Grüner Bericht 2021

Stagnation bei den Einkommen

Die Einkommen 2020 in der österreichischen Landwirtschaft verzeichneten ein Plus von 1,4 % auf knapp 28.400 € im Schnitt, gab das Landwirtschaftsministerium bekannt. Im mehrjährigen Vergleich stagnieren die land- und forstwirtschaftlichen Einkommen jedoch.

Die Einkommen von 2020 konnten nicht an die Werte der besseren Jahre 2017 und 2016 heranreichen (Übersicht Veränderung der Einkünfte). In diesen Jahren betrug das Plus noch 12 bzw. 14 %.

Für das Jahr 2020 wurden die Buchführungsdaten von 1.939 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben ausgewertet, heißt es aus dem Ministerium. Die Einkünfte stiegen auf durchschnittlich 28.368 € pro Betrieb. „Während die Einkommensentwicklung stagniert, war die Agrar-Außenhandelsbilanz nahezu ausgeglichen“, resümiert Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger den neuen Grünen Bericht, der heute im Ministerrat behandelt wird.

In den meisten der letzten Jahre schlug das Pendel der landwirtschaftlichen Einkommen nach unten aus. (Bildquelle: BMLRT)

„Die Coronakrise hat die landwirtschaftlichen Betriebe hart getroffen, durch die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung konnten massive Einkommensverluste aber verhindert und die Einkommenssituation stabil gehalten werden“, erklärt Köstinger. „Das ist aber kein Grund für eine Jubelmeldung. Die Einkommen stagnieren in den letzten Jahren. Umso wichtiger ist es, dass unsere Bäuerinnen und Bauern faire Preise für ihre harte Arbeit und ihre Produkte bekommen.“

Große Fluktuation bei Dauerkulturbetrieben

Das größte Plus hatten die Dauerkulturbetriebe mit 34,3 % mehr Einkommen im Vergleich zu 2019 zu verzeichnen. Zu berücksichtigen ist dabei, dass sie im Jahr zuvor ein starkes Minus von 31 % zu verkraften hatten. Kein Wunder, dass im Mittel über drei Jahre ein Minus von 1,8 % steht (siehe Übersicht Ausgewählte Ergebnisse nach Betriebsform 2020). Die Marktfruchtbetriebe konnten sowohl im Vergleich zum Vorjahr (+10 %) als auch im Vergleich zum Dreijahresmittel (+12,9 %) ihre Ergebnisse steigern. Veredelungsbetriebe erzielten mit etwas mehr als 66000 € ein Plus von 1,6 % im Vergleich zu 2019. Im Dreijahresmittel betrug das Plus rund 18 %.

Betriebsform

Vor allem in den Veredelungs- und Dauerkulturbetrieben hat es in den letzten Jahren eine hohe Fluktuation bei den Einkommen gegeben. (Bildquelle: BMLRT)

Die Auswirkungen des Klimawandels haben Österreichs Wälder weiter fest im Griff. Der Holzeinschlag betrug 2020 rund 16,8 Mio. Erntefestmeter und lag damit um 11,2% unter dem Vorjahr (um 6% unter dem zehnjährigen Durchschnitt). Die Preise der forstwirtschaftlichen Erzeugnisse lagen um 4,8 % unter denen von 2019. Der Produktionswert des forstwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs ging 2020 um mehr als 13,7% auf 1,7 Mrd. Euro zurück. Zuletzt sind die Preise durch eine kräftig gestiegene Holznachfrage aber deutlich angezogen. Das heurige Jahr dürfte somit besser für die Forstwirtschaft ausfallen.

4,5 % mehr öffentliche Gelder

2020 wurden in Summe rund 2,3 Mrd. Euro an EU-, Bundes- und Landesmitteln für die Land- und Forstwirtschaft aufgewendet. Das sind um rund 4,5% bzw. 96 Mio. Euro mehr als 2019.

Für die 1. Säule der GAP (Marktordnung) wurden 710,5 Mio. Euro bzw. 32% des Agrarbudgets für rund 104.375 landwirtschaftliche Betriebe und Agrargemeinschaften (sowie rund 25 Firmen) aufgewendet. Diese Zahlungen beinhalten u.a. die Bereiche Basisprämie, Greening-Prämie, Zahlung für Junglandwirte, Imkereiförderung sowie Absatzförderungen und Unterstützungen für Erzeugergemeinschaften.

Die 2. Säule (Ländliche Entwicklung) erfolgt im Rahmen der Kofinanzierung aus Mitteln der EU, Bund und Ländern. Diese umfasste im Jahr 2020 rund 1.053 Mio. Euro (51%) bzw. Zahlungen an 105.171 Betriebe (und 2.203 Firmen und Institute). Die hervorzuhebenden Bereiche sind ÖPUL, Ausgleichzulage für benachteiligte Gebiete, Förderungen für Investitionen, Basisdienstleistung und Dorferneuerung sowie Technische Hilfe und nationales Netzwerk. Für rein national finanzierte Maßnahmen wurden 2020 von Bund und Ländern in Summe 389 Mio. Euro (17%) aufgebracht.

Der Produktionswert der Land- und Forstwirtschaft betrug 2020 rund 9,4 Mrd. Euro (–0,7%). Davon entfielen 7,7 Mrd. Euro auf die Landwirtschaft und 1,7 Mrd. Euro auf die Forstwirtschaft. Der Wert der pflanzlichen Erzeugung erhöhte sich 2020 um 5,7% auf rund 3,3 Mrd. Euro. Der Wert derTierischen Produktion nahm um 0,6% ab.

Im Gegensatz zum Gesamtaußenhandel entwickelte sich der österreichische Agraraußenhandel im Jahr 2020 positiv: Die Exporte erhöhten sich um 3,7% auf 12,75 Mrd. €, die Importe um 0,24% auf 12,77 Mrd. €.

Schmiedlechner will Antworten von Köstinger

„Die Einkommen der heimischen Bäuerinnen und Bauern sind in den vergangenen zehn Jahren um 20 % gesunken. Diese Entwicklung war allerdings schon länger erkennbar, aber ÖVP-Landwirtschaftsministerin Köstinger hat diese verschlafen und nicht entgegengesteuert“, erwiderte FPÖ-Agrarsprecher Peter Schmiedlechner auf die Ergebnisse des Grünen Berichtes.

Peter Schmiedlechner will von Ministerin Köstinger wissen, wie sie die heimische Lebensmittelproduktion sicherstellen will, warum sie in den letzten Jahren nichts erreicht hat und was sie plant, um Verbesserungen für die Landwirte zu erreichen. (Bildquelle: Parlamentsdirektion/PHOTO SIMONIS)

„Von den aktuell höheren Preisen im Handel profitieren die Landwirte leider nicht, die werden von den Handelsketten ‚eingestreift‘. Die Bauern bleiben auf ihren Kosten sitzen, die sich übrigens auf einem Allzeit-Hoch befinden. Kein Wunder, dass immer mehr Landwirte in den Nebenerwerb flüchten müssen. Ich will jetzt von der Bundesministerin eine Antwort darauf, wie sie die heimische Lebensmittelproduktion sicherstellen will, warum sie in den letzten Jahren nichts erreicht hat und was sie plant, um Verbesserungen für die Landwirte zu erreichen. Wenn wir nämlich so weitermachen, werden nicht nur viele weitere Landwirte in den Nebenerwerb schlittern, sondern ihre Betriebe auch zusperren müssen“, erklärte Schmiedlechner.