WIFO-Studie zur Wertschöpfung

Moosbrugger: "Regionalität stärkt die Landwirtschaft"

Die LK Österreich (LKÖ) hat des Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) mit einer Studie zur Regionalität und Wertschöpfung beauftragt. Gemeinsam mit einem der Studienautoren präsentierte LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger die Ergebnisse.

PD Dr. Franz Sinabell (links) untersuchte die regionale Wertschöpfungskette von Agrargütern und Lebensmitteln in Österreich. LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger (rechts) zeigte sich erfreut über die Ergebnisse. (Bildquelle: LKÖ/Schreiner)

"Die Corona-Krise hat eine starke Wiederbelebung der Regionalität gebracht, das gilt für den Sommertourismus ebenso wie für den Lebensmittelhandel. Frau und Herr Österreicher greifen heute verstärkt zu heimischen Lebensmitteln, weil sie wissen, dass sie sich auf unsere Bäuerinnen und Bauern verlassen können. Nun hat das WIFO in unserem Auftrag untersucht, ob und wie sich mehr Regionalität im Einkauf auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze auswirkt. Das Ergebnis beweist eindeutig, dass gelebte Regionalität nicht nur positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die vor- und nachgelagerte Wirtschaft hat, sondern auch der Landwirtschaft das Rückgrat stärkt." Dies stellte LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger im Rahmen der Präsentation der WIFO-Studie "Die Wertschöpfungskette von Agrargütern und Lebensmitteln in Österreich" fest.

Ergebnisse der WIFO-Studie

Das WIFO hat in einem ersten Schritt die gesamte Wertschöpfungskette von Agrargütern und Lebensmitteln in Österreich erstmals bis auf Bezirksebene erhoben. Demnach waren im Jahr 2018 mehr als 413.000 Personen in der Wertschöpfungskette beschäftigt und die Brutto-Wertschöpfung betrug 18 Mrd. €. Im Verhältnis zur Volkswirtschaft insgesamt betrug der Anteil der Beschäftigten 9,2% (davon 3% in der Landwirtschaft) und der Anteil der Wertschöpfung 5,2% (davon 0,9% der Landwirtschaft).

"In einem zweiten Schritt haben wir eine Modellanalyse durchgeführt", berichtete WIFO-Agrarexperte Dr Franz Sinabell. Dabei wurde angenommen, dass die Importe von Agrargütern und Lebensmitteln um 1% reduziert werden und die entstehende Lücke durch heimische Produkte aufgefüllt wird. Daraus wurden dann die Folgewirkungen für die Landwirtschaft, die vor- und nachgelagerten Bereiche und schließlich für die Volkswirtschaft insgesamt berechnet.

Win-win-Situation für Österreich

Das Ergebnis: 1% mehr Nachfrage nach inländischen Agrarrohstoffen und Lebensmitteln entspricht der Produktion im Agrarsektor von 28 Mio. € und in der nachgelagerten Verarbeitung von 88 Mio. Euro, insgesamt also 116 Mio. €. Durch die Produktionsausweitung in der Landwirtschaft wächst in den vorgelagerten Branchen die Wertschöpfung um 70 Mio. €, wodurch 2.100 Beschäftigte ausgelastet sind. Verringert man auch die Importe von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren um 1%, ersetzt diese durch heimische Produkte und kombiniert das Ergebnis mit dem vorigen Szenario, so reagiert die Volkswirtschaft mit einer Steigerung der Wertschöpfung um 141 Mio. €, womit rund 3.100 Beschäftigte verbunden sind.

"Vergleichbare Effekte sind auch zu erwarten, wenn stattdessen die Exportnachfrage steigt. Sinkt die Nachfrage nach Agrargütern um 1% und verwendet beziehungsweise konsumiert man stattdessen importierte Güter, so wirkt sich das spiegelbildlich negativ für die Volkswirtschaft aus", so Sinabell.

Die Beschäftigungseffekte durch den erhöhten Konsum regionaler Lebensmittel würden sich nicht auf die ländlichen Gebiete beschränken, sondern auch urbanen Räumen zugutekommen", gab der WIFO-Experte zu bedenken. "Wir können hier von einer Win-win-Situation sprechen, weil der gesamte Wirtschaftsstandort Österreich davon profitiert", stellte Moosbrugger fest.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen