Rupprechter präsentiert Masterplan für den ländlichen Raum

Heute Abend präsentiert Bundesminister Andrä Rupprechter im Rahmen einer Veranstaltung in Korneuburg, NÖ, den Masterplan für den ländlichen Raum. Der Plan wurde im bisher größten Bürgerbeteiligungsprozess dieser Art entwickelt. Mehr als 3.000 Teilnehmer haben in über 50 Tagungen, Workshops und Expertengesprächen detailliert erarbeitet, wie sich die ländlichen Regionen weiterentwickeln sollen. Wissenschaftlich begleitet wurde die Arbeit von Peter Filzmaier und Gottfried Haber von der Donau-Universität Krems.

Bundesminister Andrä Rupprechter wurde bei der Erstellung des Masterplans federführend von den beiden Univ.-Prof.Peter Filzmaier (r.) und Gottfried Haber unterstützt. Heute abend stellt er in Korneuburg den Plan der Öffentlichkeit vor. (Bildquelle: BMLFUW/William Tadros )

Chancengerechtigkeit für den ländlichen Raum ist das große Anliegen des Masterplans für den ländlichen Raum von Landwirtschaftsministerium, Gemeindebund und Landeshauptleutekonferenz. Der Masterplan ist eine Strategie für das Land, die aus dem Land kommt, so der Minister. In 20 Handlungsfeldern erarbeiteten Bürger, Stakeholder und Experten konkrete Perspektiven und Maßnahmen, die gemeinsam Schritt für Schritt umgesetzt werden sollen.

Dezentrale Verwaltung bringt mehr Bürgernähe

Zu den wichtigsten Handlungsfeldern gehört die dezentrale Verwaltung: Mit der Ansiedelung von Bundes- und Landeseinrichtungen in ländlichen Regionen soll Österreich nach bayerischem Vorbild neue Akzente in der Strukturpolitik setzen. Eine dezentrale Verwaltung bringt nicht nur mehr Bürgernähe, sondern attraktive Arbeitsplätze und Impulse in den Regionen, ist Rupprechter überzeugt.

Ebenso forciert werden sollen Gemeindekooperationen. Der demografische Wandel, knappe Haushalte und ein komplexes Verwaltungswesen erfordern, dass Gemeinden neue Wege gehen, um ihre Aufgaben zu bewältigen. So könnten zum Beispiel entsprechende Kompetenzzentren das gemeinsame Wahrnehmen von Verwaltungsaufgaben oder eine koordinierte Förderung von Wirtschaft und Tourismus ermöglichen.

Flächendeckende Breitbandinfrastruktur

Die Digitalisierung gleicht Standortnachteile aus und ermöglicht neue wirtschaftliche Dynamik in Regionen. Unverzichtbare Grundlage dafür ist eine flächendeckende Breitband-Infrastruktur. Hier besteht im ländlichen Raum noch ein deutlicher Aufholbedarf.

Ein weiteres Handlungsfeld betrifft die nachhaltige, effiziente Nutzung wertvoller Ressourcen. Ziel ist die langfristige, schrittweise Transformation in Richtung einer nachhaltigen Bioökonomie und wissensbasierten Kreislaufwirtschaft mit Sicherstellung großer Teile des Wertschöpfungskreislaufs in Österreich.

Um den hohen Bodenverbrauch in Österreich zu verringern, soll eine Neuausrichtung von Raumordnung, Raumplanung, Baurecht und Wohnbauförderung erfolgen. Auch die Mobilität für Menschen und Betriebe ist am Land ein Top-Thema. Der Masterplan plädiert hier unter anderem für einen Ausbau der Mobilitätsnetze zwischen kleinen und mittleren Zentren. Das Verkehrssystem am Land soll auch die Zunahme der älteren Bevölkerung verstärkt berücksichtigen. Im Bereich Gesundheit unterstützt der Masterplan attraktivere Rahmenbedingungen für Landärzte durch ein besseres Honorarsystem und flexiblere Kassenverträge sowie Primärversorgungszentren, Gemeinschaftspraxen und mobile Praxen. Die Betreuung und Pflege älterer Menschen wird ebenfalls zu einem immer wichtigeren Thema für Gemeinden. Es werden regional differenzierte Versorgungsmodelle benötigt, die auch in strukturschwachen ländlichen Räumen Sicherheit bieten.

Nachhaltige Energieversorgung

Der ländliche Raum spielt auch als Produzent umweltfreundlicher Energie eine Schlüsselrolle für die Zukunft. Daher hat auch dieses Thema eine große Bedeutung im Masterplan. Gleiches gilt für die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Regionen. Der Masterplan setzt hier auf regionale Wertschöpfungspartnerschaften zwischen Betrieben und Institutionen (Schulen, Kindergärten, Altenbetreuungseinrichtung), auf eine umfassende Nachfolge-Strategie für (landwirtschaftliche) Betriebe sowie auf die Digitalisierung, die neue Geschäftsideen und Erwerbstätigkeit am Land möglich macht. Durch den Ausbau von Green Care-Angeboten können nicht nur die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe gestärkt werden, sondern auch die jeweiligen Regionen profitieren.

Der Abwanderung entgegenwirken - Moderne Bildungsangebote schaffen

Um dem Brain-Drain" vom Land in die Stadt entgegenzuwirken, soll der ländliche Raum neue Möglichkeiten und Perspektiven eröffnen. Die Ansiedelung innovativer Start-ups und spezialisierter Cluster soll Hand in Hand mit professionellem Leerstands-Management gehen. Vor allem auch für Frauen gibt es im ländlichen Raum zu wenig attraktive berufliche Perspektiven. Der Masterplan setzt daher auf den Ausbau von qualifizierten Arbeitsplätzen und Online-Bildungsangeboten. Zudem seien innovative Konzepte in der Kinderbetreuung gefragt, wird von den Experten betont. Unverzichtbar für mehr Chancengerechtigkeit zwischen Stadt und Land seien auch moderne wie auch vielfältige Bildungsangebote.

Bessere Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement

"Damit ländliche Regionen noch besser vom Tourismus profitieren können, braucht es mehr Zusammenarbeit wie auch eine bessere Integration regionaler landwirtschaftlicher Produkte und Dienstleistungen in das touristische Angebot, wird im Masterplan festgehalten. Als notwendig erachtet werden auch regionale Strategien: Die Orientierung auf Handlungsfelder, wie etwa qualitativ hochwertige Nahrungsmittel, nachhaltige Energieversorgung oder Kreislaufwirtschaft soll leistungsfähige regionale Innovationssysteme fördern. Als Schlüsselfaktoren für individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung werden auch Kreativität und Kultur genannt. Der ländliche Raum soll vor diesem Hintergrund zum Kultur-Land weiterentwickelt werden.

Als besonders wichtig bezeichnet Rupprechter auch das ehrenamtliche Engagement im Sozialbereich, im Sport, in der Kultur und Brauchtumspflege, in der Katastrophenhilfe oder im Bildungssektor. In diesem Bereich seien zeitgemäße steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen erforderlich, so der Minister. -AIZ-

Artikel geschrieben von

Torsten Altmann

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