Jahresbilanz 2019

ÖBf: Keine Dividende für den Staat

Trotz eines Anteils von fast 80% Schadholz bilanziert die Österreichische Bundesforste AG (ÖBf) im Geschäftsjahr 2019 positiv. Allerdings wird keine Dividende für die Republik ausgeschüttet, nur der Fruchtgenussbetrag in Höhe von 8,3 Mio. € wird abgeführt.

Die beiden ÖBf-Chefs Georg Schöppl (Vorstand Finanzen und Immobilien) und Rudolf Freidhager (Vorstandssprecher, Forstwirtschaft und Naturschutz) müssen die Staatswälder klimafiter machn. (Bildquelle: ÖBf/APA/Hörmandinger)

Die Betriebsleistung ging für das Wirtschaftsjahr 2019 auf 222,4 Mio. € zurück (2018: 238,0 Mio.), der Gewinn vor Steuern (EBT) verringert sich um fast 50% auf 13,4 Mio. € (2018: 26,4 Mio.), das EBITDA auf 24,4 Mio. € (2018: 39,7 Mio.). Die nachhaltige Holzerntemenge wurde mit 1,461 Mio. Erntefestmetern (Efm) trotz starker Marktverwerfungen und des erhöhten Schadholzanteils (79%) eingehalten.

Vorstandssprecher Dr. Rudolf Freidhager sprach bei der Bilanzpressekonferenz von "bislang nie dagewesenen wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels". Im Vergleich zu 2018 haben sich die Klimawandelkosten auf 42,1 Mio. € fast verdoppelt, innerhalb der letzten drei Jahre sogar verdreifacht. Die extrem hohe Schadholzmenge in ganz Mitteleuropa hat den bereits sehr angespannten Holzmarkt weiter belastet und Spuren in der Bilanz hinterlassen. "Wir kämpfen nicht nur an der Front des Klimawandels, sondern nun auch an jener der wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise", so Freidhager.

Nicht-forstliche Bereiche retten Kerngeschäft

Zur positiven Jahresbilanz haben vor allem die nicht-forstlichen Geschäftsfelder, die mittlerweile 45% an der Gesamtbetriebsleistung ausmachen, beigetragen.

Der Bereich Immobilien erzielte 2019 eine Betriebsleistung von 48,7 Mio. € (+5%), der Sektor Erneuerbare Energie leistete mit über 6 Mio. € einen namhaften Beitrag zum Betriebserfolg. Positive Beiträge leistet seit zwei Jahren auch der Dienstleistungssektor, was der Neuausrichtung des Projektgeschäftes zuzuschreiben ist. Damit stabilisieren diese Bereiche den Rückgang im Kerngeschäft Forst/Holz, das 2019 aufgrund der schwierigen Marktsituation erstmals einen negativen Ergebnisbeitrag aufweist, berichtet Finanzvorstand Mag. Georg Schöppl.

2019 wurden auch rund 17,5 Mio. € in die Entwicklung von Immobilien und Liegenschaften sowie den Ausbau erneuerbarer Energien (allen voran Wind- und Wasserkraft) investiert. Heuer sollen es weitere 26 Mio. € sein.

Priorität für Waldumbau und Waldpflege

Angesichts der Klimakrise seien gesunde und vitale Wälder wichtiger denn je, Waldpflege und der Waldumbau das Gebot der Stunde, betont Freidhager. 2019 haben die ÖBf dafür 12,3 Mio. € in die Hand genommen. Für alle 120 Forstreviere werden neue Waldkonzepte erstellt, mit einem Planungshorizont 2100/2150. Das Ziel sind artenreiche und klimafitte Mischwälder, die stabiler gegen Umwelteinflüsse, resilienter als Monokulturen und weniger anfällig für Schädlinge sind. Dabei wird stark auf Naturverjüngung gesetzt.

Insgesamt werden die Bundesforste bis 2025 rund 100 Mio. € in den Waldumbau und die Waldpflege investieren. Auch der Erhalt der Schutzwälder, deren Bedeutung mit dem häufigeren Auftreten von Wetterextremen zunimmt, spielt eine wichtige Rolle. 2019 wurden um 5,3 Mio. Euro mehr für Schutzwälder aufgewendet als im Forstgesetz vorgeschrieben.

Hoher Schadholzanteil belastet

Hauptursachen für den hohen Schadholzanteilwaren Stürme, die großen Schneemengen zu Jahresbeginn und die überdurchschnittlich trockene erste Jahreshälfte 2019, was die Borkenkäferentwicklung begünstigte. Allerdings zeichnet sich beim Käferholz eine anhaltend rückläufige Tendenz ab. Entgegen dem bundesweiten Trend ist der Käferholzanteil in den ÖBf-Wäldern zum vierten Mal in Folge zurückgegangen - auf 210.000 Efm (19%). Freidhager führt dies auch auf die konsequente, wenn auch kostenintensive Waldpflege zurück. 2019 wurden 5,8 Mio. € in die Käferbekämpfung investiert, um ein Viertel mehr als im Jahr davor.


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