Nach dem Kuh-Urteil

Sicherheitspaket für Almbesucher präsentiert

Nach dem Tiroler Urteil wegen einer tödlichen Kuhattacke hat die Regierung in Kooperation mit Interessensvertretern ihr Aktionspaket „Sichere Almen“ vorgestellt. Dieses enthält neben Verhaltensregeln für Almbesucher auch eine Empfehlungscheckliste für Viehhalter.

Gemeinsam mit den Spitzen vom Österreichischen Alpenverein, der WKÖ und der LKÖ präsentierte MInisterin Elisabeth Köstinger das „Sichere Almen“-Paket. (Bildquelle: Spanring)

Laut Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) sind „Kühe grundsätzlich keine gefährlichen Tiere“, aber Almen wären halt „keine Streichelzoos“. Während es mit Kalbinnen so gut wie nie Probleme gibt, sollen Almbesucher vor allem eine Begegnung von Mutterkühen und Hunden vermeiden.

Für ein gutes Miteinander von Nutztieren und Menschen auf den Almen wurde das „Sichere Almen“-Paket geschnürt. Dieses soll helfen, allfällige Unfälle mit Todesfolge wie 2014 im Tiroler Pinnistal künftig zu vermeiden.

Vier Punkte-Paket „Sichere Almen“

Der Aktionsplan besteht laut Köstinger aus folgenden vier Bausteinen:

1. Gesetzliche Nachschärfungen beim Tierhalterparagrafen im ABGB: Ein Zusatz beim § 1320 ABGB zielt explizit auf die Alm- und Weidewirtschaft ab und betont die Eigenverantwortung der Almbesucher. Diese Gesetzesänderung ist bereits in Begutachtung gegangen.

2. Verhaltensregeln für den Umgang mit Weidevieh:

Die Verhaltensregeln für Besucher der Almen sollen für mehr (Rechts)Sicherheit sorgen. (Bildquelle: BMNT)

Diese Regeln wurden vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer, der Wirtschaftskammer und dem Alpenverein ausgearbeitet. Damit werden Wanderer und Erholungssuchende genau angewiesen, auf Almen den Kontakt mit Weidevieh zu vermeiden und sich ruhig zu verhalten.

3. Empfehlungen und Standards für die Tierhalter: Eigene Empfehlungen für die Landwirte und Almauftreiber sollen zur Sicherheit beitragen und diese im Fall des Falles vor der Haftung schützen. So ist ein Einzäunen von Almflächen normalerweise nicht erforderlich. Bei touristisch besonders stark frequentierten Stellen soll sich der Tierhalter jedoch überlegen, ob aus Sicherheitsgründen eine Einzäunung erforderlich sein könnte. Besonders aggressive Tiere sollen zudem gesondert verwahrt werden. An markanten Stellen sollen Hinweistafeln aufgestellt werden, die auf die Eigenverantwortung der Freizeitnutzer hinweisen und erklären, dass das Mitführen von Hunden gefährlich ist.

4. Dachversicherung für die Landwirte: Spezielle Landesverischerungen sollen zusätzlich zu den eigenen Haftpflichtversicherungen der Bauern diese im Fall des Falles absichern helfen. Allerdings treffen die Bauern bestimmmte Obliegenheitspflichten wie Nachjustierung der eigenen Haftpflichtpolizze, Einhaltung der Vorwarnmaßnahmen mittels Hinweistafeln, allfällige Absperrungen oder Umleitungen von Wegen etc.

Keine 100% Sicherheit

Trotz dieser umfassenden Vorsorgemaßnahmen und Verhaltensregeln muss laut Köstinger und LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger klar sein, dass es „eine 100-prozentige Sicherheit in freier Natur nie geben wird können“. Allerdings kann man die Gefahren minimieren und so für ein gutes gegenseitiges Auskommen von Mensch und Nutztier auf den Almen sorgen.

Aufklärung wichtig und haftungsbefreiend

Für Martha Schultz, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, sind diese Tipps für das richtige Verhalten wichtig und werden den Gästen, Besuchern und Wanderern von den Wirtschaftskammer-Mitgliedern, den Hotels und Beherbergungsbetrieben, auch entsprechend kommuniziert werden.

Laut dem Präsidenten des österreichischen Alpenvereins, dem Rechtsanwalt Dr. Andreas Ermacora, ist „diese Aufklärung der Gäste auch in rechtlicher Hinsicht wichtig“ und er zeigte sich erfreut, dass es zu keinem Hundeverbot kommen soll, da dies letztlich für den Tourismus „fatal“ wäre.

Eigene Homepage www.sichere-almen.at

Zudem wurde eine Hompage mit allen Infos zur Thematik eingerichtet. Unter anderem werden die zehn Verhaltensregeln der Wanderer mittels Film erklärt.

Artikel geschrieben von

Leopold Th. Spanring

Redakteur

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