Schmiedtbauer: Auskommen mit Einkommen

Wir brauchen eine Trendwende in der Lebensmittelproduktion. Darüber waren sich Agrarvertreter bei einer Pressekonferenz in Wien einig. Sie wünschen sich nicht nur mehr Sachlichkeit in den Diskussionen, sondern auch mehr Ehrlichkeit und Fairness für die Bauern.

Bauernbund-Präsident Georg Strasser, Bauernbund-Spitzenkandidatin für die EU-Wahl Simone Schmiedtbauer und LK ÖSterreich- Präsident Josef Moosbrugger stellten sich der Frage: Klein gegen groß: Braucht es eine Trendwende in der EU-Lebensmittelproduktion. (Bildquelle: Kraml)

Am aktuellen Beispiel eines ukrainschen Geflügelkonzerns machte Bauernbund-Präsident Georg Strasser klar: "Wir brauchen Importstopps für Produkte, die nicht unsere Standards haben. Gleichzeitig ist eine Lebensmittelkennzeichnung in verarbeiteten Produkten notwendig, um eine Wettbewerbsverzehrung zu verhindern."

Strasser: Weniger Schwarz-Weiß-Malerei!

"Der gesellschaftliche und politische Diskurs rund um die Landwirtschaft wird zunehmend härter. Erwartungen und Vorstellungen der Gesellschaft entsprechen oftmals nicht der Wirklichkeit. Diskussionen sind stark medial getragen und davon beeinflusst. Was mir dabei immer mehr fehlt sind Fakten, Hintergründe sowie die Lebensrealität der Bäuerinnen und Bauern", verdeutlicht Strasser die Kluft zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit der heimischen Lebensmittelproduktion.

Oppositionell gepeitschten Neiddebatten, wenn es um die existentielle Absicherung der heimischen Bauernfamilien geht, kann er nichts abgewinnen. "Die Art und Weise, wie wir Landwirtschaft betreiben, macht uns zum EU-Spitzenreiter bei Umweltmaßnahmen und der Qualität unserer erzeugten Lebensmittel. Die derzeit angestrebten Kürzungen im Agrarbudget würden nicht nur ein Höfesterben forcieren, sondern auch das Ende eines ökosozialen Musterschülers inmitten Europas bedeuten", so Strasser.

Dass es in der heimischen Lebensmittelproduktion eine Trendwende braucht, erklärt Strasser am Beispiel der Kartoffeln. "Ein ungünstiger Mix aus erhöhtem Schädlingsbefall und einer sehr fragwürdigen europäischen Pflanzenschutzpolitik führt dazu, dass uns Ende April die heimischen Erdäpfel ausgehen werden. Wir sind dann auf importierte Ware aus Israel, Ägypten oder Zypern angewiesen, welche folglich in unseren Regalen landet", skizziert Strasser die Problematik und gibt zu bedenken: "Diese Kartoffeln werden weit unter österreichischen Standards hergestellt. Bei vollen Regalen stört diese Entwicklung aber offensichtlich niemanden", fährt er fort. Er selbst bezeichnet sich als Lebensmittelpatriot, der sich mehr landwirtschaftliche Botschafter wünscht.

Schmiedtbauer: Qualität der Lebensmittel ist selbstverständlich geworden

Simone Schmiedtbauer ist die Spitzenkandidatin des Bauernbundes für die EU-Wahl am 26. Mai und seit 1. Februar praktisch tagtäglich in Österreich unterwegs. "Ich nehme die vielen wertvollen Begegnungen und Eindrücke aus Österreichs Regionen mit, um in Brüssel eine starke Stimme für die Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum zu sein", erklärt Schmiedtbauer, die auch Spitzenkandidatin der Steirischen Volkspartei ist. "Was der Europäischen Union und auch den Regionen Europas guttun würde, ist Bürgernähe und mehr Fokus auf die wesentlichen Herausforderungen. Die detaillierte Beschriftung von Marmeladegläsern sollten wir beispielsweise den Mitgliedstaaten überlassen", will sich Schmiedtbauer für mehr Subsidiarität einsetzen.

"Österreichs Bäuerinnen und Bauern denken und arbeiten über Generationen hinweg. Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen kosten aber auch Geld und das ist vielen nicht bewusst. Mehr Leistungen für weniger Geld geht sich nicht aus. Deshalb fordere ich, dass für die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen!", stellt die praktizierende Bäuerin und Direktvermarkterin klar und ergänzt: "Wir müssen uns entscheiden, ob wir in Zukunft eine Struktur mit großen agroindustriellen Betrieben haben wollen oder nicht. Daher braucht es eine Trendwende in der europäischen Agrarpolitik - unsere mittleren und kleinen Betriebe brauchen wieder ein Auskommen in der Landwirtschaft!", so Schmiedtbauer.

Moosbrugger: Brauchen Klarheit am Produkt

"Bäuerinnen und Bauern auf rund 10 Mio. Bauernhöfen EU-weit und auf zirka 160.000 Betrieben bei uns in Österreich decken tagtäglich den Tisch der Gesellschaft, sorgen für blühende Landschaften und erzeugen Rohstoffe für Handwerk, Industrie und Energiewirtschaft. Das alles passiert nach deutlich strengeren Regeln als in der übrigen Welt, dennoch stehen die Bauern in der EU mit Billigstprodukten aus Ländern, in denen Umwelt- und Sozialdumping die Regel sind, in direkter Konkurrenz. Damit die 550 Mio. EU-Bürger mit qualitativ besten Lebensmitteln immer und überall sicher und preisgünstig versorgt werden können, und zwar aus EU-eigener Erzeugung, schafft die EU-Agrarpolitik die geeigneten Rahmenbedingungen. Wir stehen mitten in den Verhandlungen über eine neue Sieben-Jahres-Periode dieser politischen Regeln, die wesentlich vom EU-Parlament mitgestaltet und beschlossen werden. Daher brauchen Österreichs Bäuerinnen und Bauern im EU-Parlament eine Vertreterin mit Kompetenz und Hausverstand, die die Probleme der Menschen auf dem Land aus eigener Erfahrung kennt und ihr fachliches Wissen in die Verhandlungen einbringen kann", sieht Moosbrugger die Aufgabe einer bäuerlichen Vertretung im EU-Parlament.

"Wir müssen den EU-Plänen für eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik noch einige Giftzähne ziehen. Erst dann nützen sie Bauern und Konsumenten gleichermaßen. Derzeit gleichen die Vorschläge eher Anschlägen auf die österreichische Landwirtschaft: So sollen gerade dort Geldmittel gestrichen werden, wo sich die EU von der übrigen Welt positiv unterscheidet, wie in den Bereichen Umwelt, Biodiversität, Bergbauern usw. Hier brauchen wir eine starke Vertreterin, die mithilft, dies zu verhindern. Bäuerinnen und Bauern sind gerne bereit, die vielfältigen Wünsche der Konsumenten zu erfüllen. Sie erzeugen Lebensmittel einzigartiger Qualität nach höchsten Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards. Das geht aber nicht zum Billigsttarif", so Moosbrugger abschließend.

Artikel geschrieben von

Beate Kraml

Redaktion

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