Neue Einheitswerte belasten Bauern

Mit der Hauptfeststellung der agrarischen Einheitswerte stiegen die Einheitswerte und damit die Abgaben. Trotz teilweiser Abfederung bei Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge über 10% habe sich die Belastung bei manchen verfünffacht, beklagen Kärntner Landwirte. Erste Exekutionsandrohungen der SVB gibt es bereits.

Die neuen Einheitswerte führen zu unfinanzierbaren SVB- und Finanzamtsabgaben beklagen Kärntner Bauern. DIe SVB spreche bereits Exekutionsandrohungen aus. (Bildquelle: agrarfoto.com)

Im Zuge der letzten Vollversammlung der Landwirtschaftskammer (LK) Kärnten haben unzufriedene Landwirte wegen der gestiegenen Einheitswerte bereits mit Tafeln bei einer kleinen Demo auf sich aufmerksam gemacht. Nun stellten sich zwei bei einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit und zeigten ihre Situation auf den Höfen auf.

Höhere Kosten, geringere Erträge

Beide Landwirte sind Milchbauern, deren Einkünfte sich wie vor 30 Jahren gestalten würden. Die Einheitswerte spiegeln die tatsächliche Ertragslage daher nicht wieder und wären viel zu hoch. So lag 1988 der Erzeugermilchpreis bei umgerechnte 40 Cent, 30 Jahre später lag der Milchpreis bei 37 Cent, so Erwin Possegger aus Fresach. Die Produktionskosten sind in dieser Zeit aber deutlich gestiegen.

Die Einheitswerte der Betriebe wären aber mit Zustimmung der LK angehoben worden, berichten die beiden. Die Folge davon sei die Vervielfachung der Forderungen des Finanzamtes und der Sozialversicherung der Bauern (SVB).

Erste Exekutionsandrohungen der SVB

Laut Heimo Urbas, der vor Jahren das hoheitliche Desaster der Republik bei der Almvermssung („Almenchaos“) aufgezeigt hatte, gab es mit der zweiten Mahnung betreffend der Beitragsnachzahlung seitens der SVB bereits die Androhung von gerichtlichen Eintreibungsmaßnahmen.

Er selbst habe bisher pro Jahr 2.500 € Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. Jetzt müsse er 14.000 € pro Jahr berappen, berichtet Urbas. „Das ist mit unserem Einkommen nicht mehr finanzierbar. Man fährt da eiskalt drüber“, beklagt der Bauer aus Eisentratten.

LK seit einem Jahr informiert

Bereits vor mehr als einem Jahr habe man sich an den LK-Präsidenten Johann Mössler (Bauernbund) gewandt, aber bisher keine Antwort erhalten. „Deswegen bin ich auch empört. Ich bin Pflichtmitglied bei der Kammer und die oberste Interessensvertretung kümmert sich überhaupt nicht“, ärgert sich Possegger und fordert den Rücktritt von Mössler.

Dieser verwies laut ORF Kärnten via Aussendung darauf, dass bereits 14.000 Unterschriften für eine Entlastung der bäuerlichen Kleinbetriebe gesammelt und eine Resolution an das Sozialministerium übergeben wurden. Zudem werde im Zuge der Steuerreform eine Absenkung der SVB-Beiträge – insbesondere für kleinere bäuerliche Betriebe – gefordert.

Vizepräsident widerspricht Präsidenten

LK-Vizepräsident Manfred Muhr (Freiheitliche und unabhängige Bauern) hingegen unterstützt die Kritik der beiden Bauern. Entgegen aller Warnungen habe Mössler mit den anderen acht Präsidenten der Landwirtschaftskammern die damalige Erhöhung des Einheitswertes ausdrücklich vorgeschlagen, heißt es in einer schriftlichen Erklärung. Das Ganze sei zudem eine Altlast der SPÖ-ÖVP-Bundesregierung. „Nun sollte Mössler zu dieser Verantwortung stehen und nicht versuchen diese abzuwälzen“, betont Muhr.

Artikel geschrieben von

Leopold Th. Spanring

Redakteur

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Diskussionen zum Artikel

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von Josef Kindl

Geringere Erträge und hohe Belastung!

Ich schließe mich dieser Meinung voll und ganz an! Kein Unselbständiger würde so viel Lohneinbußen akzeptieren! Etwas anders sehe ich die Sache mit der Hauptfeststellung. Es bleibt doch jedem Betriebsführer überlassen in das Besteuerungssystem seiner Wahl zu gehen ( Vollpauschalierung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, Bilanzbuchhaltung etc. ). Nur immer jammern bringt unserem Berufsstand höchstens Verunglimpfung seitens uns nicht so gut gesinnter Mitbürger! Selbst grosse Marktfruchtbetriebe kämpfen heutzutage mit dem Überleben, denn wenn diese ehrliche Vollkostenrechnung anstellen sieht die Sache auch eher düster aus. Es ist eben unmöglich, Topqualität zum Schleuderpreis zu produzieren! Denke hier unterscheiden sich die Betriebe punkto Erlöse nicht wirklich! Denn wenn die Betriebsergebnisse wirklich zufriedenstellend sind, haben die wenigsten Betriebsführer mit SV-Beiträgen und Steuern ein Problem! Und dies sei unseren Mitmenschen und Politikern ins Stammbuch geschrieben!

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