„Netzwerk Kulinarik“ mit Startproblemen

Das am 18. April gestartete 10 Mio. €-Projekt „Netzwerk Kulinarik“ des Landwirtschaftsministeriums kämpft offenbar mit Startproblemen. Spar und Rewe wollen offenbar nicht mitmachen. Warum?

In das Dunkel mit den vielen Genuss-Marken will das Ministerium Licht mit seinem "Netzwerk Kulinarik" bringen. Doch offensichtlich wollen nicht alle Beteiligten in der Kette mitspielen. (Bildquelle: )

Das Landwirtschaftsministerium will das Dickicht an Genuss-Marken, Initiativen und regionalen Bezeichnungen durchforsten. Die regionalen Initiativen sollen gebündelt werden.
 Dafür wurde 2015 eine Vernetzungsstelle, die für den Aufbau und die Koordination des Netzwerkes regionaler und kulinarischer Initiativen" verantwortlich ist, EU-weit ausgeschrieben.

Ein zentrales Netzwerk Kulinarik" soll alle Beteiligten, vom kleinen Erzeuger und Landwirt über die Gastronomie bis zum Handel, ins Boot holen. Die Vernetzung der Initiativen bringt einen Mehrwert für die Bäuerinnen und Bauern, Direktvermarkter, Verarbeiter, Gastronomie, Tourismus, Handel und für die Konsumentinnen und Konsumenten, betonte Bundesminister Andrä Rupprechter bei der Präsentation des Netzwerkes.

Sattes Budget bis 2022

Für den zu 50 % mit EU-Geldern kofinanzierten Auftrag sind 10,5 Millionen € brutto Budget von 2016 bis 2022 vorgesehen, besagt die Ausschreibung. Weiters sind max. 7 Mio. € brutto für den optionalen Abruf weiterer Leistungen zum Thema budgetiert.

Doch wie der Kurier auf seiner Homepage berichtet, hat sich trotz der großzügig bemessenen Auftragssumme nur eine Bietergemeinschaft beworben. Diese besteht aus der AgrarMarkt Austria (AMA) und der Fairify GmbH, einer Tochter der Beratungsfirma von Werner Lampert. Der Auftrag ist am 15. April erteilt worden. Geschäftsführer von Netzwerk Kulinarik ist Thomas Müller. Er ist nach eigenen Worten als selbständiger Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Regionalentwicklung und LEADER völlig unabhängig.

Doch das Projekt drohe laut Kurier zu scheitern, noch bevor es richtig gestartet ist. Denn Rewe und Spar haben wenig bis keinen Appetit auf das Netzwerk Kulinarik, so der Kurier weiter. Schließlich arbeite Bio-Pionier Lampert seit zehn Jahren eng mit dem Diskonter Hofer zusammen ("Zurück zum Ursprung").

Wenn der Lebensmittelhandel aber das Netzwerk nicht breit unterstütze, sei der Flop vorprogrammiert. Rupprechter sei vorab auch gewarnt worden. Lampert hätte laut Vergabeexperten vom Bieterverfahren ausgeschlossen werden müssen, heißt es weiter im Kurier.
 
Dazu merkt Geschäftsführer Müller an: „Das Netzwerk ist nicht die Vernetzungsstelle. Für die Vernetzungsstelle hätte sich jedoch jeder privatwirtschaftliche Betrieb bewerben können. Die Vergabeexperten der AMA und des BMLFUW haben dazu keine Bedenken geäußert. Wäre auch unsinnig, da für die Vernetzungsstelle definitiv Experten aus dem Bereich Kulinarik/Lebensmittel gesucht waren. Wie soll jemand was vom Geschäft verstehen wenn er nicht direkt in dem Bereich arbeitet?“
 
Drexel und Hensel äußerten ihre Bedenken gegenüber Rupprechter
 
Spar-Chef Gerhard Drexel habe seine Bedenken in einem Brief an Rupprechter und bei einem Gespräch klar formuliert. Es ist uns völlig unverständlich, wie so eine Entscheidung getroffen werden konnte. Mit einer Personalentscheidung, die eindeutig einem einzigen Händler zuzuordnen ist, schließt man automatisch den Rest der Marktteilnehmer aus. Das kann doch nicht Sinn der Sache sein, erklärt Drexel gegenüber dem Kurier.

Auch Rewe-Chef Frank Hensel habe Rupprechter persönlich seine Bedenken Richtung Lampert und Hofer dargelegt. Rewe überlege noch, habe aber ebenfalls wenig Lust auf Beirat und Netzwerk.

Dazu Müller: „Aus dem Netzwerk kann niemand ausgeschlossen werden, alle sind eingeladen mit zu machen. Das Bieterverfahren für die Betreuung des Netzwerks, also für die Netzwerkstelle - da reden wir von den reinen Betreuungs- und Managementaufgaben -  ist abgeschlossen.“

Rupprechter erwarte vom neuen Netzwerk eine klar neutrale und verbindende Rolle, heißt es in dem Bericht weiter. Er sei überzeugt, dass sich das Modell bewähre und mögliche Bedenken durch erfolgreiche Arbeit ausgeräumt werden können".

Artikel geschrieben von

Sylvia Haury

Redaktions- und Vertriebsassistentin

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