach Angaben aus EU-Kreisen keine Mehrheit für oder gegen die Neuzulassung in Europa zustande. Falls die EU-Staaten sich weiterhin nicht einigen können, müsste am Ende die EU-Kommission entscheiden.

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Die Europäische Kommission hat heute im Ständigen Ausschuss keinen mehrheitsfähigen Vorschlag zur Erneuerung der Genehmigung des Wirkstoffes Glyphosat vorgelegt. Den Experten der EU-Mitgliedstaaten und insbesondere Österreichs – vertreten durch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES – gingen die Risikomanagement-Maßnahmen nicht weit genug. Dazu zählen die rechtlichen Anwendungsbestimmungen zum Schutz von Anwendern, Konsumenten und Umwelt.

Den Anwender- und Konsumentenschutz sehen die Risikobewerter der AGES in den wesentlichen Punkten gewährleistet. Grundlage ist eine gemeinschaftliche wissenschaftliche Risikobewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die von den EU-Mitgliedstaaten geprüft und bestätigt wurde. Die österreichischen Forderungen zum Schutz der Umwelt und Vielfalt wurden jedoch von der Kommission nicht ausreichend berücksichtigt, teilt die AGES in einer Aussendung mit.

Global 2000: EU muss Glyphosat vom Markt nehmen

„Dass die Wiederzulassung von Glyphosat auch im zweiten Anlauf keine Mehrheit unter den EU-Mitgliedsstaaten fand, ist ein Erfolg für den Umwelt- und Verbraucherschutz und ein deutliches Signal an die EU-Kommission“, erklärt Helmut Burtscher, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000. „Wir erwarten nun, dass die EU nach dem Vorsorgeprinzip handelt und den Stoff vom europäischen Markt nimmt.“

IGP: Glyphosat ist unbedenklich

Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) sieht in der erneuten Vertagung eine Entscheidung gegen die Wissenschaft und für eine Verlängerung der absurden Kampagne gegen Glyphosat durch NGOs, so IGP-Obmann Christian Stockmar. Entsprechend dem Vorsorgeprinzip wurden allein für die Neuzulassung von Glyphosat über 1.000 Studien erstellt, um den Regularien, die eine wissenschaftliche Faktenbasis zum Nachweis der Unbedenklichkeit vorsehen, zu erfüllen. Die wissenschaftlichen Fakten belegen klar: Glyphosat ist bei sachgemäßer Anwendung für Mensch, Tier und Umwelt unbedenklich." Das bestätigen auch zahlreiche unabhängige Behörden wie

  • das Deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) im Renewal Assessment Report, der von zahlreichen Experten aus EU-Mitgliedsstaaten und Behörden einem Peer Review unterzogen wurde,
  • die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA),
  • die US-amerikanische Umweltbehörde (EPA),
  • die kanadische Bewertungsbehörde Pest Management Regulatory Agency (PMRA),
  • die australische Bewertungsbehörde APVMA
  • und nun das Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR).
"Angesichts dieser erdrückenden wissenschaftlichen Nachweise zur Unbedenklichkeit von Glyphosat ist es schwer nachvollziehbar, warum entsprechend der Regularien keine Entscheidung zur Verlängerung der Zulassung getroffen wurde, so Stockmar.

Lesen Sie hierzu auch:

Glyphosat-Zulassung: Rupprechter will an Forderungen Österreichs festhalten (19.5.2016)

Neuer WHO-Bericht: Glyphosat doch nicht krebserregend (17.5.2016)

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Weninger Lukas

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EU-Prüfer kritisiert "Almenchaos"

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