Hochwasserprojekt Waizenkirchen: „Jetzt gibt es offenbar endlich ein Umdenken“

Viele Bauern und Bürger der oberösterreichischen Gemeinde Waizenkirchen kämpfen seit Jahren gegen den Bau eines gigantischen Hochwasserdammes mit bis zu 6,5 m Höhe. Jetzt scheinen die Verantwortlichen von ihren ursprünglichen Plänen abzurücken und die Vorschläge des Vereines „Dammfrei“ ernst zu nehmen.

Über 200 Interessierte kamen zur Infoveranstaltung am 28. März nach Waizenkirchen. (Bildquelle: Dammfrei)

So schildert Dammfrei-Sprecher Georg Doppler die Situation nach einer großen Informationsveranstaltung am 28. März. Gut 200 Personen folgten der Einladung des Vereines. Dessen Mitglieder, neben Bauern auch Hausbesitzer und -bewohner, die ihre Objekte entwertet sehen und um Lebensqualität und Sicherheit fürchten, setzen sich seit mehr als drei Jahren dafür ein, das geplante Hochwasserschutzprojekt mit einem Mega-Rückhaltebecken in Waizenkirchen zu überdenken und fordern Alternativen (einen ausführlichen Bericht finden Sie in der Ausgabe 6/2018 ab Seite 10.)

"Weisen schon seit Jahren auf die Gefahren hin"

An dem Info-Abend erläuterte Josef Mair, Obmann des Vereins, kurz das aktuell von Behördenseite und manchen Politikern präferierte Hochwasserschutzprojekt für die Region: Ein Rückhaltebecken mit einem Hauptdamm von bis zu 6,5 m Höhe unmittelbar vor dem belebten Ortskern der Marktgemeinde Waizenkirchen. „Wir weisen seit Jahren auf die Gefahren hin, die solch ein vermeintlicher Schutz darstellt und treten für einen zeitgemäßen, dezentralen Hochwasserschutz und eine Stärkung des natürlichen Wasserrückhalts ein“, so Mair.

v.l.: Josef Mair, Gerlinde Hofmann, Konrad Schützeneder, Prof. Bernhard Pelikan, Clemens Nachbauer. (Bildquelle: Dammfrei)

Den Hauptteil des Abends bildete der sehr informative Vortrag „Nachhaltiger Hochwasserschutz“ des renommierten Professors Bernhard Pelikan von der BOKU Wien. Er plädierte im Rahmen von Hochwasserrisikomanagement für ein Zusammenspiel von technischen und natürlichen Maßnahmen und sprach auch den zentralen Punkt der Vorsorge an. Dazu zählen u. a. Freihaltung von Überschwemmungsgebieten, Verringerung der Flächenversiegelung sowie Eigenverantwortung.

Schließlich kam noch Konrad Schützeneder aus dem bayrischen Simbach zu Wort. Er hat das verheerende Hochwasser 2016 miterlebt, bei dem sieben Menschen nicht zuletzt infolge eines Dammbruchs ums Leben kamen. Dies schilderte er in seinem Vortrag anschaulich, so Dammfrei-Sprecher Doppler. Mittlerweile haben sich die Stadträte in Simbach entschlossen, ein Konzept zu realisieren, das in Austausch mit den Bürgern und der BOKU Wien erarbeitet wurde: Flutpolder werden geschaffen und eine Uferpromenade mit Wegen und Sträuchern wird angelegt, denn _dem Wasser müsse wesentlich mehr Platz gegeben werden.

Doppler: „Hier knüpfte Schützeneder an Prof. Pelikan an, von dem das Zitat stammt: „Je mehr Platz der Fluss hat, desto weniger Schaden wird er anrichten.“ Und: „Wenn wir es schaffen können, unseren Gewässern deutlich mehr Platz einzuräumen als gegenwärtig, werden auch Hochwasserkatastrophen weniger verheerend ausfallen.“

Bei der Diskussion griff der Peuerbacher Bürgermeister Oberlehner einen zentralen Aspekt im Vortrag von Prof. Pelikan auf, so Doppler weiter. Er habe auf die Notwendigkeit eines konstruktiven Gesprächs aller Beteiligten gepocht: Denn nur eine dauernde positive Kommunikation, Kompromissfähigkeit und hohe demokratische Reife aller Akteure könne im Bereich Hochwasserrisikomanagement zum Erfolg führen.

"Kein Stein mehr auf dem anderen"

Georg Doppler zieht ein positives Fazit: „Der Abend hat keinen Stein auf dem anderen gelassen. Wir bekommen von allen Seiten positive Rückmeldungen, nicht zuletzt von zahlreichen Bürgermeistern“, schreibt er. "Leider nicht anwesend war der Bürgermeister von Waizenkirchen, Fabian Grüneis."

Bauernbundpräsident Georg Strasser machte sich bei Obmann Mair ebenfalls schon ein Bild vor Ort. (Bildquelle: Dammfrei)

Nach Gesprächen mit BB-Präsident, Ministerin und Abteilungsleiter, nach unzähligen Terminen mit Bürgermeistern und div. Verantwortlichen, scheint ein Umdenken begonnen zu haben. Sogar eine gewisse Einbindung in ÖPUL etc. wurde uns zugesagt. Vielen ist das Zusammenarbeiten div. Abteilungen und Institutionen und Behörden offenbar schon lange ein Anliegen und sie sind richtiggehend froh, dass wir das von außen nun ins Rollen gebracht haben.“
Die Geheimniskrämerei habe jedenfalls ein Ende. Doppler: „Die Unterlagen liegen mittlerweile auf der Gemeinde auf."


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