Österreich geht bald der Ackerboden aus

"Die Ackerfläche pro Kopf ist durch Verbauung in den letzten 50 Jahren um 32,6 % zurückgegangen und die produktiven Flächen sind durch die Versiegelung für alle weiteren Generationen aus der Produktion genommen worden", erklärt Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, anlässlich des Weltbodentages am 5. Dezember.

Bodenverbrauch

(Bildquelle: )

Die Hagelversicherung stellt heute den erstmals berechneten Bodenverbrauchsindex (BVI) für Österreich vor. Dieser gibt die verfügbare Ackerfläche Österreichs pro Kopf im Vergleich zu 1961 an. Während im Jahr 1961 jedem/r ÖsterreicherIn statistisch noch 2.385 m² Ackerfläche (= 100 %) zur Produktion von Lebensmitteln zur Verfügung standen, so waren es im Jahr 2012 nur noch 1.608 m² pro Kopf (= 67,4 %). Die um 1/3 geringer gewordene Pro-Kopf-Anbaufläche bedeutet bei steigender Bevölkerung eine ernste Gefährdung der Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln, so Weinberger.

Täglich über 20 ha verbaut

2013 wurde schon wieder die fruchtbare Fläche von 339 Bauernhöfen durch Verbauung zerstört. Täglich werden in Österreich 22,4 Hektar Land oder 224.000 m², das entspricht der durchschnittlichen landwirtschaftlichen Fläche eines Bauernhofes, für Straßen, Siedlungen, Shopping Center oder Industriehallen verbaut.

Diese Flächen stehen den nachfolgenden Generationen für die Produktion von Lebensmitteln nicht mehr zur Verfügung. „Die durchschnittliche Fläche von 339 Bauernhöfen, das entspricht umgerechnet mehr als 10.000 Fußballfeldern, wurde seit dem ersten Jänner bis zum Weltbodentag in Österreich bereits wieder verbaut. Wenn wir nicht heute durch eine verantwortungsvolle Raumordnung handeln, gehen uns und unseren Kindern die Böden aus“, so Weinberger weiter.

Diese Versiegelung von Agrarflächen hat negative wirtschaftliche, ökologische und klimatische Folgen. Wirtschaftliche Folgen, weil durch die Versiegelung landwirtschaftlicher Nutzflächen die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig gefährdet wird. Ökologische Folgen, weil der Boden als Wasser- und CO2-Speicher entscheidend für eine funktionierende Umwelt ist. Klimatische Folgen, weil der Bodenverbrauch unmittelbaren Einfluss auf den Klimawandel hat. Wenn derart große Flächen des CO2-Speichers ‚Boden' versiegelt werden, beschleunigt dies den Klimawandel.

Die Österreichische Hagelversicherung als Naturkatastrophenversicherer unterstützt alle Maßnahmen, die auf Bundes- und Länderebene gesetzt werden, um den Bodenverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren, weil der Boden ein bedeutender Klimaschutzfaktor ist. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, gibt es hochgerechnet in 166 Jahren keine Agrarflächen mehr in Österreich. Es ist daher erforderlich Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Boden die Basis für das Leben ist. Mit einer bodenschonenden Raum- und Verkehrsplanung im Heute wird das Klima von morgen gemacht und nicht die Zukunft der Kinder verbaut.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen