Lebensmittelproduktion

„Wollen unseren Bauern den Rücken stärken!“

Das politische Agrar-Kleeblatt aus Ministerium, LK Österreich und Bauernbund will verstärkt Akzente in der Regionalität setzen. Ziel dabei ist, die durch die Corona-Pandemie gebeutelte Landwirtschaft und ihre Strukturen zu stützen. Indes fällt der Handel den Bauern mit neuen Preisaktionen in den Rücken.

Beten alleine ist wohl zu wenig – das wissen auch die Spitzen vom Bauernbund (Abgz.NR Georg Strasser), dem Landwirtschaftsministerium (Ministerin Elisabeth Köstinger) und der LK Österreich (Präsident Josef Moosbrugger). Daher wollen sie die landwirtschaftlichen Strukturen stärken. (Bildquelle: BMLRT)

2020 war ein herausforderndes Jahr für die österreichische Landwirtschaft. Zusätzlich zu oftmals ohnehin schwierigen Rahmenbedingungen hat die Corona-Krise einzelne Branchen, vor allem durch die Schließung der Gastronomie und Hotellerie, besonders schwer getroffen.

Gerade in der Coronakrise haben sich allerdings auch die Stärke und Verlässlichkeit der bäuerlichen Familienbetriebe bewährt. Die österreichische Agrarspitze setzt daher 2021 einen noch größeren Schwerpunkt auf diese Strukturen und Produktionsformen, um die Versorgung mit Lebensmitteln auch in Zukunft zu sichern.

Österreich-Pakt mit mehreren Maßnahmen

Mit einem "Österreich-Pakt" für mehr Wertschätzung, mehr Wertschöpfung und mehr Regionalität will man die Strukturen der Landwirtschaft in Produktion und Vermarktung stärken. Denn "die kleinstrukturierte österreichische Landwirtschaft hat sich als krisensicher bewiesen", stellte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger in einer Online-Pressekonferenz diese Woche fest und ergänzte: "Diesen 'österreichischen Weg' werden wir im Nationalen Strategieplan der Gemeinsamen Agrarpolitik festschreiben, damit unsere Betriebe auch in Zukunft unsere Lebensmittelversorgung sicherstellen können."

Dieser "Österreich-Pakt, abgeschlossen zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel, muss erstklassige Lebensmittel mit regionaler Herkunft sichern“, forderte LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger. In den laufenden Gesprächen mit dem Lebensmittelhandel soll "mehr Regal für Regional" erreicht werden. Die Bäuerinnen und Bauern sind stets bereit, alle Wünsche der Konsumenten zu erfüllen, doch dies sei "zum Nulltarif nicht möglich", so Österreichs oberster Bauer.

Mehr Wertschöpfung für die Bauern nötig

Für Bauernbund-Präsident DI Georg Strasser braucht es zudem "eine Vermarktungsoffensive um den Absatz von heimischen Lebensmitteln weiter zu steigern. "Schlussendlich müssen sich aber auch der LEH, die Gastronomie und die öffentliche Beschaffung für mehr Qualität, Regionalität und Klimaschutz bei Lebensmitteln entscheiden", so Strasser.

Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken in Österreich im ersten Halbjahr 2021 wird eine Entwicklung in Richtung mehr Gerechtigkeit und Partnerschaft auf Augenhöfe mit dem LEH eingeleitet. "Zentral wird hier die Einrichtung einer Erstanlaufstelle, wohin sich betroffene Lieferanten wenden können", berichtete der Obmann des Landwirtschaftsausschusses im Nationalrat weiters.

Diese schon länger geplante "Ombudsstelle für Fairness" zwischen Bauern und Handel soll noch heuer ihren Betrieb aufnehmen. "Wir sind in den finalen Abstimmungen", sagte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger. Mit dem Wirtschaftsministerium und dem Koalitionspartner müsse dies aber noch koordiniert werden. Wo die unabhängige und weisungsfreie Stelle organisatorisch angesiedelt werden soll, ist noch nicht entschieden.

Zudem müsse das Sozialministerium endlich die Spielregeln für eine klare Herkunftskennzeichnung liefern. So ist etwa die verpflichtende Herkunftskennzeichnung der Primärzutaten Milch, Fleisch und Eier in der öffentlichen und privaten Gemeinschaftsverpflegung geplant. Dazu hat das "grüne Sozialministerium" nach top agrar-Informationen ein Rechtsgutachten bei einem vor allem von der ÖVP immer wieder beauftragten Rechtsprofessor eingeholt und werte dieses derzeit aus.

"Umsatzausgleich" für Tierbauern geplant

Der durch die Coronakrise und den Lockdowns stark eingebrochenen Absatzmarkt samt einhergehendem Preisverfall bei Rind- und Schweinefleisch soll den Tierbauern teilweise abgegolten werden. Bei den Schweinen wirkt die fatale ASP-Situation in Deutschland zusätzlich negativ auf Österreich.

Politisch sei fix, dass man da was machen muss und wird, berichtete die Ministerin. Allerdings befinde man sich noch in entsprechenden Verhandlungen mit dem Finanzministerium über die technische Umsetzung. In Rede ist dabei unter anderen, dass ein Steuerberater oder Buchhalter die Zahlen des Landwirtes dann abzeichnen muss, das Entgelt für diese externe Dienstleistung soll aber auch angerechnet werden können.

Ob, wann und wie dieses "Umsatzausfallsgeld" kommt, soll sich in den nächsten zwei Wochen klären. Klar ist aber, dass es dabei nicht um magere 500 € pro Betrieb gehen kann.

LEH schöpft weiter den Rahm ab

Kritiker werfen ohnedies schon ein, dass staatliches Corona-Förder- oder Ausfallsgeld nur den LEH quersubventionieren würde. Denn dieser fährt beinhart die Preise in den Läden zurück.

So laufen im LEH aktuell neben den üblichen nachweihnachtlichen Preisaktionen bei Fleischedelteilen erneut diverse Butter- und Milchaktionen, selbst mit österreichsicher Markenware zu Schnäppchenpreisen. Schaut so die Unterstützung des LEH für die Landwirtschaft aus?

Gerade österreichische Molkereien sind stark – und weit mehr wie die deutschen Milchverarbeiter – von der Gastro und dem Tourismus abhängig. Und dieser ist "in Österreich schlimmstenfalls gar bis Ostern mausetot", so ein Molkereivertreter zu top agrar Österreich.


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