Im Wandel der Zeit

25 Jahre säen und ernten Plus

top agrar Österreich feiert 25 Jahre, aber auch der EU-Beitritt jährt sich zum 25. Male. Wir schauen mit kritischem Blick auf die unterschiedlichen Entwicklungen und beleuchten interessante Aspekte der Veränderungen. Und wir zeigen, wie Leser der ersten Stunde ihre Betriebe vorangebracht haben.

Maria und Hermann Dopler aus Niederösterreich sind seit über ein Vierteljahrhundert begeisterte top agrar-Leser. (Bildquelle: lexpix photography/Stiegler)

In den letzten Jahrzehnten hat sich der landwirtschaftliche Betrieb grundle­gend gewandelt, genauso wie die hei­mische Landwirtschaft insgesamt. Nicht nur die Betriebszahlen nahmen ab, auch der Arbeitskräfteeinsatz hat sich stark verringert. Im Gegenzug ist die Flächenausstattung der verbliebe­nen Betriebe gewachsen.

40 % WENIGER BETRIEBE

Um 40 % oder knapp 75 000 Betriebe hat sich in den letzten knapp 25 Jahren die Zahl der Betriebe, die im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik um Ag­rarzahlungen ansuchen, verringert (siehe Grafik Seite 13). Dies mag auf den ersten Blick extrem sein, betrachtet man die Ergebnisse der Agrarstruktur­erhebungen zwei Jahrzehnte vor und nach dem EU-Beitritt 1995, so zeigt sich folgendes Bild: „Der Strukturwan­del konnte eingebremst werden“.

Das heißt, das Phänomen der Ab­nahme der Betriebe hat sich verlang­samt, jährlich sperren weniger Betriebe für immer ihre Tore, als noch vor dem EU-Beitritt. Interessantes Faktum dabei ist, dass sich die Anzahl der Haupter­werbsbetriebe seit dem EU-Beitritt we­niger verringert hat als jene der Neben­erwerbsbetriebe.

Die Kehrseite der Medaille zeigt aber regional ein sehr unterschiedliches Bild: Im Hochalpenbereich haben die Be­triebe im Beobachtungszeitraum um 20 % nur sehr moderat abgenommen. Dort wo man es eigentlich nicht vermu­ten würde, in den Ackerbauregionen im Osten Österreichs, haben knapp 60 % der Betriebe seit 1995 das Handtuch geworfen.

MODERNE TECHNIK ENTSCHEIDEND

Die Gründe dafür mögen vielseitig sein. Die Möglichkeit von außerlandwirt­schaftlichen Erwerb spielt sicher eine wesentliche Rolle. Aber auch die Mög­lichkeit einer „einfacheren“ Technisie­rung in der Landwirtschaft. Es sollte den Verantwortlichen in der Agrarpolitik aber bewusst sein, welche Trends hier herrschen. Der landwirt­schaftliche Produktionswert errechnet sich aus Produktpreis und produzierten Mengen. Dieser ist seit EU-Beitritt in Summe um 27 % angestiegen.

Einzelne Sektoren haben sich seither aber unter­schiedlich entwickelt: So sank der Wert bei klassischen Ackerkulturen wie Getreide, Ölsaaten und Zuckerrüben bis 2018 um 20 %. Bei Wein und Obst hat sich der Pro­duktionswert hingegen verdoppelt. Im tierischen Sektor konnten Zu­wächse im Milchbereich, bei den Eiern und bei Geflügelfleisch erzielt werden. Die Rindfleischproduktion hat eben­falls leicht zugelegt. Schweinefleisch blieb beim Produktionswert stabil.

Trotz dieser positiven Entwicklungen kommt der Nettounternehmensgewinn seit 1995 nicht wirklich vom Fleck. Die­ser Gewinn drückt das „Selbständi­gen-Einkommen“ vor Sozialversiche­rung und Einkommenssteuern aus. Die Ausgaben der Betriebe steigen stärker als die Einnahmen. Dieses Phänomen ist auch im Agrarpreisindex sichtbar. Die Gewinnspanne, hier sind die Agrarzah­lungen eingerechnet, verringerte sich substanziell von 36,8 % auf 28,2 %.

Wenn der Nettounternehmensgewinn seit EU-Beitritt nicht gestiegen ist, wie können die Bäuerinnen und Bauern dann steigende Einkommen erzielen? Das „System Landwirtschaft“ funktio­niert wie auch anderswo nur durch Ver­ringerung des Arbeitskräfteeinsatzes. Der „Kuchen“ wird auf weniger aufgeteilt.

Seit dem EU-Beitritt hat sich nach Be­rechnungen der Bundesanstalt für Ag­rarwirtschaft und Bergbauernfragen der Arbeitskräfteeinsatz der Bäuerinnen und Bauern um 45 % reduziert.

MEHR IMPORTE ALS EXPORTE

Wirklich gut entwickelt haben sich die österreichischen Agrar-und Lebensmit­telexporte. Trotz der fast alljährlichen Jubelmeldung über eine erneute Steige­rung sollte man eines bedenken. Paral­lel zum Anstieg der Exportvolumina steigen auch die Einfuhren im selben Tempo. Österreich hat daher nach wie vor eine negative agrarische Außenhan­delsbilanz. Doch auch da ein Lichtblick: Seit 1995 hat sich der Saldo halbiert.

LANDWIRTE SIND KLIMASCHÜTZER

Die Landwirtschaft wird gerne als Kli­makiller Nummer 1 angeprangert. Ein Blick in die Berechnungen zu den nati­onalen Treibhausgas-Emissionen zeigt ein anderes Bild. Die heimische Land­wirtschaft trägt aktuell nur rund 10 % zu den Gesamt-Treibhausgas-Emissio­nen bei, Tendenz fallend.

Im Vergleich zu 1995 sind die aktuel­len Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft um knapp 10 % gesun­ken, Grund dafür sind insbesondere die Abnahmen bei der Mineraldüngerver­wendung (-25 %) und die Verringerung der Anzahl der Rinder.

ERFOLGSGESCHICHTE BIO

Anfangs belächelt, hat sich der biologi­sche Landbau prächtig entwickelt. Österreich war hier überhaupt Vorrei­ter und hat die ersten Leitlinien und Standards geschaffen. Der Biomarkt hat sich sowohl angebots- als auch nachfrageseitig stetig weiterentwickelt. Mit dem...


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