IG MIlch

Kritik an BWB und Großmolkereien

Nach dem Ende der Milchhandelsgesellschaft „Alpenmilch Logistik“ (ehemals „Freie Milch Austria“) mussten die Bauern zu den Molkereigenossenschaften zurückkehren. Die IG Milch kritisiert die Schüttgebühren von Berglandmilch und NÖM sowie das Einschlafen der BWB-Ermittlungen scharf.

Obmann Ewald Grünzweil und Ex-FMA-Geschäftsführer Ernst Halbmayr prangern die ihrer Überzeugung nach großen Missstände in der Molkereiwirtschaft an. (Bildquelle: Spanring)

Die von „Milchrebellen“ der IG Milch im Jahr 2008 ins Leben gerufenen alternativen Milchhandelsgesellschaft Freie Milch Austria GmbH (FMA) stellte im Frühjahr 2017 aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb ein. Jene Milchbauern, die reumütig zu ihren alten genossenschaftlichen Abnehmern zurückkehren mussten, werden seither mit hohen Strafzahlungen bedacht.

Laut Ernst Halbmayr, Ex-Geschäftsführer der FMA, belaufen sich diese Schüttgebühren und damit die „Schädigung für die 100 Milchbauern auf 4,5 Mio. € im Jahr.“

Nützt die Berglandmilch ihre marktbeherrschende Stellung aus?

Besonders arg gehe die Berglandmilch gegen die rückkehrenden Bauern vor, findet Halbmayr. Demnach müssen diese jedes Jahr erneut um Abnahme bitten. Zudem wird ihnen 4,2 Cent pro Kilo Rohmilch als Strafe abgeknöpft. Eine Aufnahme in die Genossenschaft werde verweigert. Die Schädigung der Biobauern sei noch höher. Denn deren Rohmilch werde nur mit dem konventionellen Preis abzüglich der Strafgebühr entlohnt.

Dieses Verhalten sei „wettbewerbswidrig, weil die Molkerei mit 45 Marktanteil ihre marktbeherrschende Stellung massiv ausnütze“, so Halbmayr. Auch die NÖM AG kassiere eine Strafsteuer. Diese fallle „mit 3 Cent je Kilo Milch auf fünf Jahre zumindest geringer aus.“

Positiv erwähnten Vereinsobmann Ewald Grünzweil und Halbmayr die Gmundner Milch. Diese habe nun ehemalige FMA- bzw. Alpenmilch-Logistik-Lieferanten zu den gleichen Konditionen, die sie normalen Gmundner-Bauern bieten, übernommen.

„Die Bauern haben viel Geld verloren und waren froh, neue Abnehmer gefunden zu haben“, entgegnete Johann Költringer, Geschäftsführer der Vereinigung der österreichsichen Milchverarbeiter (VÖM), die IG Milch-Vorhalte laut Austria Presse Agentur. Zudem sei es nicht Aufgabe der Molkereien, für Schäden der FMA aufzukommen, ergänzte Költringer.

Abrupter Stopp der BWB-Ermittlungen

Betreffend der Strafgebühren kritisierten die IG Milch-Obleute Grünzweil und Halbmayr neben den beiden Großmolkereien auch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) scharf. Anfangs hätten sich die staatlichen Wettbewerbshüter noch sehr interessiert an den Vorgängen in der Milchwirtschaft gezeigt. Die IG-Milch habe Akten und Zeugenlisten übergeben um die Missstände aufzuzeigen. Doch nach der Nationalratswahl im Herbst 2017 und erfolgter Regierungsbildung wurden die Ermittlungen eingestellt. Und zwar mit fadenscheinigen Gründen, so Halbmayr.

Verein hat noch über 1000 Mitglieder

Die IG Milch wurde 2004 als Verein gegründet um politische Anliegen von Milchbauern außerhalb der Landwirtschaftskammern zu vertreten. Aktuell Zeit zählt sie laut Obmann Grünzweil noch 1050 zahlende Mitglieder. Zu Spitzenzeiten waren es rund 6000.

Grünzweil kündigte an, im Herbst aus der Milchwirtschaft auszusteigen. Davon könne er seine bäuerliche Familie nicht mehr ernähren. Die Flucht in eine noch intensivere Milchwirtschaft würde nur die Abhängigkeit erhöhen.

Artikel geschrieben von

Leopold Th. Spanring

Redakteur

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Kommentar: Selbstverursachtes Bio-Chaos

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