Aktuelles Interview

Neue Chancen für Biomethan

Österreichs Erdgas-Abhängigkeit wird einem gerade vor Augen geführt. Wie viel Gas können wir selbst erzeugen?

Die EU fordert, 35 Mrd. m³ Biomethan als Erdgasersatz zu ­erzeugen. Welches Potenzial ­besteht in Österreich?

Stürmer: Aktuell werden in ­Österreich mit Biogasanlagen rund 540 GWh Strom ­eingespeist, über 400 GWh als Wärme genutzt und nur knapp 140 GWh Biomethan produziert. Das Methan der 15 Anlagen kann in Gasspeichern zwischengespeichert und dann ins Gasnetz eingespeist werden, wenn Energie gebraucht wird, z. B. im Winter. Aktuell lebt die Diskussion rund um ein Erneuerbare Gase Gesetz (EGG) neu auf.

Was sind die Ziele eines EGG?

Stürmer: Mit dem EGG soll ein wirtschaftlich tragfähiger ­Gesetzesrahmen geschaffen ­werden. Gasversorger könnten beispielsweise verpflichtet ­werden, einen bestimmten ­Anteil an sogenanntem „Grünem Gas“ beizumischen. Damit könnten bestehende Biogas-­Verstromungsanlagen auf die Biomethanproduktion umsteigen und bereits geplante bzw. ­genehmigte Projekte umgesetzt werden. So könnten zusätzlich rund 1.000 GWh Biomethan ­erzeugt werden. Umgerechnet wären das insgesamt 90 Mio. m3 Biomethan aus Österreich.

Wie funktionieren solche ­Biomethan-Anlagen?
Stürmer: Aufgrund unserer kleinen Strukturen ist es schwierig, die notwendigen Güllemengen an einem Ort zusammenzubringen. Daher muss Gülle mit biogenen Abfällen und Reststoffen aus der Landwirtschaft wie z. B. Getreideausputz mitvergärt ­werden. Erst dann erreicht man eine Leistungsklasse, die die Aufbe­reitung und Nutzung von Biomethan zu überschaubaren Kosten ermöglicht.

Für welche Biogasanlagen ist es interessant, auf Gasproduktion umzusteigen?
Stürmer: Ein Umstieg ist für
größere Biogasanlagen ab 500 kW interessant. Der fehlende Strom wird mit PV- oder ­Windkraftanlagen ausgeglichen werden müssen. Das Problem ­daran ist der fehlende Winterstrom. Wir brauchen Anlagen,
die ­Energie genau für diese Zeit ­bereitstellen können.

Ein Revival für Biogasanlagen?
Stürmer: Nein, das EAG bleibt unangetastet und damit auch die Rahmenbedingungen wie z. B. Verstromung unter 250 kWel und mindestens 10 km Luftlinie Abstand zu einer Gasleitung. ­Ver­gärungsanlagen, wie man sie in den 80iger-Jahren gebaut hat, sind aktuell kaum wirtschaftlich.

Kann man Biomethan nicht auch als Kraftstoff verwenden?
Stürmer: Derzeit schreiben die EU-Regulatorien null CO2 ­Emissionen beim Auspuff vor. Das ist mit Biomethan als ­Kraftstoff kaum möglich.

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