Hechenberger hinterfragt Schutzstatus des Wolfes

"Langfristig geht kein Weg daran vorbei, den Schutzstatus des Wolfes zu ändern", erklärt Tirols LK-Präsident Josef Hechenberger. Entschädigungen seien laut ihm nicht die Lösungen.

Der Wolf gefährdet die bestehende, kleinstrukturierte Land- und vor allem Almwirtschaft. (Bildquelle: pixabay)

Das Thema Wolf erhitzt die Gemüter - sowohl innerhalb der Landwirtschaft als auch darüber hinaus. "Der Wolf polarisiert, jeder hat eine Meinung dazu. Direkt betroffen von der Rückkehr der großen Beutegreifer sind aber hauptsächlich unsere Bäuerinnen und Bauern", so Hechenberger.

Wolf gefährdet Almwirtschaft

Denn der viel zitierte Herdenschutz ist in Tirol nur bedingt möglich: "Es gibt sicherlich Betriebe, die Herdenschutz probieren werden. Dafür braucht es dann allerdings entsprechende finanzielle Unterstützung. Für einen Großteil kommen aber aufgrund der Struktur weder Zäune noch Hunde in Frage", ist sich Hechenberger sicher. Für ihn ist auch klar, dass mit der Rückkehr des Wolfes die bestehende, kleinstrukturierte Land- und vor allem Almwirtschaft gefährdet ist: "Dass Betriebe übers Aufhören nachdenken, muss allen bewusst sein. Diese Entwicklung sieht man auch in der Schweiz, die uns in Sachen Herdenschutz - staatlich finanziert wohlgemerkt - einige Jahre voraus ist." Für Hechenberger geht daher langfristig kein Weg an der Änderung des Schutzstatus vorbei: "Wir sind ein dicht besiedeltes Tourismusland. Der Druck auf landwirtschaftliche Flächen durch eine intensive Freizeitnutzung ist ohnehin schon enorm. Der derzeitige Schutzstatus stammt noch aus einer Zeit, wo sich niemand vorstellen konnte, dass der Wolf je in dieser Form zurückkehrt. Insofern muss man sich der Diskussion stellen, ob dieser Status angesichts der raschen Vermehrung noch aktuell ist."

Alpenzoo-Direktor: Wildschweine viel gefährlicher

Außerdem kritisiert der LK-Präsident die Aussagen von Alpenzoo-Direktor André Stadler über die Entschädigungen für Bauern. Laut diesem seien Wölfe und Bären für den Menschen im Wald ungefährlich, weil sie den Menschen als Gefahr sehen und die Tiere im Wald das Weite suchten. „Im Alpenzoo gehen wir sogar mit Kindergarten-Gruppen ins Wolfsgehege“, erklärt er in einem Bericht der Tiroler Tageszeitung. Wildschweine, die derzeit in Tirol nicht anzufinden sind, wären laut Stadler viel gefährlicher als Wolf, Luchs oder Bär. Problembären wie einst Bruno müssten aber erschossen werden, so Stadler. Was es bei Wölfen aber sehr wohl gebe, seien Schäden durch gerissene Schafe. Hier gebe es aber Regelungen, dass diese Schäden den betroffenen Bauern zur Gänze abgegolten werden, schreibt die Tiroler Tageszeitung weiter.

"Wenn dann gesagt wird, dass es ohnehin Entschädigungen für gerissene Tiere gebe, kann ich nur den Kopf schütteln. Wer so etwas sagt, hat wenig Ahnung von Landwirtschaft", so Hechenberger. Vielfach sind die gerissenen Tiere wichtig für die Zucht und ihr eigentlicher Wert liegt weit über dem monetären. Dazu kommt die emotionale Belastung für die bäuerlichen Tierhalter: "Wenn man die eigenen Tiere qualvoll verendet vorfindet, frage ich mich, ob beim Tierschutz hier mit zweierlei Maß gemessen wird", zeigt der LK-Präsident auf.

Artikel geschrieben von

Beate Kraml

Redaktion

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