Rupprechters Masterplan soll im Sommer starten

Der von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter seit Jahresbeginn 2017 aufbereitete Masterplan für den ländlichen Raum steht kurz vorm Abschluss. Ziel sei, Chancengleichheit für den ländlichen Raum zu schaffen. Zu den vorrangigsten Themen zählen die Digitalisierung, die konstante und flächendeckende medizinische Versorgung sowie die Attraktivität der peripheren Regionen zu erhöhen.

Rupprechters Ziel mit seinem Masterplan: Er will den ländlichen Raum stärken, die Abwanderung stoppen. (Bildquelle: BMLFUW )

Details aus dem Maßnahmenprogramm will Rupprechter im Sommer bekannt geben.
"Wenn es uns gelingt, Österreich 'flächendeckend' - vom Oberen Drautal bis an die tschechische Grenze, vom Klostertal bis ins Südburgenland - zum schnellsten digitalen Standort Europas zu machen, können wir die Standortnachteile zwischen Land und Stadt ausgleichen, neue wirtschaftliche Chancen nutzen wie auch von einem modernen Bürgerservice profitieren, erläutert der Minister.

Ziel sei, Vorreiter in Europa zu werden, nicht nur Mitläufer. Im Masterplan enthalten sind dafür unter anderem eine hochwertige, nachhaltige wie auch kostengünstige Breitband-Infrastruktur für Haushalte und Betriebe, die 5G-Versorgung für alle Regionen Österreichs, digitale Hotspots in den Gemeinden sowie die Adaption leer stehender Gebäude für Shared Offices und Telearbeitsplätze.

Gesundheitssicherung am Land

Immer mehr Regionen sehen sich in den kommenden 15 Jahren mit einer mangelhaften allgemein- und fachmedizinischen Versorgung konfrontiert, da etwa 50% der heute tätigen Vertragsärzte dann das Pensionsalter erreicht haben werden.

(Bildquelle: Ligamenta Wirbelsäulenzentrum/pixelio.de)

Um auch in Zukunft eine wohnortnahe ärztliche Versorgung am Land sicherzustellen, schlägt der Masterplan ein Maßnahmenbündel vor, das etwa Gruppenpraxen, Primary HealthCareZentren, mobile Praxen und fachlich ausgewogene Gesundheitssprengeln sowie den Ausbau von E-Health und Telemedizin vorsieht - zum Großteil bereits akkordiert mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

Attraktivität des Landes erhöhen

Insgesamt zielt der Masterplan darauf ab, die Attraktivität der ländlichen Regionen zu erhöhen, um die Abwanderung - bis 2030 sind 10% prognostiziert - in die Städte zu stoppen. Im Vordergrund stehen dabei qualifizierte Frauen, denen attraktive Arbeitsplätze sowie die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch neue Modelle der Ganztags-Kinderbetreuung geboten werden müssen.

Auch für junge Menschen, die keine adäquate Ausbildung am Land sowie entsprechende Arbeitsmöglichkeiten vorfinden, müsse gesorgt werden, so Rupprechter. Ferner fordert der Masterplan neben der Dezentralisierung von Verwaltungseinrichtungen nach bayerischem Vorbild auch eine Weiterentwicklung der kulturellen Infrastruktur, etwa durch Plattformen für regionales Kulturschaffen, regionale Kulturstrategien und die gezielte Förderung der Kreativität von Kindern. Ein starkes Kultur-Land schafft mehr Chancengerechtigkeit gegenüber Städten in kulturellen Fragen und erhöht Potenziale.

Pröll: Beteiligte motivieren und unterstützen

Als Schirmherr für die Umsetzung des Masterplans konnte Rupprechter Landeshauptmann a. D. Erwin Pröll gewinnen, der sich damit - eigenen Angaben zufolge - wieder jenem Thema zuwendet, dass ich bereits in meiner Diplomarbeit und vor Beginn meiner politischen Karriere intensiv bearbeitet habe". Pröll sieht im Masterplan einen ganzheitlichen Planungsansatz, für den nun sicherzustellen sei, dass er ebenso ganzheitlich umgesetzt werde. Seine Rolle dabei sei die des Koordinators hin zu den Ländern und Gemeinden, so Pröll.

Die Herausforderungen der ländlichen Regionen sieht er in der Abwanderung der vergangenen Jahre, die ungebrochene Sogwirkung der Städte in punkto Ausbildung, Arbeitsplätze sowie Anonymität und auf der anderen Seite die Tendenz der Stadtpolitik Dorfstrukturen durch Grätzelbildung" aufzubauen.

Die größte Aufgabe der Politik in den ländlichen Regionen werde sein, so Pröll, die verschobenen Wertigkeiten zurechtzurücken". Dafür brauche es den Rückhalt der Bewohner dörflicher Gegenden ebenso wie der Städter, denn nur gemeinsam könne es gelingen , den ländlichen Raum auch für zukünftige Generationen, für junge Menschen und Familien lebenswert zu erhalten.

Eine rasche, umfassende Digitalisierung im ländlichen Raum sieht der Masterplan u.a. vor. (Bildquelle: Barbara Eckholdt / pixelio.de)



Die finanziellen Mittel für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen seien vorhanden, verwies der Minister auf das verabschiedete kommunale Investitionspaket für Gemeinden mit insgesamt 175 Mio. Euro für die Jahre 2017/18. Ziel sei, diese Mittel noch zu verstärken. Zudem gebe es auch EU-Gelder aus dem Programm Ländliche Entwicklung, die es aus Brüssel abzuholen gelte. Dass die Pläne an einer neuen Regierung ab Herbst, ohne ÖVP-Beteiligung, scheitern könnten, darüber macht Rupprechter sich keine Sorgen: Der Masterplan wird nicht für die Schublade produziert. Jede künftige Bundesregierung ist gut beraten, ihn in die Tat umzusetzen. Österreich braucht einen starken ländlichen Raum, und ein starker ländlicher Raum braucht faire Entwicklungschancen."

Artikel geschrieben von

Torsten Altmann

Schreiben Sie Torsten Altmann eine Nachricht

Droht jetzt Verbot der Vollspaltenböden?

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen