Molkereien

Hartes Match der VÖM mit dem LEH

Der Lebensmitteleinzelhandel stilisierte sich als Held in der Coronakrise hoch, verzeichnete Umsatzzuwächse und Gewinne. Dies auf Kosten so mancher Zulieferer. Vor allem die Molkereien begehren seit Monaten auf und fordern endlich faire Erzeugerpreise.

Die heimischen Molkereien fordern seit Monaten vom Lebensmitteleinzelhandel (LEH) dringende Preiserhöhungen für Milch und Milchprodukte ein. Laut Helmut Petschar, Geschäftsführer der Kärntnermilch und Präsident der Vereinigung österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) ist es nun "5 vor 12". Die Molkereien bräuchten über das gesamte Sortiment eine Preiserhöhung von 5 bis 6% – ansonsten drohen wohl wieder Bauernproteste.

LEH federte rasante Teuerungen bisher nicht ab

Petschar sprach gegenüber mehreren Medien von einer drastischen Entwicklung. Verpackungen für Käse seien zuletzt um 40% teurer geworden, weitere Verpackungsmaterialien um 20 bis 40% und Energiepreise um 30 bis 40% gestiegen. Gegenüber den Milcherzeugern habe man schon in Vorleistung gehen müssen und höhere Bauernmilchpreise akzeptiert, "um lieferfähig zu bleiben". Auch seien Kraftfutterpreise gestiegen. Petschar betonte jedoch, "wir können die Preise im Regal nicht beeinflussen, wir verhandeln mit dem Handel".

Weiters führte Petschar ins Treffen, die Molkereien und ihre bäuerlichen Lieferanten hätten den Handel über die gesamte Corona-Krise hinweg verlässlich beliefert. "Jetzt ist der Handel gefordert, er war der Krisengewinner", so der VÖM-Präsident. Auch DI Josef Braunshofer, Chef der Berglandmilch und VÖM-Vizepräsident, gehe davon aus, dass es "zeitnah" zu einer Preiserhöhung bei Milch und Butter komme. Er habe in seinen 19 Jahren in der Branche noch nie so eine brutale Entwicklung wie derzeit bei den Preisen für Kunststoff- und Kartonverpackungen gesehen. Braunshofer mache dafür die Paketflut wegen des zunehmenden Onlinehandels verantwortlich.

Milch muss im LEH mehr kosten

Defacto müsste 1 l Milch im Handel wohl um 10 Cent mehr kosten, um wieder faire Preise für Molkereien und Bauern sicherzustellen, heißt es aus der Molkereiszene. In den schon länger andauernden Verhandlungen habe man bisher aber aufgrund einer "Preisschlacht" zwischen den verschiedenen Ketten auf Granit gebissen.