Bericht "Klimafreundliche Milch" in konkret

Milchbauern fordern Richtigstellung des ORF

Seit Dienstag abend gehen unter Milchbauern die Wogen hoch. Grund für die Aufregung ist ein Beitrag in der ORF-Sendung konkret zum Thema "Klimafreundliche Milch". Aus Sicht der aufgebrachten Landwirte wurde hier inhaltlich falsch über Kuhmilch berichtet. Seit dem Bericht geht es in diversen Online-Foren rund. Viele fordern eine Richtigstellung des ORF. Gestern reagierte auch der Bauernbund mit einer Stellungnahme an den ORF. Ein klärendes Gespräch soll folgen.

"In der gestrigen Folge „Klimafreundliche Milch“ im ORF konkret-Magazin wurden Informationen inhaltlich falsch dargestellt und einseitig berichtet – zulasten der heimischen Milcherzeuger", schreiben BB-Präsident Georg Strasser und BB-Direktor David Süß an den ORF. Den Beitrag können Sie hier noch einmal anschauen: https://tvthek.orf.at/profile/konkret/13887640/konkret/14146292/Klimafreundlichere-Milch/15218718

So sei die Herstellung von einem Liter Kuhmilch mit „dem Verbrennen von einem Liter Benzin“ gleichgestellt worden. "Das ist eine undifferenzierte Aussage, die nicht annähernd auf den tatsächlichen CO2-Ausstoß von einem Liter Kuhmilch aus Österreich zutrifft. Die CO2-Äquivalente pro Liter Milch aus Österreich beträgt rund 1 kg, die von Benzin 2,89 kg", heißt es in der Stellungnahme.

"Falsche Zahlen für Wasserbilanz"

Auch die Wasserbilanz sei mit falschen Zahlen belegt worden. Laut einer Studie der Universität Oxford benötige ein Liter Mandel-Drink rund 371 Liter Wasser, ein Kilogramm Mandeln bis zu 15.000 Liter. 80 % der weltweiten Mandel-Ernte stamme aus dem unter Dürre leidenden Kalifornien – hier müsse meist künstlich bewässert werden. Im Vergleich: Die HBLFA Raumberg-Gumpenstein habe in einer Modellrechnung den Wassereinsatz von Milch aus Österreich mit 8,35 Litern pro Liter Milch beziffert (unter Beachtung der Ökobilanz von Wasser). Dies sei ein deutlicher Unterschied zu denen in konkret erwähnten Zahlen.

Nur 15 % der Pflanzendrink-Rohstoffe aus Österreich

Ein Regionalitäts-Check des Vereins Wirtschaften am Land habe darüber hinaus gezeigt, dass nur 15 % der Rohstoffe in pflanzlichen Drinks im Supermarkt aus Österreich stammen. Echte Milch könne zudem nicht mit Soja- oder Mandeldrinks verglichen werden. Deshalb gebe es auch auf EU-Ebene einen Bezeichnungsschutz für „Milch“. Strasser und Süß: "Milch ist ein ernährungsphysiologisch hochwertiges Lebensmittel mit Grundnährstoffen wie Eiweiß, Fett und einer Vielzahl an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen in hochverdaulicher Form. Pflanzliche Drinks hingegen bestehen zu 95 % aus Wasser und enthalten meist Zusatzstoffe."

Der ökologische Fußabdruck von Kuhmilch könne nur gerechnet auf den relativen Nährstoffgehalt pro Liter mit pflanzlichen Drinks verglichen werden. Österreich sei geprägt von einem hohen Grünland-Anteil. "Unsere Almen etwa können nur mit Wiederkäuern erhalten und genutzt werden. Heimische Milchbäuerinnen und -bauern leben Kreislaufwirtschaft auf ihren Höfen", erklären beide weiter. Darüber hinaus sei im EU-Vergleich der Einsatz von Kraftfutter in der heimischen Milchkuhfütterung gering. Werde Soja verfüttert, ist dieser nachweislich gentechnikfrei. Mit dieser bodengebundenen, kreislauforientierten Wirtschaftsweise habe heimische Milch die beste Klimabilanz in ganz Europa.

Klärendes Gespräch soll stattfinden

Die BB-Spitzen abschließend: "Der Bauernbund fordert eine differenzierte Klarstellung der Folge und bittet um eine ausgewogene, sachliche Berichterstattung. Das ORF Magazin „konkret“ sollte zu keiner einseitigen Kommunikationsplattform diverser NGOs werden. Bürgerinnen und Bürger dürfen sich von einem staatlichen Rundfunksender korrekt recherchierte Informationen erwarten, um sich eine fundierte Meinung zu bilden. Bei weiteren Recherchen und Beiträgen bitten wir um fachliche Einbeziehung des Bauernbundes, der Landwirtschaftskammern, dem Landwirtschaftsministerium oder der Branchenverbände."

Ein Angebot des BB zu einem persönlichen Gespräch hat der ORF laut BB bereits zugesagt.

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