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Kaufen oder Pachten: So entscheiden die Bauern

Aufstockungswillige Betriebsleiter kaufen Flächen oder pachten diese. Welche Bedingungen und Motive zur jeweiligen Entscheidung führen, wurde an der Universität für Bodenkultur untersucht.

Unser Autor: Niklas Köhler, Wien

Wer mit seinem Betrieb vor der Frage „Wachsen oder weichen?“ steht und sich fürs „Wachsen“ entscheidet, muss wählen: Flächen zukaufen oder pachten. Wie die Bauern diese Grundsatzfrage entscheiden, wurde in einer Master­arbeit bei Univ.-Prof. Dr. Hans Karl ­Wytrzens an der BOKU untersucht. Die Onlinebefragung dazu wurde in Kooperation mit top agrar durchgeführt. In dieser Umfrage waren Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe genauso vertreten wie konventionelle und Biobetriebe.

Landläufig herrscht die Meinung vor, dass Flächen aus Prestigegründen und um das eigene Ansehen bei Kollegen und in der Bevölkerung zu steigern, gekauft werden. Dies erweist sich als falsch und fand in der Untersuchung keine Bestätigung.

Dennoch empfindet ein signifikanter Teil der Befragten Stolz und Glück beim Flächenkauf. Der entscheidende Unterschied zwischen „Prestige“ und „Stolz/Glück“ liegt darin, dass im ersten Fall gekauft wird, um sich vor anderen zu profilieren, während im zweiten Fall für das eigene Gefühl und die eigene Zufriedenheit gekauft wird. Die Befragung ergab, dass Sicherheit bei der zukünftigen Betriebsplanung kein Motiv für Flächenkäufe darstellt.

Liegt das jährliche Einkommen eines Betriebs (ohne Förderungen) unter 35.000 €, werden Flächen vermehrt durch Pachtung aufgestockt – bei einem höheren Jahreseinkommen wird vermehrt gekauft. Keinen signifikanten Einfluss auf die Kaufentscheidung haben die finanzielle Sicherheit im Rentenalter (zusätzlich zur Bauernpensionsversicherung), die Steigerung der Kreditwürdigkeit gegenüber Banken und die Absicherung gegen Inflation. Ebenso wenig sind die beim Flächenkauf anfallenden Steuern und Trans­aktionskosten sowie die...