LK-Klartext-Diskussion

„Zukunft liegt am Markt, nicht bei den Direktzahlungen!“

Coronabedingt verlegte die LK Österreich ihre beliebte „LK-Klartext“-Reihe ins Internet. Bei der ersten Online-Veranstaltung ging es um die Erfolgsgeheimnisse in der Vermarktung.

Die bäuerliche Direktvermarktung und die Regionalität haben durch die Corona-Pandemie profitiert. „Das gilt es nun zu pflegen und weiter auszubauen“, empfiehlt Adolf Marksteiner von der LK Österreich. (Bildquelle: LKÖ/APA/Reither)

„Ohne eine Geschichte kann man kein Produkt verkaufen“. Das war nur eine der Kernaussagen des Illmitzer Paradewinzers Willi Opitz, der als erster Gast des neuen Diskussionsformats „LK-Klartext online“, den Teilnehmern einen Einblick in seine beruflichen Erfahrungen und Erfolge vermittelte. Der gelernte Maschinenbauer hat 1995 im Alter von 39 Jahren auf Weinbau umgesattelt und ist heute ein international anerkannter und mehrfach ausgezeichneter Winemaker.

Vordenken – Mut fassen – Tun

Opitz überzeugt nicht nur mit der Qualität seiner Produkte, er ist auch eine sehr begeisterungsfähige Persönlichkeit und steckt seine Kunden damit an. Sein Erfolg fuße auf sieben Regeln, so der umtriebige Burgenländer. Dazu zähle unter anderem, zu erkunden, wofür das Herz schlägt und dann „diese Mission mit den eigenen Vorteilen zu verstärken und über die Passion zur Profession zu bringen“. Wichtig sei dabei ebenso, den Markt zu erkunden sowie die Sprache der Kunden zu sprechen – „das hat mir viele Türen geöffnet“ – und sein Wissen zu teilen.

Kunden zu Botschaftern machen

Opitz setzt bei der Vermarktung seiner Weine intensiv auf Bildsprache, verpackt alles in Geschichten. Es falle ihm leicht, er sei sehr interessiert, weltoffen und sensitiv, heißt es auf Nachfrage. „Erkenne die Chance und nutze die Gelegenheit“, ist ebenfalls Teil seiner Philosophie. „Jeder Mensch hat Ideen. Was ihn daran hindert, sie umzusetzen, ist die eigene Vorstellungskraft“, ist der Weinprofessor überzeugt. Dass es ihm daran nicht mangelt, beweist der erste in Helsinki ausgepflanzte Weingarten, den er gemeinsam mit einem finnischen Partner angelegt hat.

„Ohne Geschichten kann man kein Produkt verkaufen“, ist das Opitz'sche Credo. Daher beschert er mit seiner Naturverbundenheit, dem Wissen um das Umfeld in dem er lebt und arbeitet, sowie seinem Naturell und seiner Kreativität den Gästen Erlebnisse und gibt ihnen mit jeder Flasche Wein auch besondere Eindrücke mit. „Damit wird der Kunde zu deinem Botschafter. Diese Mundpropaganda ist kostenlos und mehr wert, als jede großflächige Werbetafel.“

Qualität und Vertrauen sind Zwillinge

„Nicht jeder kann ein Willi Opitz sein. Diesen ideensprühenden Spirit hat man oder eben nicht“, so DI Adolf Marksteiner, Abteilungsleiter Marktpolitik in der LKÖ. Er stimmt mit dem Winzer aber durchaus überein, dass jeder für seinen Erfolg selbst verantwortlich ist, „auch wenn man es beim Wein vielleicht etwas leichter hat, weil man zum Beispiel Getreide oder Milch kein Etikett aufkleben kann“.

Dennoch müsse sich jeder Bauer bewusst sein, dass die Zukunft der Landwirtschaft nicht bei den Direktzahlungen liege, sondern am Markt. „Intervention und Lagerhaltung sind nur mehr Instrumente für Krisenzeiten wie die aktuelle. Man muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen, und dabei ist es heutzutage unverzichtbar zu verstehen, was sich der Markt erwartet“, zeigte Marksteiner auf. Die Qualität des Produkts und das Vertrauen der Verbraucher seien dabei untrennbar miteinander verbunden.

Daher habe auch jeder Landwirt die Aufgabe, auf sein Image zu achten. „Was dem einen die Nährstoffe für seinen Ackerboden und die Kultur sind, ist für den anderen Geruchsbelästigung“, zeigt der LK-Experte auf, wie leicht es zu Missverständnissen und Problemen mit der nicht-bäuerlichen Bevölkerung kommen kann.

Corona ist Chance für regionale Landwirtschaft

Auch wenn die Corona-Pandemie die heimische Land- und Forstwirtschaft vor große Herausforderungen gestellt und in der Branche teils schwere finanzielle Schäden verursacht hat, so kann ihr aber auch etwas Positives abgewonnen werden. „Viele Verbraucher sind froh über die funktionierende Landwirtschaft in Österreich, die in den vergangenen Monaten deutlicher sichtbar als bisher die Versorgungssicherheit unter Beweis gestellt hat. Das ist eine Chance, die wir nutzen müssen. Die bäuerlichen Direktvermarkter und die Regionalität haben davon profitiert. Das gilt es nun zu pflegen und weiter auszubauen“, zeigte Marksteiner den Weg vor.


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