Palmöl: Zeit zum Umdenken

„In diversen Pressemeldungen wurde zuletzt auf die Problematik des steigenden Palmölkonsums hingewiesen. Der zweifelhafte Ruf von Palmöl besteht durchaus zu Recht, denn Palmöl kommt aus klassischer Plantagenwirtschaft für die tropischer Regenwald weichen musste“, erklärt Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ ÖR Ing. Franz Reisecker in einer Aussendung. Damit bekommt der Vorreiter gegen den Einsatz von Palmöl in Österreich, Stronach Agrarsprecher Leo Steinbicher, Unterstützung von Kammerseite.

LK Präsident Franz Reisecker ruft auch dazu auf, für die Lebensmittelerzeugung verstärkt auf tierische Fette und pflanzliche Öle aus Österreich zu setzen. Foto: LK Oberösterreich (Bildquelle: )

Beliebte Zutat in der Lebensmittelindustrie

Die Lebensmittelindustrie verwendet Palmöl gerne, weil es leicht zu verarbeiten ist und kostengünstig hergestellt werden kann, so Reisecker in der Aussendung. Durch einen hohen Rauchpunkt weist das Fett eine hohe Hitze- und Oxidationsstabilität auf. Palmöl hat auch bei Zimmertemperatur eine vorteilhafte Konsistenz und ist damit vielseitig einsetzbar. Palmöl wird nicht nur im Lebensmittelbereich eingesetzt, sondern auch in der Kosmetik, in Waschmitteln, für Kerzen oder in der Biodieselerzeugung usw. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht gehört das Palmfett mit rund 50 Prozent gesättigten Fettsäuren nicht zu den empfehlenswerten Fetten, da wir in unserer täglichen Ernährung genug oder zu viel von diesen zu uns nehmen. Im Vergleich dazu hat zB Rapsöl ein sehr viel ausgewogeneres Verhältnis zwischen den verschiedenen Fettsäuren und nur sieben Prozent gesättigte Fettsäuren.
 
Palmöl im öffentlichen Visier

Seit Dezember 2014 müssen laut Reisecker auf Grundlage einer EU-Verordnung auch Pflanzenfette auf Lebensmitteln detaillierter ausgewiesen werden. Es reicht nicht mehr die schlichte Angabe von „Pflanzenfett“, sondern auch die botanische bzw. pflanzliche Herkunft wird angegeben. Für den Konsumenten ist ersichtlich, ob es sich um Palmöl, Sojaöl oder Kokosfett usw. handelt. Die Verordnung macht die zunehmende Verwendung von Palmöl deutlich, die mit der Abholzung des Regenwaldes in Verbindung steht.

Die Ölpalme ist eine typische tropische Pflanze. 85 Prozent der weltweiten Palmölplantagen stehen in Indonesien und Malaysia. Beide Länder haben in den letzten Jahren die Produktion massiv ausgeweitet und gedenken, dies weiterhin zu tun. Der überwiegende Teil der weltweiten Palmölexporte wird von diesen beiden Ländern realisiert. Palmöl ist das meistverwendete Pflanzenöl – der aktuelle Verbrauch weltweit beträgt 65 Millionen Tonnen pro Jahr. Allein in den letzten zehn Jahren wurde die Produktion um 50 Prozent ausgeweitet.
 
Enormer Palmölverbrauch auch in der EU

Die Nutella-Diskussion brachte es zu Tage: auch in der EU wird sehr viel Palmöl verbraucht. Zuletzt war Palmöl mit 7,2 Millionen Tonnen das zweitmeist konsumierte pflanzliche Öl in der EU. Lediglich Rapsöl – die klassische Ölfrucht der gemäßigten Regionen und bei uns heimisch – liegt mit 9,5 Millionen Tonnen Verbrauch vor Palmöl.

Die Diskussionen um Palmöl – vor allem die ökologischen und sozialen Probleme rund um die Palmölerzeugung sind nicht neu. Das von der Umweltorganisation WWF initiierte Nachhaltigkeitszertifikat RSPO (Round Table of Sustainable Palm Oil) enthält Ziele, die bis dato nicht annähernd realisiert wurden. Dazu zählen folgende unerreichte Ziele:
 

„Das größte Problem am Palmöl ist dessen Herkunft und Herstellung. Palmöl-Anbau vernichtet zunehmend Lebensraum. Fette, die in Österreich erzeugt werden, gibt es nicht nur aus tierischer Herkunft, sondern auch aus einer Vielfalt von pflanzlichen Ölen. Wir treten als Landwirtschaftskammer OÖ generell dafür ein, dass für die Lebensmittelerzeugung verstärkt auf tierische Fette und pflanzliche Öle aus Österreich zurückgegriffen wird. Die Produktionsstandards sind hierzulande transparent. Transportwege können minimiert werden und der Anteil an regionalen Rohstoffen in den Lebensmitteln wird erhöht“, erklärt Reisecker abschließend.

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Torsten Altmann

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